Neues Geschäftsfeld Liebeskummer

Singlebörsen: Liebeskummer und die Jagd nach dem nächsten Partner

Unverbindlichkeit und Trennungsanfälligkeit: Diese Eigenschaften scheinen seriell Monogame miteinander zu verbinden. Du solltest dir dazwischen aber in jedem Fall Zeit für dein Herz nehmen. Für Herzschmerz gibt es sogar Liebeskümmerer im Online-Shop.

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Singles: Lost in Space?

Lost in Space: Was war eigentlich zuerst da? Single-Börsen, serielle Monogamie oder Unverbindlichkeit?

Zig Millionen leben hierzulande allein, zumindest zeitweise. Die Beziehungsspannen dazwischen bezeichnet man als seriell monogam. Der Singlebörsen-Markt boomt, fast unüberschaubar ist das Angebot. Der aktuelle Singlebörsen- und Partnervermittlungscheck von Stiftung Warentest verschafft mit seinen elf ausgewerteten Portalen Überblick und einen Einblick in die Bedeutung des virtuellen Kupplungsmarktes. 210 Euro für drei Monate virtuelle Kupplungsaktion kann dich das bei einem der Testsieger kosten.
Das geht noch besser

Der nächste Partner ist bestimmt noch besser, oder?

Wie lang die Beziehung nach der Beziehung hält, weiß wohl niemand. Interessant wäre, wie oft sich manch Suchender wieder neu beim selben Portal anmeldet oder ob er sein Profil überhaupt löscht, während er sich auf seine nächste Serie einlässt. Fakt ist: Mit jeder Trennung gibt es ein gebrochenes Herz, eine durchtrennte Zweisamkeit und ein Kettenglied aneinandergereihter Partnerschaften mehr.

Lost in Space?

Elena-Katharina Sohn ist Autorin, „Liebeskümmerer“ und Gründerin der gleichnamigen Agentur. Im Prinzip hat die studierte Politologin und einstige PR-Beraterin 2011 nach einer durch Liebeskummer verursachten Lebenskrise ein neues Geschäftsmodell entwickelt: anderen mit einem Team aus Diplom-Psychotherapeuten und anderen Experten zu helfen, aus dem Liebeskummer herauszufinden.

Galerie: 5 Tipps bei Liebeskummer

Ein Internetshop voller Liebeskümmerer

In dem Shop kannst du ab 85 Euro pro Stunde deinem Kummer per Telefon oder Skype Luft verschaffen. Irgendwie schräg: Du kannst heute Seelenhilfe wie ein Stück Kleidung kaufen. Aber ist es nicht auch so mit dem erkauften Zugang zu einer Partnervermittlung oder Singlebörse?
Lost in Space

Führt allein die größere Auswahl im Netz zu mehr Unverbindlichkeit?


Wer ruft an in der Agentur? Menschen, die Liebeskummer wegen schlechter Erfahrungen mit virtuellen Verkupplungs-Plattformen gemacht haben? Elena Sohn: „Zwar handelt nicht jeder zweite Anruf von Liebeskummer durch Singlebörsen. Allerdings weiß ich aus Anfragen, dass schlechte Umgangsformen im virtuellen Raum zunehmen.“

Ghosting und das Selbstverständnis der Unverbindlichkeit

Damit meint Sohn zum Beispiel die Unverbindlichkeit, an der immer mehr Partner-Suchende zu knabbern haben. Eines dieser Phänomene sei das Ghosting: ein plötzlicher Kommunikationsabbruch ohne Vorwarnung. Und das, obwohl es Dates gab oder sogar eine mehrmonatige Beziehung bestanden hat. Eine Kundin plagte großer Herzschmerz, weil es ihr mit Mitte Dreißig immer noch nicht gelungen war, eine Beziehung zu führen, die über vier Monate hinausging. „Die Unverbindlichkeit ist selbstverständlich geworden“, erläutert sie. Seit fünf Jahren gehe es zusehends um Perfektion. Zudem gebe es mehr Auswahl und weniger Bereitschaft, um eine Beziehung zu kämpfen. Stattdessen steige die Trennungsanfälligkeit.

Nicht mehr Zeit als Single als zu Zeiten der Großeltern

„Ein neuer Kassenschlager scheinen Beziehungen mit einer Dauer von unter einem Jahr zu werden sowie das Zusammenleben ohne Trauschein“, schreibt Elena Sohn in ihrem ersten Buch namens „Schluss mit Kummer, Liebes“. Darin zitiert sie den Soziologen Jan Eckard. Der forscht an der Uni Heidelberg unter anderem zur Stabilität von Paarbeziehungen. Seinen Ausführungen zufolge verbrächten die Menschen heute nicht unbedingt mehr Zeit ihres Lebens als Single, als es schon die Großeltern getan hätten: „Sie splitten sie bloß über mehrere Partner und legen damit schon viel früher los.“

Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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