Problem Binge Eating

Alles auf einmal: Was tun gegen Fressattacken?

Wer in kurzer Zeit übermäßig viel Nahrung in sich reinstopft, erlebt im Rausch ein Glücksgefühl. Doch die Quittung folgt. Ist der Essflash vorbei, ist nicht nur ein Völlegefühl die Konsequenz, sondern auch ein Plus auf der Waage. eVivam verrät, wie du dem „Binge Eating“ widerstehen kannst.

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Fressattacke

Im Moment der Fressattacke ist das maßlose Essen für die Betroffenen wie ein Rausch. Das schlechte Gewissen gibt’s obendrauf.

Wenn man Fressattacken, neudeutsch auch „Binge Eating“ genannt, etwas Gutes abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass das schlechte Gewissen vorprogrammiert ist. Spätestens, wenn dir dein Körper die Folgen deiner Tat direkt vorhält, weil du dich matt und träge fühlst, begreifst du automatisch, dass derartige Völlerei dir auf die Dauer nicht gut tut. Doch nicht immer sind Fressattacken in emotionalen Schwankungen begründet. Häufig sind sie Ausdruck einer Essstörung, die mit simpler Selbstkontrolle nicht zu beheben ist. Erst recht, wenn der Drang nach Binge Eating in regelmäßigen Wellen über den Betroffenen hereinbricht, ist Vorsicht geboten.

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Fressattacken: Woher sie kommen

Es gibt in der Regel drei Auslöser für Fressattacken. Da wäre zunächst einmal die klassische Diät. Wer seinem Körper plötzlich weitaus weniger Nahrung zufügt als gewöhnlich, der muss damit rechnen, dass dieser die vermeintlich fehlenden Stoffe lautstark wieder einfordert. Die Folge: Unser Gehirn sendet übermäßige Hungersignale aus. Dadurch, dass wir uns während einer Diät ohnehin stark mit Nahrungsaufnahme, Kalorien und Verzicht auseinandersetzen müssen, wird es irgendwann immer schwerer, dem Drang nach dem Genuss standzuhalten. Da liegt es nah, dass man irgendwann schwach wird. Die Fressattacke wird häufig als „einmalige Sünde“ angesehen, bis wir nach einigen Tagen erneut in dieses Hunger-Fress-Muster verfallen. Damit geht auch der zweite Binge-Eating-Auslöser einher, der da lautet: falsche Gewohnheiten. Als Kind war es für uns ganz selbstverständlich, dass wir dreimal am Tag eine große Mahlzeit einnehmen. Das ist in der hektischen Arbeitswelt von heute jedoch nicht mehr unbedingt möglich. Wir essen, wann es uns passt. Mal stundenlang nichts, dann plötzlich viele kleine Snacks auf einmal. Doch wenn wir immer dann essen, wenn es uns zeitlich gerade passt, ist die Gefahr groß, dass wir gar nicht merken, wenn wir plötzlich viel zu viel essen. Die Folge: Unser Körper verlangt mit der Zeit nach immer mehr Nahrung und programmiert unser Essverhalten schrittweise um. Ein Sättigungsgefühl tritt somit erst viel zu spät ein und eine Fressattacke wird nicht selten gar nicht mehr als eine solche wahrgenommen. Der dritte Auslöser ist indes emotional begründet. Bei Wut, Trauer, Stress, Angst oder Langeweile hat es sich schon immer als kurzfristiger Seelenbalsam erwiesen, einfach hemmungslos zu schlemmen. Hier rührt auch der Begriff Frustessen her. Auch hier gilt: Wer einmal sündigt, ist noch lange kein Binge Eater. Doch je länger eine solche Stress- oder Trauerphase andauert, desto größer ist auch hier die Gefahr, dass sich der Körper daran gewöhnt und wir unser Essverhalten schrittweise umorganisieren.
Fressattacke

Schwangere entwickeln aufgrund ihres schwankenden Hormonspiegels häufig einen kaum zu bändigenden Heißhunger, der mit einer Änderung des Geschmacksempfindens einhergeht.

