Selbstversuch

Detox-Saftkur: Drei Tage mit Kale&Me

Schluss mit Müdigkeit, mehr Energie, ein leichteres Leben: Detox-Kuren versprechen viel. eVivam Autorin Anna Brüning hat die 3-Tages-Saftkur von Kale&Me getestet.

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6 Säfte pro Tag – ob das wirklich gut tut?

Hier ein Gläschen Wein, dort ein Stückchen Kuchen, vor dem Fernseher eine Tüte Chips und am Wochenende wird gegrillt und Bierchen getrunken – ein genussvoller Lebensstil ist eine echte Herausforderung für den Körper. Wenn dann noch Stresshormone und Umweltgifte dazu kommen, können Müdigkeit, schlechte Haut, Abgeschlagenheit und ein schlechtes Immunsystem die Folge sein. Hier soll eine Detox-Kur helfen. Entgiftungs-Organe wie Leber, Nieren und Haut werden durch die Detox-Ernährung entlastet, indem keine neuen Giftstoffe zugefügt werden und der Körper Zeit für einen „Frühjahrsputz“ hat. So zumindest die Theorie der Detox-Anhänger.

Detox: Alles Quatsch?

Ernährungswissenschaftler konnten jedoch noch nie „Schlacken“ nachweisen, die Detoxkuren angeblich abtransportieren. Der Körper hat ein gut funktionierendes Entgiftungssystem, Giftstoffe werden normalerweise nach wenigen Stunden über Nieren, Leber und Verdauungstrakt entfernt oder neutralisiert. Hier lagert sich nichts ab. Der natürliche Entgiftungsprozess lässt sich weder durch teure Detox-Produkte beschleunigen noch durch süße Sünden stoppen. Ist Detox also eine einzige, große Marketing-Lüge?

Detox vs. Fasten

Zweifellos nachgewiesen sind allerdings die positiven Auswirkungen vom Fasten. Sogar vor Krebs, Depressionen und chronischen Krankheiten kann das Heilfasten schützen. Schon das intermittierende Fasten reguliert den Cholesterin- und Blutzuckerspiegel und senkt Bluthochdruck. Dabei wird beispielsweise nur einen Tag pro Woche gefastet oder jeden Tag werden Fastenperioden von 16, 18 oder auch 20 Stunden eingeplant. Wer beispielsweise nur um 11 und um 16 Uhr isst und dann wieder bis zum nächsten Tag um 11 Uhr fastet, kann die Gesundheit durchaus positiv beeinflussen.
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Sechs Säfte pro Tag, drei Tage lang – so präsentieren sich die meisten Saftkuren.

Die Detox-Säfte

Ich bin hin- und hergerissen. Einerseits halte ich Detox für eine Marketingmasche, andererseits sind die wissenschaftlich bewiesenen Effekte einer Fastenkur nicht von der Hand zu weisen. Eine Mischung aus beiden und gerade extrem angesagt: Saftkuren. Immer mehr Blogger berichten, dass sie drei bis fünf Tage nur kaltgepresste Säfte getrunken und sich fantastisch gefühlt haben. „Schaffe ich nie“, dachte ich immer. Und dass ich sowieso nicht glaube, dass das viel bringen kann. Ich bin ein Genussmensch, liebe gutes Essen, guten Wein, Süßigkeiten. Wieso verzichten, wenn man genießen kann? Und doch reizte es mich, diese Kur mal auszuprobieren. Mir selbst zu beweisen, dass ich es schaffen kann, drei Tage nur Saft zu trinken. Zudem habe ich immer wieder mit schlechter Haut zu kämpfen – vielleicht hilft eine „innere Reinigung“ ja doch. Und gegen zwei Kilo weniger auf den Hüften und glänzende Haare hätte ich auch nichts einzuwenden.

Saftkuren – die Anbieter

Ich entscheide mich für die 3-Tages-Kur von Kale&Me. Diese ist noch eine der günstigeren Kuren. 79 Euro kosten drei Tage Saftfasten. Detox Delight und Frank Juice kosten für die gleiche Zeit über 100 Euro, bei Antidote zahlt man knapp 90 Euro. Das Prinzip der Saftkuren ist überall das gleiche: Es gibt fünf Säfte aus Obst und Gemüse und eine vegane Nussmilch pro Tag. Etwa alle zwei Stunden darf somit getrunken werden. Gegessen wird nichts, nur Wasser und ungesüßte Kräutertees sind erlaubt. Wenn der Hunger zu groß wird, darf es auch eine Banane sein, steht in der Anleitung von Kale&Me.
Alle Säfte werden in einem großen, gekühlten Paket geliefert und müssen im Kühlschrank aufbewahrt werden. Dass die Säfte wirklich frisch und kaltgepresst sind, zeigt sich schon daran, dass sie sich stark absetzen und vor dem Trinken gut durchgeschüttelt werden sollten. „Gepresst wird auf traditionellen Packpressen, die ohne Hitze arbeiten und so die Nährstoffe und Vitamine erhalten“, erklärt Annemarie Heyl von Kale&Me. „Ohne Zusatzstoffe und durch eine besondere Methode der Kalt-Pasteurisation halten unsere Säfte bis zu vier Wochen und schmecken immer wie frisch aus dem Garten. Und das sind sie auch! Unser Obst und Gemüse beziehen wir saisonabhängig aus lokalem Anbau. Dieses wird, wenn nötig, von Hand geschält.“ Da beispielsweise Ananas nicht lokal angebaut wird, arbeitet das Unternehmen bei exotischen Bestandteilen aber auch mit Zulieferern aus dem Ausland zusammen.

