Was steckt hinter der alternativen Küche?

Ayurveda-Ernährung: Auf den Typ kommt es an

Ayurveda betrachtet den Menschen als Ganzes und die Ernährung richtet sich nach seinem jeweiligen Konstitutionstyp. Was das genau heißt, erklärt eVivam.

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Ayurveda-Ernährung

Safran, Chili und Vanille sind typische Gewürze bei Ayurveda-Ernährung.

Ein ganzheitliches Gesundheitssystem

Ayurveda stammt aus Indien und ist eine 5.000 Jahre alte Heilkunst, die sich als das Wissen (veda) vom langen Leben (ayur) beschreiben lässt. Ziel der ganzheitlichen Lehre ist es, Lebenskraft zu spenden und das Wohlbefinden zu steigern. Zudem soll der Körper entgiften und Selbstheilungskräfte aktivieren. Um Körper, Seele und Geist in Einklang zu bringen, setzt Ayurveda auf Reinigungskuren (Panchakarma), Massagen, Yoga und – als wichtigstes Element – eine gesunde Ernährung.

Das ayurvedische Ernährungskonzept

Anders, als bei vielen Diäten oder Ernährungsformen unserer westlichen Welt, gibt es im Ayurveda keine starren Dogmen, die zu befolgen sind. Ayurveda schenkt auch Nährwert, Cholesterin- und Kalorienangaben nicht die Beachtung, wie wir es tun. Der Schwerpunkt liegt in der sinnlichen Wahrnehmung und der Verträglichkeit. Ob eine Banane viel Kalium oder Magnesium enthält, schmecken wir nicht. Ein volles Aroma hingegen schon. Auf den Genuss kommt es an. Nahrungsmittel, die du gerne isst und die dir gut tun, wirken nach der ayurvedischen Lehre wie eine Medizin. Und da jeder Mensch andere Vorlieben hat und jeder unterschiedlich auf Lebensmittel reagiert, gibt es im Ayurveda keine „Einheitsdiät“. Ayurveda berücksichtigt deinen individuellen Typ: Wie reagierst du auf Stress, Klima, Medikamente und Nahrungsmittel? All das hängt von deiner inneren Natur, deinem Temperament und Charakter ab. Abhängig von deiner Konstitution gilt es, die bestmögliche Ernährungsweise für dich zu finden.
Nadine Müller, Diplom-Ökotrophologin

„Ob und wie sich die ayurvedische Ernährung auf die Gesundheit auswirkt, ist wissenschaftlich nicht belegt. Aber eine bewusste Ernährung und das Ziel, mit sich selbst im Gleichgewicht zu sein, sind Teile eines gesundheitsbewussten Lebensstils und auf jeden Fall positiv zu bewerten.“

TK-Expertin Nadine Müller, Diplom-Ökotrophologin, M.Sc. Public Health Nutrition

Die drei Lebensenergien Vata, Pitta, Kapha

Die Unterscheidung der drei menschlichen Grund-Konstitutionstypen Vata, Pitta und Kapha ist Kernstück der ayurvedischen Lehre. Vata gilt als die Lebensenergie und steuert die Atmung, das Nervensystem und die Bewegungen. Pitta ist die Energie der Erhitzung und für die biochemischen Vorgänge im Körper verantwortlich, also den Stoffwechsel und die Verdauung. Kapha gilt als die formende Energie. Sie reguliert den Aufbau der Körperstrukturen wie Wachstum, Stabilität und Gelenkigkeit. Nach der ayurvedischen Gesundheitslehre trägt jeder Mensch diese drei Lebensenergien, auch Doshas genannt, in sich – aber jeder in einer anderen Kombination. Dieses individuelle Dosha-Programm bestimmt unter anderem deinen Gesundheitszustand, deine geistigen Fähigkeiten wie auch das äußere Erscheinungsbild. So erklärt Ayurveda auch, warum jeder Mensch auf äußere Reize, etwa Kälte oder Wärme, unterschiedlich reagiert.

