AbgeRIEGELt

Joylent Twennybar: Reicht es, wenn ich Riegel esse?

Joylent ist die europäische Version des amerikanischen Future Foods Soylent. Doch statt Pulver gibt es nun auch Riegel – macht es das besser? Und: Ist es gesund?

Datum:
Twennybar

Obst, Fleisch, Gemüse – alles soll dieser Riegel ersetzen. Klingt verrückt? Ist es irgendwie auch.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Joylent Twennybar ist die ideale Ernährung für stressige Tage fernab vernünftiger Nahrung. Ernährung ist wohl auch das richtige Stichwort, denn mit Essen hat die Einnahme der Riegel nicht viel zu tun. Es macht keine Freude, der Geschmack ist fad und niemand hat Lust, sich zum Riegelbuffet gemeinsam an einen Tisch zu setzen. Die Ernährungsumstellung auf Joylent Twennybar ist keinesfalls anzuraten – das Ersetzen ungesunder Fast-Food-Orgien auf Messen oder in der Stadt allerdings schon.

Pro

  • Schnell und einfach
  • Gesund
  • Man nimmt garantiert nicht zu
  • Günstig

Kontra

  • Geschmacklich kein Erlebnis
  • Zu mächtig
  • Kein Ersatz für „echtes“ Essen
Ein normaler Tag besteht aus einem Brot zum Frühstück mit Orangensaft und Kaffee, einer warmen Mahlzeit zum Mittag und einem zweiten Brot am Abend, optional gerne auch ein Bier. Was passiert also, wenn man für eine komplette Woche die gesamte Ernährung streicht und sich nur noch von Riegeln und Wasser ernährt? Genau das ermöglicht der niederländische Hersteller Joylent mit den neuen Twennybar-Riegel. Das Versprechen: Jeder Riegel deckt 20% des Tagesbedarfs ab und nach fünf Stück hat man den kulinarischen Teil des Tages abgeschlossen. Die Behauptung: Der Körper hat damit kein Problem, ein vollständiger Ersatz für normale Nahrung wird nicht empfohlen, ist aber möglich. Die Wahrheit: Lesen Sie einfach weiter.
Zunächst etwas Theorie: Jeder Riegel kostet 2 Euro pro Stück. Enthalten sind 103 Gramm feinste Nährstoffe sowie 27 Vitamine und Mineralien. Als Basis für den Riegel dient vor allem Hafer, Glyzerin, Soja-Crisp, Milchpulver, Maltodextrin und je nach Riegel unterschiedliche Aromastoffe. Spuren von Erdnüssen und Eiern schließt der Hersteller nicht aus. Es gibt zum Start zwei Sorten, wahlweise Banane oder Schokolade. Ein Riegel ist rund ein Jahr haltbar, vorausgesetzt er lagert kühl und trocken. Ein guter Vergleich ist wahrscheinlich Astronauten-Nahrung, aber hier geht es um weltliche Ernährung. Aber das war ja auch schon beim Wunderpulver Huel der Fall.
Twennybar Inhaltsstoffe

Die Inhaltsstoffe laut Hersteller. Kurz: Pro Riegel ein Fünftel von allem, was der Körper braucht.

Die ersten Gehversuche laufen weitgehend positiv. Vor Verzehr des ersten Riegels wird etwas Blut entnommen und aufbewahrt – am Ende soll es schließlich einen Vergleich der Blutwerte geben. Danach das Festmahl: Die Verpackung ist schonmal deutlich appetitlicher als der Riegel. Aber – es geht! Der Riegel hat einen festen Biss, lässt sich prima kauen und macht sehr satt. Die 103 Gramm sind beinahe schon zu viel für eine Portion, aber es ist zu schaffen. Hunger gestillt.
Am ersten Tag fällt es nicht schwer, die neue Nahrung zu akzeptieren. Im Büro lassen sich die Riegel prima essen, das Hungergefühl bleibt aus und Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Bauchschmerzen oder sonstige Wehwehchen gibt es nicht. Doch das sollte sich ändern: Schon an Tag 3 machte das Essen der Riegel keinen Spaß mehr. Aus Essen wird Ernährung, der Mensch zur lebenden Maschine an der Tankstelle. Verbrauch: 5 Riegel am Tag. Der fade Geschmack beider Sorten lässt sich nicht mehr leugnen und am Ende des Tages sind es nur noch 3-4 Riegel, der Fünfte bleibt aus Lustlosigkeit liegen.
Twennybar Konsistenz

Die Konsistenz der Riegel ist gut – nicht zu weich, nicht zu hart. Da ein Riegel jedoch 103 Gramm wiegt, hat man ordentlich was zu kauen.

Auch gesundheitlich wird der Twennybar unangenehmer. Durch die rapide Umstellung der Nahrung macht der Magen ab Tag 4 nicht mehr mit und krampft häufiger, das größte Problem ist jedoch die nachlassende Konzentration. Der Kopf ist so sehr mit den unteren Etagen beschäftigt, dass klares Denken nicht mehr möglich ist. Schlafen hingegen ist kein Problem, aber aus den Schäfchen sind halbe Hähnchen geworden – alles Kopfsache.
Dann die Erlösung: Im Labor wird erneut Blut entnommen und das Experiment Twennybar endet letztlich positiv. Der Körper hat Fett verloren, weil es doch zu wenig war, die wichtigen Werte bleiben stabil. Erfreulich: Da es vorher offenbar an Eisen fehlte, stieg der Ferritin-Wert (ein Molekül, „in dem“ Eisen gespeichert wird) sogar. Dem Körper geht es also gut, aber der Kopf spielt nicht mehr mit. Auf zum Imbiss.
Twennybar Testwoche Labor

Die Universtiät Hamburg bescheinigt: Nach einer Woche Twennybar gibt es körperlich nichts zu beanstanden. Die Riegel sind kein Heilmittel, aber auch absolut nicht schädlich.

Noch 40 Riegel übrig. Was nun? Diese Riegel sind ungeheuer praktisch und sehr sehr günstig. Für den Alltag sind sie nicht geeignet, allerdings ist das wohl auch nicht die primäre Aufgabe. Man stelle sich folgendes Szenario vor: Es ist Messe in einer fremden Stadt. Auf dem Speiseplan steht ausschließlich Fast Food und Süßes. Genau hier ist Twennybar perfekt – denn zum Sattmachen auf gesunder Basis gibt es nur wenige Alternativen, die derart praktisch sind. Auch zum Wandern, Skifahren oder Mountainbiken ist das Produkt klasse – denn es schmilzt nicht, macht satt und geht schnell. Aus allen anderen sozialen Bereichen darf sich „Future Food“ aber gerne noch ein paar Jahrzehnte raushalten – denn wenn Essen zu Ernährung in Reinform wird, fehlt ein gutes Stück Kultur und Genuss.

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