Saftkur: Mein Detox-Tag 1

Morgens esse ich gern ein süßes, warmes Porridge mit Apfel und Zimt oder Quark mit Obst. Nun also nur einen Saft. „Pamela Pine“, eine Mischung aus Apfel, Ananas, Gurke, Zitrone und Minze, schmeckt frisch, aber ungewohnt sauer. Das geht ja gut los, denke ich und muss mich überwinden, alles auszutrinken. Den Tag über muss ich mich immer wieder davon abhalten, zwischendurch an den Kühlschrank zu gehen. Dennoch ist meine Motivation hoch. Drei Tage sind zu schaffen! Alle zwei Stunden darf ich ein Fläschchen trinken. Das ist so oft, dass ich teilweise gar nicht hinterherkomme. Saft Nummer 4 nehme ich zu mir, als eigentlich schon Nummer 5 dran ist. Ein leichtes Hungergefühl stellt sich zwischendurch ein. Da man aber so häufig Saft bekommt, hält es sich noch in Grenzen. Dafür ist mir etwas schwummerig und ich bekomme Kopfschmerzen, vor allem nach dem Sport, den ich trotzdem durchgezogen habe. Meine Lieblingssäfte habe ich schon gefunden: „Al Avoca“ mit Avocado, Spinat, Ananas und Zitrone sowie „Amy Almond“ mit Wasser, Mandel, Dattel und Himalaya-Salz. Die reichhaltigsten – wie zu erwarten.

Saftkur: Mein Detox-Tag 2

Waren eigentlich schon immer so viele Essens-Bilder auf Facebook und Instagram? Während ich in diversen Erfahrungsberichten gelesen habe, dass der zweite Tag leichter wird, ist dies bei mir nicht der Fall. 30 Minuten nach jedem Saft habe ich wieder Hunger, meine Laune ist grenzwertig und die zwei Stockwerke zu meinem Büro wirken sehr viel anstrengender als sonst. Meine Gedanken kreisen um Müsli, belegte Brote, Gemüsepfannen, Putenbrust und Ofenkartoffeln. Eine Überraschung für mich: Süßigkeiten spielen in meinen Gelüsten keine Rolle. Die Kopfschmerzen sind weg, doch der Magen knurrt unaufhaltsam. Abends habe ich so großen Hunger und ein starkes Schwindelgefühl, dass ich eine halbe Banane essen muss. Das beruhigt die Nerven ein wenig, wenn ich allerdings daran denke, noch so einen Tag durchstehen zu müssen, wird mir ganz anders. Abgesehen von der Mandel-Milch am Ende sind alle Säfte eher säuerlich, meine Geschmacksnerven beschweren sich. Gerade „Rosy Roots“ mit Apfel, Karotte, Rote Beete, Zitrone und Ingwer sowie „Kalvin Kale“ mit Apfel, Gurke, Staudensellerie, Zitrone, Grünkohl und Spinat habe ich nicht mehr ganz runtergekriegt. Nur noch 24 Stunden, versuche ich mir Motivation einzureden.

Saftkur: Mein Detox-Tag 3

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Lieblingssaft: „Al Avoca“ mit Ananas, Spinat, Avocado und Zitrone.

Nachdem ich am zweiten Tag fast aufgegeben hätte, fällt der dritte Tag überraschend leicht. Kaum noch Hunger, gute Laune, keine Kopfschmerzen. Ich bin nach wie vor etwas schlapp, aber gut drauf. Was ist da denn los? Offenbar hat sich mein Körper nun an die reduzierte Zufuhr gewöhnt – ich hätte nicht gedacht, dass das geht. „Rosy Roots“ und „Kalvin Kale“ schmecken mir immer noch nicht besonders, aber ich halte durch. Und dann die überwältigende Erkenntnis: Ich habe es geschafft!

Fazit meiner Detox-Saftkur

Zwei Kilo waren runter, nach einem Tag mit normalem Essen waren 1,2 Kilo zurück. Zur Gewichtsabnahme ist eine solche Kur also nicht geeignet – eher als Start in eine Diät, die mit dem verkleinerten Magen dann leichter fallen dürfte.
Ich bin ehrlich: Meine Haut ist nicht besser geworden, meine Haare sehen aus wie immer und ich habe eine Erkältung bekommen. Und dennoch bin ich stolz, dass ich durchgehalten habe. Meine Lust auf Süßigkeiten und Knabbereien ist weniger geworden, ich weiß ganz normale Dinge wie ein Käsebrot wieder sehr zu schätzen – nach drei Tagen ohne Essen gibt es kaum etwas Besseres. Und ich habe das Gefühl, dass sich mein Magendarm-Trakt durch die Auszeit beruhigen konnte. Einen Energieschub, einen „Glow“ oder gar ein High habe ich aber nicht erlebt. Zudem habe ich gemerkt, dass Essen nicht nur körperlicher Genuss, sondern auch eine soziale Tätigkeit ist. Während meine Kollegen in die Kantine gingen, blieb ich allein mit meinem Saft am Schreibtisch und als eine Freundin fragte, ob wir nach Feierabend noch einen Wein trinken und etwas essen gehen, musste ich zerknirscht ablehnen. Einsam und gesund? Dann lieber „Schlacken“ und ein aktives Sozialleben. Detox, Fastenkuren und ich werden auch in Zukunft keine besten Freunde.

Detox-Säfte und Rezepte

Anna Brüning

von

Mit guter Musik auf den Ohren am Wasser entlang joggen – der perfekte Ausgleich zum Alltag. Ich liebe es, aktiv zu sein, gesund zu leben und, na klar, darüber zu schreiben.

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