Föhn-Test: Nur heiße Luft?

Löwenmähne oder Pustekuchen – 10 Haartrockner im Test

Beim Haartrockner kann man nicht viel falsch machen? Doch! Wie gut sind die beliebtesten Modelle wirklich? Was kann Dysons neuer superteurer Supersonic? Der große Föhn-Test zeigt es.

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Haartrockner Test

Wie viel man für einen Föhn ausgeben muss, hängt auch vom Haar ab.

Nichts als heiße Luft – die soll ein Föhn zuverlässig jeden Morgen auf die Haare pusten. Weil er meist um die 30 Euro kostet, ist er einer dieser Alltagsgegenstände, die man bei Bedarf mal eben kauft. Nasse Haare trocken kriegt jeder Föhn, was kann da schon schiefgehen? Eine ganze Menge, so das Ergebnis dieses Tests, für den die Tester zehn beliebte Modelle verglichen haben: Mit einigen Geräten fällt die Handhabung leicht, andere nerven mit ungünstig platzierten Tasten. Manche Testkandidaten erhitzen die Luft zu stark und können so das Haar sogar dauerhaft schädigen. Und dann ist da noch der Dyson. Nach Staubsaugern und Handtrocknern wollen die Briten jetzt auch in den Föhn-Markt frische Luft pusten – mit neuer Technik und einem Modell, das zehnmal teurer als ein herkömmlicher Haartrockner ist.

Zehn Föhne im Praxis-Test

Während ein Labor problemlos Werte wie Stromverbrauch oder die Temperatur der Föhn-Luft ermitteln kann, muss ein Praxistest klären wie gut die Föhne ihren täglichen Job beherrschen. Deshalb haben mehrere Probandinnen und ein Proband über viele Wochen hinweg die zehn Modelle zu Hause ausprobiert: Wie gut trocknet der Föhn? Wie gut klappt das Stylen? Wie ist die Handhabung, stimmt die Temperatur, wie viel Krach macht das Gerät? Schon nach dem Auspacken zeigen einige Modelle Schwächen, die im Laden zunächst gar nicht auffallen, etwa die Kabellänge. So kann die überlange Drei-Meter-Strippe des Remington leicht zur Stolperfalle werden, während der AEG mit seinem gut halb so langen Stromkabel eine Steckdose ganz in der Nähe braucht.

Galerie: Es gibt Föhn: 10 Haartrockner im Test

Handhabung

Auch Größe und Gewicht der Haartrockner variieren deutlich, ebenso die Platzierung der Schalter und Knöpfe und damit die Handhabung. Die reicht von eher unkomfortabel wie beim Bosch bis intuitiv beim Rossmann.

Experten-Rat beim Kauf

Worauf sollte man also beim Föhn-Kauf achten? Die Haar-und Kopfhautpflege-Expertin und Top-Stylistin Mahnaz Hagen-Frerichs stand den Testern während des Testzeitraums zu Seite und rät: „Kaufen Sie einen Föhn nie nach der Verpackung oder der Optik. Ein guter Föhn muss vor allem handlich, leicht und gut zu bedienen sein.“ Das ist aber nur das erste wichtige Kriterium. „Wer kräftiges, dichtes Haar hat, braucht einen Haartrockner mit viel Power. Für dünnes und feines Haar reicht auch ein einfaches und günstiges Gerät. Zu heiß darf wiederum ein Föhn auf keinen Fall werden – das schädigt alle Haartypen.“
Haartrockner Test mit Stylistin Mahnaz Hagen-Frerichs

„Einen Föhn darf man nie nach Verpackung oder Optik kaufen!“, meint Mahnaz Hagen-Frerichs.

Verarbeitung

Und selbst ein günstiger Föhn muss ordentlich verarbeitet sein. Heizen sich ein billiges Plastik-Gehäuse oder die Aufsätze zu stark auf, verbrennt man sich bei der Handhabung schnell die Finger. Eher mäßig schneiden hier die Geräte von Severin und Remington ab. Der Severin-Föhn erhitzt sich am vorderen Gehäuseteil nach 15 Minuten auf über 65 Grad Celsius. Wer die Aufsätze wechseln will, muss ihn erst einmal abkühlen lassen, und auf empfindlichen Oberflächen darf er nach der Benutzung nicht gelagert werden.

Wie heiß ist zu heiß?