Eine Frage des Typs

Die Doshas verleihen dir deine individuelle Konstitution und bilden die Grundlage für deine individuellen körperlichen und seelischen Stärken sowie Schwächen. Jeder Mensch hat von Geburt an seine eigene Mischung der drei Doshas. Kaum einer besitzt nur die Eigenschaften eines einzelnen Doshas. Um Körper und Seele in Balance zu halten, orientiert sich die ayurvedische Ernährung an den Bedürfnissen deiner Konstitution.
Ein Selbsttest kann dir einen ersten Eindruck vermitteln, welches Dosha vorwiegend in dir wirkt. Für eine umfangreichere Beurteilung deines Typs empfiehlt sich ein seriöser Ayurveda-Arzt, nach dem du auf der Seite des Verbands europäischer Ayurveda-Mediziner und -Therapeuten suchen kannst. Er stellt dir Fragen, etwa zu Appetit und Temperament, berücksichtigt deinen Körperbau, die Haut sowie die Körpertemperatur und greift auf Untersuchungen wie Puls- und Zungendiagnostik zurück.
Ayurveda-Tee

Tee ist wegen seiner heilenden und reinigenden Kräfte ein elementarer Bestandteil in der ayurvedischen Küche.

Die ayurvedische Küche

Im Ayurveda spielt die Verdauung eine zentrale Rolle. Um sie positiv zu beeinflussen, gibt die ayurvedische Ernährungslehre einige Grundsätze vor. So solltest du beispielsweise süße Speisen vor den Hauptmahlzeiten essen, da sie nur schwer zu verdauen sind. Und kombiniere keine tierischen Eiweiße (Eier, Milch, Fisch oder Fleisch) miteinander. Milch gibt es nur in Kombination mit Hülsenfrüchten wie Linsen, Kichererbsen und Mungobohnen, nicht aber mit Obst. Obst sollte generell nicht mit anderen Lebensmitteln verzehrt werden, da es starke Gärungsprozesse auslöst. Kartoffeln, Teigwaren, Getreide und Fette kombinierst du optimalerweise mit Salat und Gemüse. Rohkost spielt in der ayurvedischen Küche kaum eine Rolle. Die meisten Speisen werden gekocht.
Nadine Müller bewertet die Auswahl der Lebensmittel nach ayurvedischer Tradition positiv, davor allem pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkorngetreideprodukte, aber auch Nüsse und Milchprodukte eine große Rolle spielen und Fisch, Fleisch, Eier und Käse eher selten auf den Teller kommen“. Nach Meinung der Expertin ist eine ayurvedische Ernährung als Dauerkost geeignet.
Die folgenden Ratschläge gelten nicht nur im Ayurveda für alle Doshas, sondern entsprechen auch den Empfehlungen hiesiger Ernährungsexperten:
  • Iss nur bei Hunger und verzichte auf Zwischenmahlzeiten.
  • Zwischen den Mahlzeiten sollten drei Stunden liegen.
  • Nimm dir Zeit fürs Essen.
  • Verwende vorwiegend frische, heimische Produkte.
  • Iss in angenehmer Atmosphäre, am besten gemeinsam mit anderen Menschen.
  • Versuche, verschiedene Arten des Essens anzuwenden: kauen, lecken, saugen, beißen ...
  • Vermeide kalte Getränke zu warmen Speisen. Besser ist warmer Tee oder lauwarmes Wasser.

