Einmal sprühen, bitte!

Einfach abnehmen? Insulin-Nasenspray gegen Übergewicht

Viele kämpfen mit den Kilos an Bauch, Po und Hüften. Doch nach einer Diät sind es oft mehr Pfunde als jemals zuvor. Wer Insulin über ein Nasenspray schnupft, könnte einfach abnehmen.

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Einfach abnehmen mit Insulinspray

Einfach abnehmen – Insulispray dämpft möglicherweise das Hungergefühl.

Einfach abnehmen ohne Hungern! Das ist der Traum vieler, die schon unzählige Diäten mit bescheidenem Erfolg ausprobiert haben. Radikaldiäten lassen zwar die Pfunde schnell schmelzen, aber die schlanken Hüften sind meist nicht von Dauer. Im Gegenteil: Nach der Diät setzt oft der gefürchtete JoJo-Effekt ein, bei dem die meisten dicker sind als zuvor. Der Grund ist, dass der Körper nach langen Hungerphasen Energiereserven hamstert und das Fett für schlechte Zeiten als ungeliebte Polster auf Bauch, Beinen und Po ablagert. Jetzt haben Forscher des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) in Tübingen einen neuen Weg ausgemacht, wie Übergewichtige einfach abnehmen: Insulin! Das Hormon senkt den Blutzuckerspiegel und ist für Diabetiker ein lebenswichtiges Medikament! Es steuert aber auch das Essverhalten und dämpft das Hungergefühl. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie in den Scientific Reports des Fachmagazins „Nature“.

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Neue Diäthilfe: Insulin-Nasenspray wirkt im Gehirn

An der Studie nahmen 25 gesunde schlanke, zehn übergewichtige und zwölf fettleibige (adipöse) Menschen teil. Die Probanden schnupften entweder Insulin über ein Nasenspray oder erhielten ein Scheinmedikament, das keinen Wirkstoff enthielt (Placebo). Die Forscher verabreichten das Hormon als Nasenspray, um die Blut-Hirn-Schranke zu umgehen und das Insulin direkt dorthin zu bringen, wo es wirken soll: ins Gehirn. Im Anschluss legten die Forscher die Probanden in einen Magnetresonanztomographen (MRT, Kernspin) und maßen ihre Gehirnaktivität.
Das Insulin-Nasenspray verstärkte bei allen Teilnehmern die funktionalen Verbindungen in einer bestimmten Gruppe von Hirnregionen. Dieses sogenannte Ruhestandsnetzwerk ist aktiv, wenn ein Mensch ruht, tagträumt, Zukunftspläne schmiedet und keinerlei Aufgaben nachgeht. Für das Denken ohne die Einwirkung von Reizen sowie kognitive Prozesse sind diese Hirnregionen enorm wichtig. Außerdem stärkte das geschnupfte Insulin noch weitere Verbindungen im Kopf: zwischen dem Ruhestandsnetzwerk, dem Hippocampus (Lernen und Gedächtnis) und dem Hypothalamus. Letzterer ist ein Abschnitt des Zwischenhirns, der das vegetative Nervensystem steuert, zum Beispiel die Nahrungsaufnahme.

Einfach abnehmen: Insulin dämpft das Hungergefühl

Die Veränderungen im Gehirn wirken sich auf das Essverhalten der Probanden aus. Bekannt ist, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Speck am Bauch und dem subjektiven Hungergefühl gibt: Menschen mit viel Bauchfett haben auch mehr Hunger. Und diese unglückliche Verkettung unterdrückt das Insulin, indem es auf das Gehirn einwirkt. Probanden, die sich Insulin über das Nasenspray verabreicht hatten, waren viel weniger hungrig.
Die Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass das Insulin im Gehirn auch die Wirkung dieses blutzuckersenkenden Hormons im Körper verbesserte. Die Körperzellen der Probanden reagierten empfindlicher auf das Insulin. Die erhöhte Insulinempfindlichkeit wirkt wiederum der Fettleibigkeit und einem Typ-2-Diabetes entgegen. Die Ergebnisse lassen vermuten, dass Insulin das Essverhalten reguliert und vielleicht ein wirksamer Diäthelfer ist. Einfach abnehmen wäre mit dem Hormon in Zukunft möglich.

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Übergewicht und Adipositas: Viele Deutsche sind zu dick!

Wie wichtig neue Wege beim Abnehmen sind, zeigt ein Blick in die Statistik. Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) grassieren weltweit, auch in Deutschland. Hierzulande sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen übergewichtig. Jeweils knapp 25 Prozent der erwachsenen Männer und Frauen sind sogar fettleibig. Selbst viele Kinder sind zu dick. Etwa 15 Prozent aller Kinder und Jugendlichen haben Übergewicht - rund ein Drittel davon leiden sogar unter Adipositas. Beide Krankheiten verursachen eine lange Liste von Gesundheitsproblemen und Krankheiten: Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte, Herzinfarkt, Schlaganfall, Gelenkerkrankungen, aber auch einige Krebsarten stehen mit zu vielen Kilos in Verbindung. Und die Psyche leidet meist ebenfalls unter dem Dicksein.

Abnehmen oder nicht? BMI bestimmen!

Der Body-Mass-Index (BMI) zeigt, ob Ihr Gewicht in Ordnung ist oder Sie besser einige Kilos abnehmen. Sie ermitteln den Wert, indem Sie Ihr Körpergewicht (in Kilogramm) durch Ihre Größe (in Metern) zum Quadrat teilen (BMI-Rechner der Uni Hohenheim). Ein BMI zwischen 18,5 und 24,9 gilt als Normalgewicht. Liegt der BMI zwischen 25 und 30, haben Sie Übergewicht. BMI-Werte von 30 und aufwärts bedeuten Adipositas. Diese Werte gelten nur für Erwachsene, nicht für Kinder. Manche Ärzte finden die Fettverteilung und den Bauchumfang heute aussagekräftiger, denn das Bauchfett gilt als entscheidender Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die sogenannte „waist-to-hip-ratio“ errechnet sich aus dem Taillenumfang geteilt durch die Körpergröße. Bei einem Taillenumfang von mehr als 88 Zentimetern bei Frauen und mehr als 102 Zentimetern bei Männern liegt eine Adipositas vor.

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Ingrid Müller

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