Gefahr aus dem Ei?

Cholesterin erhöht: Wie schädlich ist das wirklich?

Cholesterin ist nicht grundsätzlich schlecht. Gefährlich ist aber das „böse“ Cholesterin, LDL. Auf dieses haben Sie besser ein Auge.

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Zwei gekochte Eier im Eierbecher

Cholesterin erhöht? Dann besser nicht mehr als ein Ei pro Tag!

Ein erhöhtes Cholesterin haben viele Bundesbürger: Bei mehr als der Hälfte aller Männer und Frauen zwischen 18 und 79 Jahren stellen Ärzte ein zu hohes Gesamtcholesterin fest, berichtet das Robert Koch-Institut. Bei diesen Menschen schießt das Cholesterin über den Grenzwert von 190 mg/dl hinaus. Ist ein Mensch deshalb automatisch krank und braucht Medikamente, um den Cholesterinspiegel zu senken? Nicht unbedingt! Denn es gibt zwei Arten von Cholesterin: das „gute“ HDL und das „böse“ LDL. Ausschlaggebend ist das Verhältnis, in dem beide Stoffe im Blut kursieren. Auch müssen noch weitere Risikofaktoren hinzukommen, damit das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall klettert. Dennoch birgt ein erhöhtes Gesamtcholesterin eine Gefahr für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ärzte nennen den erhöhten Cholesterinspiegel Hypercholesterinämie - das Krankheitsbild zählt zu den Fettstoffwechselstörungen.

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Gutes Cholesterin, böses Cholesterin

Cholesterin hat viele Jobs im Körper. Er benötigt es als Bausubstanz für die Zellwände, Vitamin D, Hormone und Gallensäuren. Das meiste Cholesterin produziert die Leber, nur einen kleinen Teil nehmen Menschen über die Nahrung auf. Ärzte kennen zwei Formen des Cholesterins: Das „gute“ HDL transportiert Cholesterin aus dem Gewebe zur Leber, während das „schlechte“ LDL-Cholesterin den umgekehrten Weg einschlägt: es befördert Cholesterin aus der Leber in den Körper. LDL-Cholesterin lagert sich in den Gefäßen ab und bildet sogenannte „Plaques“, die unter anderem Entzündungszellen beinhalten. Diese Plaques sind ein wichtiger Grund für die Arterienverkalkung (Arteriosklerose), die wiederum zu Engpässen im Gefäß, einer Gefäßblockade und damit zu Herzinfarkt und Schlaganfall führt. Ein hohes HDL-Cholesterin bietet dagegen einen gewissen Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Als Faustregel gilt also: ein hohes HDL ist gut, ein hohes LDL ist ungünstig.

Welche Cholesterinwerte sind gesund?

Die Cholesterinwerte hängen von verschiedenen Faktoren ab, zum Beispiel den Genen, der Ernährungsweise und körperlichen Aktivität. Aber auch die Einnahme bestimmter Medikamente und Krankheiten, zum Beispiel eine Schilddrüsenunterfunktion, erhöhen den Cholesterinspiegel.
Für gesunde Menschen nehmen Ärzte folgende Grenzwerte als Richtlinien:
  • Gesamtcholesterin: Werte unter 200 mg/dl (5,2 mmol/l)
  • LDL-Cholesterin: Werte unter 160 mg/dl (4,2 mmol/l) bei niedrigem Risiko, unter 130 mg/dl (3,4 mmol/l) bei mittlerem Risiko und unter 100 mg/dl (2,6 mmol/l) bei hohem Risiko
  • HDL-Cholesterin: mindestens 40 mg/dl (1 mmol/L) für Männer und über 50 mg/dl (1,3 mmol/L) für Frauen
Liegen Sie über, beziehungsweise beim HDL unter diesen Werten, hängt es vom Vorhandensein weiterer Risikofaktoren ab, ob der erhöhte Cholesterinspiegel behandlungsbedürftig ist oder nicht.