Die Kraft der Gewürze

Eine besondere Bedeutung bei der ayurvedischen Ernährung kommt auch den Gewürzen zu. Wie in vielen alten Kulturen werden ihnen neben ihren geschmacklichen Qualitäten heilsame Wirkungen zugeschrieben. Auch die hiesigen Naturheilkundler setzen seit jeher auf die Heilkraft von Pflanzen. So soll beispielsweise Zimt, eines der ältesten Gewürze der Welt, bei Verdauungsproblemen helfen. Oder Ingwer: Die asiatische Medizin nutzt die Knolle schon seit Jahrhunderten für medizinische Zwecke. Bei uns ist sie ein bekanntes Mittel gegen Übelkeit und Gelenkschmerzen. „Die gesundheitsfördernde oder gar heilende Wirkung ist allerdings wissenschaftlich nicht gesichert. Eigenschaften wie ,verdauungsförderndʻ oder ,harntreibendʻ beruhen ausschließlich auf traditionellen Überlieferungen und Erfahrungen“, so Müller.
Die folgende Übersicht zeigt, welche Gewürze fester Bestandteil der ayurvedischen Küche sind und welche Anwendung sie dort finden:
Ingwer wirkt antiseptisch, hilft bei nervösem Magen und fördert die Durchblutung. Als Tee eignet sich Ingwer bei Erkältungskrankheiten.
Kardamom wirkt entspannend, zugleich anregend, leicht aphrodisierend, entzündungshemmend und stimmungsaufhellend. Zudem kurbelt es den Stoffwechsel und somit die Verdauung an.
Koriander wirkt appetitanregend und hat eine antibiotische Wirkung. Er rundet oft Gewürzmischungen ab.
Kreuzkümmel (Cumin) wirkt entblähend und entgiftend, stärkt die Verdauungskräfte, reinigt das Blut und stärkt die Leber. Kreuzkümmel ist ein beliebtes Joghurt- und Lassi-Gewürz.
Kurkuma reinigt Magen und Nieren, wirkt antiseptisch und antibakteriell. Es gibt Reis und Gemüse die typisch gelbe Farbe.
Safran regt den Appetit an. Das Gewürz kann bei Kopfschmerzen helfen und soll Leber, Herz und Milz stärken. Er gibt Reis, Joghurt und Süßspeisen seine charakteristische Farbe und ein süßes Aroma.
Senf-Saat ist stark kreislaufanregend und eignet sich zum Würzen von Gurkensalat und vegetarischen Gerichten.
Sternanis wirkt anregend und zugleich harmonisierend. Zudem soll es bei Magenkrämpfen helfen und die Bronchien bei Reizung beruhigen. Currygerichte werden damit gewürzt.
Zimt ist ein wärmendes, anregendes Gewürz. Es wird bei Erkältungen eingesetzt, kann den Blutzucker senken und ist antibakteriell. Zimt eignet sich gut für Lassis, Milchreis, Grießbrei, Currysoßen und Süßspeisen.

Sechs Geschmacksrichtungen

Bevor es darum geht, welchem Konstitutionstyp welche Nahrungsmittel gut tun, lernst du die sechs Geschmacksrichtungen der ayurvedischen Küche kennen. Auch ihnen werden verschiedene Eigenschaften und Wirkungen zugesprochen:
süß: stimmungsaufhellend, beruhigt das Nervensystem, nährend
sauer: fördert die Verdauungskraft, appetitanregend, leicht stimulierend
salzig: speichert Wasser im Körper, erhitzend, verdauungsanregend
herb (wird auch als zusammenziehend bezeichnet): kühlend, trocknend, verdauungsfördernd
bitter: leicht kühlend, appetitanregend, blutreinigend
scharf: stark erhitzend, schleimlösend, verdauungsfördernd
Diese Geschmacksrichtungen werden in der ayurvedischen Küche gezielt eingesetzt, um die Doshas positiv zu beeinflussen.
Obst und Gemüse

Obst und Gemüse gehören sowohl zur ayurvedischen als auch zu einer gesunden, vollwertigen Ernährung.

Typgerechte Lebensmittel

Jedes Nahrungsmittel und jede Geschmacksrichtung wirkt sich unterschiedlich auf die Doshas aus. Für die ayurvedische Ernährung ist es daher Voraussetzung, dass du deinen Konstitutionstyp kennst und dich entsprechend ernährst. Mit dem Hintergrund der drei Grundtypen und ihrer Mischtypen erklärt sich auch, warum zwei Menschen völlig unterschiedlich auf die gleichen Nahrungsmittel reagieren können. Aber wer braucht was? Zunächst ein grober Überblick, wem was gut tut:
Vata-Typ: Für ihn sind regelmäßige, warme Mahlzeiten und Getränke empfehlenswert. Er sollte blähende und stark gewürzte Gerichte meiden und stattdessen auf süße, saure und salzige Nahrungsmittel zurückgreifen.
Pitta-Typ: Er sollte vorsichtig mit Kaffee, Alkohol sowie Gewürzen sein und scharfe wie ölige Nahrungsmittel meiden. Er verträgt süß, bitter und herb besonders gut.
Kapha-Typ: Er sollte alle fetten, gebratenen und schweren Nahrungsmittel sowie Süßspeisen und Milchprodukte meiden. Scharfe, bittere und zusammenziehende Nahrungsmittel sind für ihn empfehlenswert.
Die folgende Tabelle listet detailliert auf, welche Lebensmittel welchem Konstitutionstyp gut tun.

