Ernährung und Lebensmittel

Basische Ernährung: Sinnvoll oder nicht?

Ein übersäuerter Körper führt angeblich zu Leiden wie Müdigkeit, Kopfschmerzen, Infekten oder Rheuma. Eine basische Ernährung soll das verhindern. Stimmt das?

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Basische Ernährung

Bei der basischen Ernährung kommt viel Grünzeug auf den Tisch.

Die basische Ernährung

Verfechter der basischen Ernährung bevorzugen Lebensmittel, die bei der Verstoffwechslung im Körper weniger Säure produzieren. Hierzu zählen Obst, Gemüse, Salate oder Fruchtsäfte. Sie enthalten basisch wirkende Mineralstoffe und Spurenelemente. Getreide, Fleisch, Fisch, Wurst oder Käse hingegen haben eine eher „säuernde“ Wirkung und sollten dieser Philosophie nach nur in Maßen verzehrt werden. Alternativmediziner empfehlen die basische Ernährung gern als gesundheitsfördernde Präventionsmaßnahme. „Aus therapeutischer Sicht gibt es dafür aber keine Belege“, so die Diplom-Oecotrophologin Nadine Müller von der Techniker Krankenkasse.
Unabhängig vom Säure-Basen-Haushalt empfiehlt die Ernährungsexpertin dennoch eine obst- und gemüsereiche Ernährung. Obst und Gemüse gehören zu den kalorienärmsten Lebensmitteln bei gleichzeitig hohem Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Ballaststoffen.
Gemüse

Obst und Gemüse bilden den größten Bestandteil der basischen Ernährung.

Der Säure-Basen-Haushalt

Anhänger der basischen Ernährung glauben, dass ein übermäßiger Verzehr von säurebildenden Lebensmitteln zu einer Übersäuerung des Körpers führt. „Unser Körper hat jedoch mehrere Mechanismen, den Säure-Basen-Haushalt zu regulieren. Verschiedene Organe wie Leber, Lunge und Niere scheiden den Säureüberschuss aus, und chemische Puffersysteme neutralisieren die überschüssigen Säuren und Basen. Gesunde Menschen die sich ausgewogen ernähren, haben eine Übersäuerung nicht zu befürchten. Dank komplexer Systeme ist unser Körper in der Lage, die Säure-Basen-Konzentration unter normalen Bedingungen konstant zu halten“, erklärt Müller. Deshalb sind spezielle Diäten oder Nahrungsergänzungsmittel nicht erforderlich.
Nadine Müller, Diplom-Ökotrophologin

„Wenn eine basische Ernährung bedeutet, dass wir viel Obst und Gemüse essen und Lebensmittel mit tierischem Eiweiß wie Fleisch, Fisch, Wurst oder Eier nur mäßig verzehren, dann ist das nicht schädlich, sondern empfehlenswert.“

TK-Expertin Nadine Müller, Diplom-Ökotrophologin, M.Sc. Public Health Nutrition

Die Sache mit der Übersäuerung

Bei gesunden Menschen tritt eine akute Übersäuerung in der Regel nur kurzfristig auf, da die Regulationsmechanismen in unserem Körper perfekt funktionieren und das Säure-Basen-Gleichgewicht selbstständig regulieren. Krankheiten wie schwere Fälle von Diabetes oder Nierenfunktionsstörungen können allerdings zu einer dauerhaften Übersäuerung führen, der sogenannten Azidose. Hierfür ist allerdings die Grundkrankheit verantwortlich – die therapiert werden muss –, nicht die Ernährung.
Um zu messen ob der Körper übersäuert ist, empfehlen viele Ratgeber einen Urintest zur Messung des pH-Wertes. Dieser ist jedoch wenig aussagekräftig, da der pH-Wert des Urins im Laufe des Tages stark schwankt. Zudem zeigt ein saurer pH-Wert des Urins lediglich an, dass die Nieren überschüssige Säure ausscheiden und somit den Säure-Basen-Haushalt regulieren. Ein zuverlässiges Ergebnis kann nur eine Blutuntersuchung liefern.