Cholesterin erhöht – was tun?

Je höher Ihre Cholesterinwerte sind, desto höher ist auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, etwa Herzinfarkt oder Schlaganfall. Dennoch ist ein erhöhter Cholesterinspiegel alleine noch kein Grund, um cholesterinsenkende Medikamente (Blutfettsenker) einzunehmen. Wichtig sind noch andere Risikofaktoren, zum Beispiel Rauchen, Bluthochdruck, die Zuckerkrankheit Diabetes, die koronare Herzkrankheit KHK oder ein vorausgegangener Herzinfarkt. Diese Risikofaktoren tragen insgesamt zum Herzkreislaufrisiko bei. Je mehr dieser Risikofaktoren Sie haben, desto niedrigere Werte an LDL-Cholesterin sind erstrebenswert. Ärzte versuchen deshalb in erster Linie das „böse“ LDL-Cholesterin zu senken.
US-Herzspezialisten hatten vor einigen Jahren ihre Empfehlungen zur Einnahme von Cholesterinsenkern gelockert. Nur noch Patienten mit ausgeprägten Risikofaktoren erhalten jetzt Medikamente gegen erhöhte Blutfettwerte. Deutsche Ärzte folgen diesen Empfehlungen aber derzeit nicht.

Cholesterin erhöht: Wie ernähre ich mich richtig?

Menschen nehmen nur einen kleinen Teil des Cholesterins über die Ernährung auf. Ernährungsexperten raten, nicht mehr als 300 Milligramm Cholesterin zu verzehren. Diese Menge enthält zum Beispiel ein großes Ei oder etwa 100 Gramm Butter. Ratsam ist es zudem, nicht mehr als 60 Gramm Fett pro Tag zu konsumieren. Allerdings ist Fett nicht gleich Fett: Als gesund gelten (mehrfach) ungesättigte Fettsäuren pflanzlichen Ursprungs. Beispiele sind Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Raps-, Walnuss- oder Leinöl. Auch Pflanzenmargarine oder die Fette aus Nüssen sind gesund.

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Vorsicht geboten ist bei den Fetten aus tierischen Quellen, die Sie besser sparsam verzehren. Sie enthalten meist ungesättigte Fettsäuren, die Ernährungsexperten als ungesund einstufen. Beispiele sind Butter, Sahne, Schmalz, Speck oder Kokosfett. Daneben enthalten viele Lebensmittel versteckte Fette, die Sie nicht gleich sehen: Wurst, Fertigsalate, Pizza oder Kuchen. Bevorzugen Sie bei tierischen Lebensmitteln (nicht Fisch!) magere Sorten. Daneben bieten viele Hersteller heute fettarme oder fettreduzierte Varianten ihrer Produkte an.
Tipp! Auch in pflanzlichen Lebensmitteln stecken manchmal ungesunde Fette, vor allem Transfettsäuren, die bei der industriellen Fetthärtung entstehen. Transfette sind unter anderem in Pommes Frites, Croissants oder Chips enthalten.

Gelockerte Cholesterin-Grenzwerte in den USA

US-Mediziner änderten im Jahr 2015 ihre Ernährungsempfehlungen nach der Analyse vieler Studiendaten. Ihr Fazit: Cholesterin aus Lebensmitteln sei keine Gefahr für die Gesundheit. In den offiziellen Ernährungsempfehlungen warnen sie jetzt nicht mehr vor Nahrungsmitteln mit hohem Cholesteringehalt. Denn es sei kein nennenswerter Zusammenhang zwischen dem Cholesterin in Lebensmitteln und dem Cholesterinspiegel im Blut nachweisbar. Das Frühstücksei beeinflusse die Blutfettwerte kaum. Die Grenzwerte für Cholesterin könnten in den USA bald komplett passé sein.

Bücher über Cholesterin

Ingrid Müller

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