Generell gilt auch für die austretende Luft: Sie darf nicht zu heiß werden. Spätestens ab 100 Grad Celsius wird es gefährlich, das Haar und die Kopfhaut trocknen so nicht nur aus, sie können dauerhaft Schaden nehmen. Idealerweise föhnen Sie deshalb nur mit rund 70 Grad Celsius. Im Test wurde besonders der Braun mit 106 Grad Celsius auf höchster Heizstufe viel zu heiß. Der Remington brachte es auf 102 Grad, und auch das Gerät von Grundig lieferte auf höchster Stufe deutlich zu viel Hitze. Besonders schonend föhnten dagegen die Geräte von Bosch und Philips sowie der Dyson, der mit seiner Temperatur-Messung die Hitze während des Einsatzes immer perfekt justiert.
Haartrockner Test

Drei Geräte haben keine Notabschaltung bei Überhitzung – zu brennen begann aber trotz intensiver Tests mit Staub, Haarspray und Folie keines davon.

Haltbarkeit und Sicherheit

Jeder Haartrockner saugt mit der Luft auch emsig Staubpartikel an, von denen die meisten in einem Staubfilter landen. Werden diese Partikel nicht regelmäßig entfernt, gibt der Föhn irgendwann den Geist auf – ist der Filter verstopft, kann das Gerät überhitzen. Sieben von zehn Testkandidaten haben eine eingebaute Notabschaltung, die das Gerät bei zu viel Hitze ausschaltet. Im Härtetest mit jeder Menge Staub liefen die drei Modelle von Remington, Braun und Severin jedoch weiter. Der Braun regelte immerhin die Temperatur runter, sodass eine Überhitzung vermieden wurde. Die Föhne von Remington und Severin heizten weiter, begannen nach einiger Zeit zu qualmen und gaben beunruhigende Geräusche von sich. So viel Stress erlebt ein Föhn im Alltag natürlich nur selten. Für den Nutzer im heimischen Badezimmer sollten strenge Gerüche und merkwürdige Geräusche aber Alarmzeichen sein. Dann müssen Sie den Föhn umgehend ausschalten, reinigen und schlimmstenfalls ersetzen.

Staubfilter reinigen

Soll der Föhn lange halten, muss also die Reinigung des Staubfilters problemlos möglich sein. Bei allen Geräten bis auf den Severin lässt sich dazu die Klappe am hinteren Teil des Geräts – bei Dyson am Griff – entfernen und der Filter mit Wasser oder einem Tuch reinigen. Wichtig: Erst wenn der Filter völlig trocken ist, dürfen Sie in wieder einsetzen, den Föhn in die Steckdose stecken und einschalten.
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400 Euro sind für einen Haartrockner sehr viel Geld. Da stellt sich die Frage, ob sich die Investition lohnt, oder man nur für den Namen zahlt.

Ist der Dyson sein Geld wert?

Etwas aus dem Rahmen fällt der neue Hightech-Föhn von Dyson – nicht nur mit seiner Technologie, sondern auch mit seinem Preis von 400 Euro. Dafür ist die Verarbeitung top, schon das Auspacken das edlen Teils macht Freude. Weniger durchdacht als die Technik wirkt allerdings die Bedienung, denn die Knöpfe sind auf dem sehr langen Griff und auf dem Kopf des Haartrockners verteilt. Wer eine Einstellung ändern will, muss das Gerät mit einer Hand festhalten und mit der anderen den Knopf drücken – praktisch geht anders. Auch die Expertin ist enttäuscht: „Von einem solchen Gerät habe ich mehr erwartet. Im Salon würde ich ihn vermutlich nicht einsetzen – er ist einfach zu unpraktisch“. Und obwohl Dyson einen besonders geräuscharmen Haartrockner verspricht, empfanden einige Tester den hohen Ton im Betrieb als störend. Andererseits punktet der Supersonic mit seiner Temperatur-Regelung und dem spürbar gleichmäßigen Luftstrom. Für ein Alltagsgerät sind 400 Euro aber sehr viel Geld – eine ähnliche Leistung gibt es auch für gut 40 Euro.

Fazit

Erst mal Entwarnung: Keines der getesteten Geräte wies technisch schwerwiegende Mängel auf oder stellt – selbst bei Überhitzung – akute Brandgefahr in Ihrem Badezimmer dar. Vorsicht ist im Umgang natürlich dennoch geboten. Wenn Sie gerade einen neuen Haartrockner suchen, dürfen Sie zudem aufatmen: Nein, Sie müssen nicht 400 Euro für den neuen Dyson Supersonic ausgeben, auch wenn der klar den Testsieg holt. Für 25 bis 45 Euro liefern die Kandidaten auf den Plätzen 2 bis 5 ähnlich gute Trocken- und Styling-Ergebnisse. Der etwas teurere Braun Satin Hair überzeugt mit einem sehr guten Frisier-Ergebnis, wird aber auf höchster Stufe vergleichsweise heiß. Auch der günstige AEG HTD5584 ist eine gute Wahl. Wer nur selten föhnt oder sehr feines Haar hat, greift zum Ideenwelt-Haartrockner bei Rossmann: Preislich ist er unschlagbar, zudem föhnt er weder zu stark noch zu heiß.

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