Zuckerersatz Stevia

Wissenschaftler: Stevia nicht besser als anderer Süßstoff

Gesünder als Süßstoff, kalorienfrei und pflanzlich – bei seinem Start auf dem europäischen Markt vor vier Jahren galt der Zuckerersatz Stevia als Hoffnungsträger. Wissenschaftler haben das vermeintliche Wundermittel jedoch entzaubert: So unterscheiden sich Steviolglykoside nicht wesentlich von anderen Süßstoffen.

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Das grüne Aussehen täuscht: Stevia soll weder natürlicher noch gesünder als herkömmlicher Süßstoff sein – nur deutlich konzentrierter.

Bei der Herstellung würden die Glykoside von den wertvollen Inhaltsstoffen der Stevia-Pflanze getrennt, sie wirken folglich nicht mehr gesundheitsfördernd, erklärt der Agrarwissenschaftler Ude Kienle von der Universität Hohenheim gegenüber Spiegel online und der dpa. „Natürlicher“ als anderer Zuckerersatz sind die industriell hergestellten Stoffe nach Ansicht von Ernährungswissenschaftlern auch nicht, schon allein wegen des chemischen Produktionsverfahrens.

Hohe Süßkraft fordert genaues Dosieren

Trotzdem sehen die Experten Stevia als Bereicherung. Die Süßkraft der Glykoside nämlich liegt bis zu 300 mal über der von Zucker. Schon mit einer geringen Menge des auch für Diabetiker geeigneten Stoffes lasse sich eine enorme Süße erzielen, sagt die Diätassistentin Kirsten Metternich. „Bei Stevia geht es um Messerspitzen.“ Wer den lakritzartigen Eigengeschmack von Stevia nicht mag, kann Flüssigkeit oder Granulat mit Zucker mischen. Im Handel gibt es fertige Haushaltszucker, die mit Steviolglykosiden gemischt sind.
Die Steviapflanze selbst ist in der Europäischen Union (EU) nicht als Lebensmittel zugelassen. Wer in den Genuss ihrer Inhaltsstoffe kommen will, kann sich gleichwohl leicht selbst eine Pflanze ziehen. Frische Blätter ergeben leckeren Kräutertee, getrocknete und zerriebene Blätter ein Pulver. Süßungsmittel müssen Hobbygärtner dann auf jeden Fall nicht mehr im Supermarkt kaufen: Eine einzige Pflanze deckt den Zuckerbedarf für ein ganzes Jahr.

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