Fressattacken erkennen und Schritt für Schritt beheben

Bevor wir unseren Körper von einem krankhaften Essverhalten entwöhnen, kann es helfen, sich die einzelnen damit einhergehenden Schritte bewusst zu machen. Wir müssen einen Reset unseres Essverhaltens durchführen wollen. Ohne Standhaftigkeit ist es nur sehr schwer, das Binge Eating konsequent aufzugeben. Resultieren die Fressattacken aus einer Diät heraus, ist dies ein Zeichen, dass die Art der Diät unserem Körper eher schadet als nutzt. Ziehe in diesem Fall einen Arzt oder Ernährungsexperten zurate. Dieser hilft dir dabei, deine Ernährung langfristig umzustellen und so zum gewünschten Erfolg zu gelangen. Anschließend hinterfragst du dich ehrlich: Wo rühren meine Fressattacken her? Bin ich emotional gestresst und esse daher, um mich zu beruhigen, oder hat mein Körper die Kontrolle über sein Hungergefühl verloren? Hier kann auch der Austausch mit engen Vertrauten helfen, die ihre Beobachtungen ehrlich mit dir teilen sollten. Hast du dadurch erst einmal einen Überblick über dein eigenes Essverhalten gewonnen, kannst du dich gezielt damit auseinandersetzen, wie du in Zukunft damit umgehst. Versuche, dich an die Essgewohnheiten deiner Kindheit zurückzuerinnern: Drei Mahlzeiten am Tag sind für den Körper ideal. Wenn es doch mal eine Zwischenmahlzeit sein soll, greife auf gesundes Obst und Gemüse zurück. Achte darauf, dass deine Speisen möglichst viel Eiweiß und Ballaststoffe enthalten. Das sättigt und hält den Blutzuckerspiegel auf einem konstant hohen Level. Auch ausgiebiger Schlaf trägt dazu bei, dass du weniger empfänglich für Fressattacken bist. Der Grund: Schläfst du regelmäßig zwischen sieben und acht Stunden, steigt das Sättigungshormon Leptin in deinem Körper automatisch, während appetitanregendes Ghrelin sinkt. Übrigens: Auch psychische Tricks haben sich bewährt, um auf Dauer wieder ein gesundes Essverhalten zu erlangen. Pack dir ein Foto aus schlanken Zeiten ins Portemonnaie. Wenn du merkst, dass dich der Heißhunger überfällt, holst du es raus und entwickelst unterbewusst sofort den Ehrgeiz, wieder so auszusehen wie damals – und greifst eher zu Gurke mit Quark anstatt zu Pommes mit Mayo.

Fressattacken: Den Körper verstehen

Selbst, wenn du dich mit der Zeit von deinen Fressattacken entwöhnt hast, ist eine Erkenntnis besonders wichtig: Heißhunger signalisiert immer einen Mangel. Und der ist oftmals nicht bloß auf ein körperliches Defizit zurückzuführen. Natürlich hat Binge Eating auch häufig etwas mit physischen Gegebenheiten zu tun. Die Dehnungssensoren im Körper registrieren einen leeren Magen, obwohl dieser vielleicht schon längst oder immer noch gefüllt ist. Die Chemorezeptoren prüfen indes, ob genug Nährstoffe vorhanden sind. Geben sie ein negatives Signal ans Gehirn weiter, kann auch das ein Auslöser für Fressattacken sein. Dasselbe gilt für die Fett- und Zuckerreserven. Kommen all diese Faktoren zusammen, rebelliert der Magen und sendet an das Gehirn ein Hungersignal aus, dass der Mensch nur durch ausgiebiges Essen stillen kann. Kleiner Tipp: Das funktioniert übrigens auch mit Flüssigkeit. Daher hilft es auch, viel zu trinken, um den Magen zu füllen. Diese Sensoren können allerdings verrückt spielen, wenn unsere emotionalen Empfindungen nicht im Einklang sind. Höre auf dich selbst und scheue dich bei seelischen Erkrankungen auch nicht, einen Psychotherapeuten aufzusuchen. Häufig ist sogenanntes Frustfressen nur ein Symptom für ein weitaus tiefer sitzendes Problem.

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