Selbstversuch mit dem „6-in-1-Schlaflabor“

Im Bett mit einem Schlaftracker: Newgen Medicals NX-4304-675 im Praxis-Test

Wer schläft, sündigt nicht ... oder doch? Dem Schlaftracker von Newgen Medicals soll nichts entgehen. Florian Schmidt ließ das Gadget im Selbstversuch zu sich ins Bett.

Datum:
Newgen Medicals NX-4304-675

Überwachte mehrere Nächte lang den Schlaf des Autors: der Newgen Medicals NX-4304-675.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Beim „Newgen Medicals NX-4304-675“ handelt es sich um einen kleinen Bewegungssensor. „Sleepace“ heißt die zugehörige App, die die Daten empfängt und optisch darstellt. Beides zusammen ergibt einen schlauen Wecker fürs Smartphone, der den Anwender mit interessanten Infos über seinen Schlaf versorgt – nicht mehr und nicht weniger. Die Herstellerbezeichnung eines „6-in-1-Mini-Schlaflabors“ gehört aber in die PR-Schublade eingeschlossen. Wer bereit ist, derzeit rund 40 Euro in seinen Schlaf zu investieren, macht keinen Fehlkauf – wenngleich beim Gadget und der App noch Verbesserungspotenzial besteht.

Pro

  • Schlaftracker macht soliden Eindruck
  • Ausführliche Anleitung mit vielen Hinweisen
  • Einfache Einrichtung
  • Ansprechend gestaltete App (Sleepace)

Kontra

  • Magnetverschluss hält starker Belastung nicht stand
  • App reagiert stellenweise träge

Newgen Medicals NX-4304-675

Vernetzte Gegenstände bereichern zunehmend den Alltag; vor allem im Gesundheits- und Fitnesswesen tut sich einiges. Von Newgen Medicals gibt es einen Schlaftracker mit der kryptischen Bezeichnung NX-4304-675 – unter anderem beim Versandhändler Pearl erhältlich. Selbstbewusst bewirbt der Hersteller ihn als „6-in-1-Mini-Schlaflabor“ und fordert potenzielle Käufer prompt auf: „Finden Sie heraus, wie gut Sie schlafen!“ Morgenmuffel und eVivam-Autor Florian Schmidt ließ sich nicht zweimal bitten und bestellte ein Testexemplar. Die darauf folgenden sieben Nächte überwachte der Tracker seinen Schlaf. Der Selbstversuch brachte positive und negative Eindrücke ans Tageslicht.
Sleepace-Einrichtung

Ob die vielen Berechtigungen (Bild links) zum Betrieb wirklich alle nötig sind, bezweifle ich. Die Wahl des Geschlechts ergibt hingegen Sinn. Anschließend bringt Sleepace den Schlaftracker auf den neuesten Stand.

Nacht 1

Ich und mein Körper leben noch im Montag. Tatsächlich ist es lange nach Mitternacht, der Dienstag seit 1,5 Stunden angebrochen – typisch ich halt. Schlaftrunken werden noch die Zähne geputzt, das Hirn ist schon halb heruntergefahren, die Füße wandern routinemäßig ins Schlafzimmer. Während das Smartphone über Nacht noch an die Steckdose geklemmt wird – auch das ist reine Routine – und dann auf dem Nachttisch landet, fällt mir eine kleine blaue Schachtel auf ebendiesem auf. Stimmt ja, ich wollte den Schlaftracker von Newgen Medicals ausprobieren ... Also noch mal aufgerappelt, das Gadget (3,3x1,2 Zentimeter, 14 Gramm) aus seiner Verpackung befreit und eingerichtet. Das klingt nach einer schnellen und einfachen Installation – und dem ist auch so! Zum Lieferumfang gehören neben dem Schlaftracker ein Gehäuse-Öffner, eine Knopfzelle des Typs CR2032 sowie eine Schnellanleitung (mit satten 26 Seiten). Die Batterie muss man selber einlegen. Laut Hersteller hält sie rund drei Monate; blinkt das Gadget rot, muss eine neue Batterie her. Ohne die kostenlose App „Sleepace“ ist der Schlaftracker machtlos, also ziehe ich sie noch fix aufs Smartphone und lege einen Account an. Per Magnet-Clip befestige ich den Schlaftracker zunächst ans Kopfkissen – so empfiehlt es die Anleitung. Mir kommt diese Variante aber unsicher vor, nun muss das Bettlaken als Befestigung herhalten. Wichtig: Die Bluetooth-Kopplung zwischen Smartphone und Schlaftracker bewerkstelligt man besser über die App, nicht über die Bluetooth-Einstellungen des Handys. Per Doppeltipp auf den Tracker aktivieren ich ihn, grün blickendes Licht gibt mir visuell das Feedback, dass die Verbindung geklappt hat. Ein paar Einstellungen in der App später schlafe ich auch schon ein ...

