Bei diesen Trends läuten nur die Alarmglocken

Hunde und Weihnachten: Die Grenzen des guten Geschmacks

Das große Fest steht vor der Tür: Große und Kleine sollen sich mitfreuen. Und genau da sieht eVivam-Autorin und Frauchen Wibke Roth die Crux: Don't forget they are dogs!

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Hunde und Weihnachten: Die Grenzen des guten Geschmacks

Es gibt Weihnachtsbräuche und -Unsitten, da sollten bei Hundebesitzern die Alarmglocken läuten.

Auf Bügeln hängen Norweger-Pullis in Blau und Grün, mit Rentier-Muster, in XL und in XS: XL für große Kaliber und XS für Fiffis. Als ich vor ein paar Wochen mit einer Freundin bei Fressnapf war, habe ich gestaunt. Die Kleider-Auswahl gleicht der in einer Kinder-Abteilung. Der Grund für unser Kommen: Nikolaus stand vor der Tür. Anstelle von Kinderstiefeln konnten in diesem Geschäft also Hundenäpfe gebracht werden, damit sie pünktlich zum kleinen Fest praller Überraschungen sind. Fein. Für meinen Labrador Paul gab es einen bunten Ball und einige unbekannte Leckerchen. Speichelfluss und Schwanzwedeln sprechen seine eigene Sprache: Überraschung gelungen; hätte aber auch an jedem anderen Tag funktioniert.

Verkleidete Hunde

Und am 24. Dezember steht jetzt das große Fest vor der Tür. An alle großen und kleinen Wauzis: Zieht euch warm an! Mir geht es nicht um Norwegerpullis, die ja durchaus ihre Berechtigung haben können, um kleine und große Hunde zu wärmen, damit sie sich nicht erkälten.
Die Jack-Russel-Hündin meiner Freundin geht zum Beispiel an kalten Tagen ohne nicht vor die Tür. Und wenn doch, zittert sie am ganzen Leib. Und der Besitzer des großen Ungarischen Vorstehhunds Magyar Vizsla suchte in den Fressnapf-Gängen einen Pulli, damit sich der empfindliche Hund seine Nieren nicht verkühlt. Soweit so warm. Doch warum müssen Hunde jede Saison unabhängig von der Temperatur mitmachen? Grenzt diese Forderung nach Vermenschlichung nicht schon fast an Respektlosigkeit?

Galerie: Geschmacklos: Hunde im Weihnachtsstress

Im Prinzip wird mit jeder Verkleidung, die Besitzer ihren Hunden zumuten, Weihnachten für die Vierbeiner zum Karneval der Tiere. Für die ist es je nach Stimmungslage am Fest der Feste jedoch schon stressig genug. Und ich glaube, dass sie sich mehr darüber freuen würden, wenn die Rudel-Familie sich an diesen Tagen an wichtigen Punkten genauso verhält wie sonst: mit einem kleinen Spielchen, Kraulen und ordentlich Gassigehen. Und statt eines Weihnachtsmanns aus Carob (eine süße und koffeinfreie Alternative zu Kakaopulver) tut es ein normaler Kauknochen doch auch. Klar: in Papier eingewickelt hat er noch mehr davon. Das kann wie sonst auch Zeitungspapier sein. Und ja: Paul hat sich auch über die Nikolaus-Leckerereien außer der Reihe gefreut. Nur ist er halt ein Hund. Und im Prinzip frisst er alles. Und uns zuliebe schluckt er sogar die teils schrägen Lieder, die Aufregung und den großen Baum mit Glaskugeln. Und klar: Die gehören je nach Größe in die oberen Zweigreihen. Nicht, dass er nicht schon die ein oder andere Weihnachtsdeko heruntergewedelt hätte: genug Stress.
Bitte nicht: Hunde als Weihnachtsgeschenk

Hunde und andere Tiere gehören nicht unter den Weihnachtsbaum.

Hunde als Deko

Apropos: Hunde sind weder Mensch noch Deko. Nö. Dafür sind sie viel zu lebendig. Und doch geschieht es immer wieder, dass Tiere unterm Weihnachtsbaum landen. So wie der Berner-Sennen-Mischling Pluto. Die Tierschutzorganisation Tasso e.V. schreibt, dass Plutos Start ins Leben viel versprechend gewesen sei: „Von seiner Mutter und seinen Geschwistern aus ging es sofort in ein warmes, kuscheliges Zuhause. Und als am Abend die Kinder ins Wohnzimmer stürmten, flossen sogar Freudentränen. Doch schnell wurde alles anders. Der Weihnachtsbaum war kaum entsorgt, schon verloren die Kinder die Lust an Spaziergängen durch Schnee und Matsch und Training. Die Erwachsenen übernahmen nur widerwillig die Aufgaben. Pluto wurde ein ungestümer und unerzogener Junghund. Bis seine Menschen eines Tages aufgaben. Nur ein Jahr später wartet der junge Hund nun hinter Tierheimgittern verzweifelt auf eine Familie, die ihm das bietet, wonach er sich so dringend sehnt: ein Zuhause für immer.“
Bitte nicht: Fernsehprogramm für Hunde

Sieben Millionen Hunde soll es in Deutschland geben - und sie sind seit 2015 auch hierzulande Zielgruppe für Fernsehsender.

Fernsehen für Hunde

Kennst du den Computeranimationsfilm „Pets“? Ein wunderschöner Film über die Bedeutung, die Tiere für uns Menschen haben. Natürlich wurden sie darin auch vermenschlicht. Und erschreckend ist, dass der Hauptakteur – Hund Max – den ganzen Tag auf seine Besitzerin warten muss, bis sie abends nach Hause kommt. So ist es leider für viele Hunde auch im echten Leben. Alltag und Hunde-Bedürfnisse sind wirklich nicht immer leicht unter einen Hut zu bringen. Ich mache bestimmt auch nicht alles richtig. Und auch Paul muss manchmal ein paar Stunden allein zuhause verbringen. Doch wenn du zu den Menschen gehörst, die vier Stunden am Tag vor dem Fernseher sitzen und glaubst, dass dein Hund dasselbe Bedürfnis hat, bitte überdenke das dringend. Solltest du in Erwägung ziehen, deinem Hund Dog TV zu Weihnachten zu schenken: Don't forget – they are dogs!
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.