Eine gesunde Ernährung

Da basische Ernährung bedeutet, viel Obst und Gemüse zu essen und tierische Produkte zu meiden, ist das Konzept aus ernährungsphysiologischer Sicht durchaus sinnvoll und entspricht den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung. Die folgenden Absätze geben dir einen Überblick, welche Lebensmittel basen- und welche säurebildend sind. Aber keine Sorge: Säurebildner wie Kaffee, Wurst und Zuckerprodukte musst du nicht komplett von deinem Speiseplan verbannen. Strikte Verbote bringen auf Dauer nichts, da viele sie nur kurzfristig befolgen. Empfehlenswert ist eine Ernährung, bei der du nicht mehr als 20 Prozent säurebildende Nahrungsmittel zu dir nimmst.

Basenbildende Lebensmittel

Gemüse: Auberginen, Blumenkohl, Bohnen (weiß), Brokkoli, Chicorée, Endivie, Feldsalat, Fenchel, Gurken (frisch), Kartoffeln, Keimlinge/Sprossen, Kohlrabi, Kopfsalat, Kräuter, Lauch, Löwenzahn, Möhren, Pfifferlinge, Radieschen, rote Rüben, Sauerkraut, schwarzer Rettich, Sellerie, Spargel, Spinat, Steinpilze, Tomaten, Wirsing, Zucchini, Zwiebeln
Beeren

Beeren gehören zu den basenbildende Lebensmitteln und dürfen bei einer basischen Ernährung verzehrt werden.

Früchte: Ananas, Äpfel, Aprikosen, Avocado, Bananen, Birnen, Brombeeren, Erdbeeren, getrocknete Früchte, Grapefruit, Hagebutten, Heidelbeeren, Johannisbeeren, Kirschen, Kiwi, Mandarinen, Mango, Melonen, Pfirsiche, Pflaumen, reife Himbeeren, Rosinen, Stachelbeeren, Trauben, Zitronen
Getreide und Ei: Amaranth, Buchweizen, Chia, Dinkel, Sojamehl, Tofu, Vollei
Fette und Öle: Avocadoöl, Kokosnussöl, Leinöl, Mandelöl, Olivenöl (kaltgepresst extra nativ), Traubenkernöl
Nüsse und Samen: Fenchelsamen, Kreuzkümmelsamen, Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne
Milchprodukte: Buttermilch, Frischmilch, Molke, Sahne, Schaf- und Ziegenmilch, Soja-Milch
Getränke: Frische Gemüsesäfte, Hafermilch, Kräutertee, Mandelmilch, stilles Wasser

Säurebildende Lebensmittel

Tierische Produkte: Fleisch, Wurst, Fisch, Meeresfrüchte, Eier
Gemüse, Hülsenfrüchte: Artischocken, Erbsen (getrocknet), Kernbohnen, Kichererbsen, Linsen, Mais, Rosenkohl
Honig, Zucker und Produkte, die Zucker enthalten
Nüsse und Samen: Erdnüsse, Hanfsaat, Haselnüsse, Leinsaat, Mandeln, Mohn, Sesam
Milchprodukte: Camembert, Emmentaler, H-Milch, H-Sahne, Hüttenkäse, Mozzarella, Parmesan, Quark, Sauermilchprodukte, Schmelzkäse, Ziegen- und Schafskäse
Getreideprodukte: Gerste, Graupen, Haferflocken, Knäckebrot, Maisstärke, Pasta (weiß), Roggenmehl, Schwarzbrot, Weißbrot, Reis (weiß), Weizen, Zwieback (weiß)
Fette und Öle: Butter, Ghee, Maisöl, Margarine
Getränke: Alkohol, abgepackte Fruchtsäfte, Cola, Kaffee, kohlensäurehaltige Getränke, Limonade, schwarzer Tee
Würzmittel: Essig, Ketchup, Mayonnaise, Senf
Sonstiges: Dosenobst, Fast Food, Fertiggerichte
Sandra Bültermann

von

TCM, Qigong und Ayurveda sind für mich keine Fremdwörter. Ich probiere gerne Neues aus, mir gefallen asiatische Gesundheitskonzepte und eine gesunde Lebensweise ist mir wichtig.

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