Nacht 2

Leicht verschlafen bemerke ich am darauf folgenden Morgen, dass der Tracker nicht mehr an seinem Platz ist, sondern etwas entfernt von mir im Bett liegt. Der Bericht der App unterstreicht das schonungslos: Schlafergebnis schlecht! Angeblich befand ich mich zwischen 3:32 Uhr und 7:09 Uhr im Traumland. In Wirklichkeit muss ich gegen 2:00 Uhr eingenickt sein; wach war ich definitiv erst ab 7:45 Uhr, als mich der Smartphone-Wecker unliebsam aus dem Schlaf riss. Immerhin: Meine Bewegungen im Schlaf waren regelmäßig, so Sleepace. Die Schlafeffizienz stuft die App als low (niedrig) ein. „Diese Nacht werde ich besser schlafe“, nehme ich mir fest vor. Also räume ich mir im Vorfeld mehr Zeit für die App ein, tippe mich durch die Menüs und lerne sie besser kennen. Entscheidend ist der Menüpunkt „Szene“: Hier zeigt mir die App mein jüngstes Schlafergebnis in Kurzform an und bringt mich zu den Schlaf-Einstellungen. Ein Schmunzeln entlocken mir übrigens die eingeblendeten Tipps wie „Tun Sie im Bett nichts, was nichts mit dem Schlafen zu tun hat“, aber auch aufschlussreiche Hinweise wie „Walnüsse können Schlaflosigkeit entgegenwirken“ sorgen für ein Aha-Erlebnis. Man lernt nie aus! In den Schlaf-Einstellungen definiere ich das Gerät für die Schlafüberwachung. Gut zu wissen: Die App bezeichnet den Schlaftracker als „Sleep Dot“; im Untermenü lege ich den Überwachungszeitraum fest – bei mir 23:45 bis 7:45 Uhr. Das Gerät für die Einschlafhilfe und den intelligenten Weckruf ist jeweils das Handy. Ab Werk steht je ein Sound zur Auswahl, weitere lassen sich kostenfrei herunterladen. Ich entscheide mich für „Wellen des Ozeans“ zum Einschlafen und „Morgen am See“ zum Aufwachen. Übrigens komme ich diesmal der Herstellerempfehlung nach und clippe den Tracker ans Kopfkissen. Gute Nacht!
Schlafbericht im Detail

Scrollt man im Menü (links) herunter, erscheinen Graphen zur Schlafphase und Bewegungsintensität (Mitte). Tippt man hingegen auf das Kreisdiagramm, blendet Sleepace die Analysedetails (rechts) ein.

Nacht 3

Wenngleich die effektive Schlafdauer mit knapp sieben Stunden bei Weitem nicht mein Wochenend-Niveau erreicht, war die Nacht doch sehr erholsam. Ohne Schummelei sähe das mit Sicherheit anders aus: Der von mir gewählte Einschlaf-Sound machte mich leider nicht schläfrig, sondern bezweckte das Gegenteil – bis ich ihn händisch deaktivierte. Offenbar bin ich „Wellen des Ozeans“ nicht gewohnt, dafür kann die App aber nichts. Für die kommende Nacht nehme ich schon mal ein paar andere Sounds in die engere Wahl: „Schneesturm“, „Regen“ sowie „gemütliches Feuer“. Klingt alles einschläfernd – positiv gemeint. Frische Erkenntnisse gibt es auch bezüglich des intelligenten Weckrufs. Der ist nämlich leider nicht so schlau beziehungsweise ihm fehlen anscheinend die nötigen Rechte, sich über den Smartphone-Wecker hinwegzusetzen. Im Klartext: Diesmal wurde ich noch von der ab Werk installierten App geweckt. Na gut, es heißt nicht umsonst, dass alle guten Dinge drei sind. Praktischerweise erinnert mich Sleepace rechtzeitig vor meinen eigentlichen Überwachungszeitraum, dass es demnächst Zeit fürs Bett ist. Hektik zur späten Stunde täte dem Körper jetzt nicht gut. Bluetooth am Smartphone aktiviert und die Verbindung zum Gadget steht: Mollig warm habe ich es unter der Decke, während Sleepace eine Soundkulisse erzeugt, als läge ich mitten in der stürmischen Eiswüste der Antarktis. Friedlich schlafe ich ein.
Schlafberichte

Die Folgetage verliefen laut App „durchschnittlich“ bis „gut“. Wichtig: Die Uhrzeiten bedeuten nicht, wann ich zu Bett gegangen und wann ich aufgestanden bin. Stattdessen bilden sie die Schlafphasen ab.

Mein Eindruck zum Newgen Medicals NX-4304-675

Wie die obigen Schlafberichte zeigen, habe ich mich nach anfänglichen Tücken und etwas Zeit an den Schlaftracker gewöhnt. Die Schlafergebnisse unterstreichen, was ich bereits ahnte: Ich sollte meinem Körper mehr Schlaf gönnen – zumindest unter der Woche. Gleichwohl bin ich davon überzeugt, dass man die Schlafergebnisse nicht zu genau nehmen sollte. Sie geben einen Hinweis darauf, wie gut oder schlecht man schläft. Doch auch ohne ein technisches Hilfsmittel sollte jeder in der Lage sein, die eigene Schlafqualität zu beurteilen und bei Bedarf Maßnahmen zu ergreifen, um für erholsame Nächte zu sorgen. Es schadet sicher nicht, wenigstens ein paar Stunden am Tag keiner Handystrahlung ausgesetzt zu sein, finde ich. Trotzdem: So wie ich mich an das Schlaftracker gewöhnt habe, muss ich mich nun wieder darauf einstellen, dass er weg ist.

Newgen Medicals NX-4304-675

Florian Schmidt

von

Redakteur, der sich mit Technik-Themen befasst und Technik-Artikel verfasst. Sobald Strom durch etwas fließt, steht er auch unter Strom – positiv gemeint!

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