Geeignete Lebensmittel für die Konstitutionstypen

Vata-Typ

Pitta-Typ

Kapha-Typ

Gemüse und Salat

Bohnen, grüne Süßkartoffeln, Gurken, Karotten, Knoblauch, Rote Beete, Spargel, weißer Rettich, Zwiebeln, in kleinen Mengen auch Avocados, Erbsen, Kartoffeln, Sellerie, Spinat, Tomaten und Zucchini

Avocado, Brokkoli, Chicorée, grüne Bohnen, grünes Blattgemüse, grüner Salat, Gurken, Kartoffeln, Paprika, Pilze, Rosenkohl, Rot- und Weißkohl, Spargel, Sprossen, Stangensellerie, Zucchini

fast alle Gemüsesorten, besonders Auberginen, Blattsalate, Blumenkohl, Brokkoli, Chicorée, Fenchel, grünes Blattgemüse, Karotten, Kartoffeln, Knoblauch, Pilze, Radieschen, Rettich, Rot- und Weißkohl, Rote Beete, Spargel, Sprossen, Stangensellerie, Zwiebeln

Obst

süßes und reifes Obst, wie Ananas, Aprikosen, Bananen, Beeren, frische Feigen, Grapefruit, Honigmelone, Mangos, Nektarinen, Orangen, Papaya, Pfirsiche, Pflaumen, Trauben, Zitronen

süßes und reifes Obst, wie Ananas, Äpfel, Birnen, Feigen, Kokosnuss, Mangos, Melone, Orangen, Pflaumen, Rosinen, Süßkirschen, Trauben, Trockenpflaumen

Äpfel, Birnen, Datteln, Feigen, Granatäpfel, Preiselbeeren, Trockenfrüchte

Getreide

Basmatireis, Weizen

Basmatireis, Gerste, Hafer, Weizen

Buchweizen, Gerste, Hirse, Mais, Roggen, weißer Reis (in kleinen Mengen)

Milchprodukte

alle, besonders Butter, Frischkäse, Joghurt, Milch, Sahne

Eis, Hüttenkäse, Milch, ungesalzene Butter

Buttermilch, fettarme Milch, Ghee (in kleinen Mengen), Vollmilch (in kleinen Mengen)

Hülsenfrüchte

Kichererbsen, Mungobohnen, rote Linsen

frische Erbsen, grüne Bohnen, Kichererbsen, Mungobohnen, Tofu und andere Sojaprodukte

alle, außer Sojaprodukte, weiße und schwarze Bohnen

Öle und Fette

alle Speiseöle

Ghee, Kokosnussöl, Olivenöl, Sojaöl, Sonnenblumenöl

Distelöl, Ghee, Maiskeimöl, Mandelöl, Sonnenblumenöl (in kleinen Mengen)

Fleisch und Eier

weißes Fleisch, wie Geflügel, Fisch, gekochte Eier, Rührei

Eiweiß, Fasan, Geflügel, Hase, Wild

Garnelen, Geflügel, Rührei, wenig Wild

Nüsse und Samen

alle Sorten in kleinen Mengen

Kokosnüsse, Kürbissamen, Sonnenblumenkerne

Kürbissamen, Sonnenblumenkerne

Süßmittel

Ahornsirup, Honig, Zuckerrohrprodukte

alle Süßmittel, außer Honig und Melasse

Honig

Kräuter und Gewürze

Anis, Basilikum, Estragon, Fenchel, grüner Koriander, Ingwer, Kardamom, Kreuzkümmel, Kümmel, Lorbeer, Majoran, Muskatnuss, Nelken, Oregano, Pfeffer, Salbei, schwarzer Senf, Süßholz, Thymian, Wacholder, Zimt

in geringen Mengen Dill, Fenchel, grüner Koriander, Ingwer, Kardamom, Kurkuma, Minze, Safran, schwarzer Pfeffer, Zimt

alle (außer Salz), insbesondere scharfe Gewürze, wie Ingwer, Kardamom, Koriander, Kurkuma, Nelken, schwarzer Pfeffer, Zimt

Alltags- und familientaugliche Rezepte findest du im Kochbuch „Meine Ayurveda-Familienküche“ von Volker Mehl („Meine Ayurveda-Familienküche“ – jetzt bei Amazon bestellen). Wer lieber online schaut, findet auf den Seiten der Ayurveda-Akademie leckere ayurvedische Rezepte.
Sandra Bültermann

von

TCM, Qigong und Ayurveda sind für mich keine Fremdwörter. Ich probiere gerne Neues aus, mir gefallen asiatische Gesundheitskonzepte und eine gesunde Lebensweise ist mir wichtig.

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