Freispruch für Weißbrot

Ernährung: Weißbrot gesünder als gedacht

Weißbrot gilt als ungesund und als echter Dickmacher. Doch hinter dem Vollkornbrot muss es sich nicht verstecken. Toast und Co. schneiden in punkto Gesundheit besser ab als gedacht.

Datum:
Frau mit Toast

Öfter mal zum Toast greifen: Weißbrot ist nicht so ungesund, wie viele glauben.

Toast, Baguette oder Ciabatta: Weißbrot hat seit einigen Jahren einen schlechten Ruf. Es macht dick und krank! Gleich für eine ganze Palette von Krankheiten soll Weißbrot verantwortlich sind, zum Beispiel Übergewicht, Fettleibigkeit, Diabetes und Herzinfarkt. So greifen viele lieber zu Vollkorn-, Sauerteig- und Schwarzbrot. Weißbrot besteht zu mindestens 90 Prozent aus Weizenmehl und enthält deutlich weniger Mineralstoffe, Vitamine und Ballaststoffe als Vollkornbrot. Der Grund ist, dass die Hersteller die Randschichten und den Keimling vor dem Mahlen entfernen und nur den Mehlkörper verarbeiten. Vollkorn enthält dagegen sämtliche Bestandteile des Korns, in denen die gesunden Stoffe und unverdaulichen Pflanzenfasern stecken. Ballaststoffe gelten als besonders gesund, wie sie den Darm in Schwung bringen, den Anstieg des Blutzuckerspiegels bremsen und lange satt machen. Doch Weißbrot ist nicht so schlecht wie gedacht, fanden israelische Forscher vom Weizman Institute of Science in Rehovot jetzt heraus. Die Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt „Cell“ (englische Version)

Galerie: Ernährungskreis: So viel darfst du essen

Ernährung: Weißbrot oder Vollkornbrot?

An dem einwöchigen Brot-Test nahmen 20 gesunde Menschen teil. Die eine Gruppe aß ein frisches Brot aus Vollkorn und Sauerteig, das aus einer Bäckerei stammte, während die anderen ein Industrie-Weißbrot aus raffiniertem Weizenmehl verzehrte. Alle Probanden griffen beim Brot mächtig zu: Sie sollten etwa 25 Prozent ihres täglichen Kalorienbedarfs über das Brot aufnehmen. Nach einer zweiwöchigen Pause wechselten die beiden Gruppen ihre Brot-Ernährung: Die Weißbrot-Gruppe konsumierte jetzt das Vollkornbrot - und umgekehrt.
Während des Tests bestimmten die Forscher täglich einige Werte: den Blutzucker, die Cholesterin-, Leber- und Nierenwerte sowie die Konzentration an Mineralstoffen, zum Beispiel Magnesium, Eisen und Kalzium. Überraschendes Ergebnis: Die Forscher machten keinerlei Unterschiede in der gesundheitlichen Wirkung beider Brotsorten aus. Eigentlich hatten die Forscher erwartet, dass der Kombipack aus Vollkorn und Sauerteig sich als die deutlich gesündere Brotvariante erweisen würde.

Blutzucker klettert bei Weißbrot – und gesundem Vollkorn

Die Forscher fanden noch etwas anderes: Bei der Hälfte der Testteilnehmer erreichte der Blutzucker nach dem Konsum von Weißbrot Spitzenwerte. Aber auch nach dem Vollkornbrotverzehr traten diese Blutzuckerspitzen bei 50 Prozent der Probanden auf. Den Grund für den Blutzuckeranstieg ausgerechnet nach dem Verzehr des „gesunden“ Vollkornbrots sehen die Forscher in der Darmflora. Jeder Mensch besitzt eine ganz persönliche Zusammensetzung von Bakterien im Darm, das sogenannte Mikrobiom. Und diese Bakterien spielen bei der Verdauung eine wesentliche Rolle. Welche Nahrungsmittel ein Mensch wie verdaut, ist individuell äußerst unterschiedlich. Was dem einem gut bekommt, ist für den anderen vielleicht nicht unbedingt empfehlenswert. Pauschale Ernährungsratschläge, etwa das Weißbrot grundsätzlich vom Teller wegen seiner ungesunden Wirkung zu verbannen, seien nicht haltbar, so die Forscher.

Galerie: 10 Fallen wie gesundes Essen ganz schön ungesund wird

Hoher Blutzucker: Risikofaktor für Übergewicht und Diabetes

Ein steil nach oben schießender Blutzucker gilt als Risikofaktor für Übergewicht. Die Zellen sind nicht mehr in der Lage, den Zucker aufzunehmen, und wandeln ihn in Fett um – ungeliebte Pölsterchen entstehen. Außerdem schüttet die Bauchspeicheldrüse größere Mengen des blutzuckersenkenden Hormons Insulin aus. Es sorgt dafür, dass der Zucker aus dem Blut in die Zellen gelangt. Wer dauerhaft zu hohe Blutzuckerwerte hat, senkt mit der Zeit die Empfindlichkeit der Körperzellen für das Insulin. Sie reagieren nicht mehr ausreichend auf das Hormon und eine Insulinresistenz entwickelt sich – sie gilt als Vorstufe für Typ-2-Diabetes.

Amazon Fresh

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.