Technik gegen Vergewaltigung

Safe Shorts: Spezial-Hose schützt vor sexueller Gewalt

Manchmal, insbesondere in der dunklen Jahreszeit, läuft ein ungutes Gefühl mit. Die Safe Shorts stammt aus Deutschland und soll Frauen vor sexueller Gewalt schützen. eVivam verrät, wie die Sporthose funktioniert.

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Safe Shorts

Joggen ist wunderbar, wenn da nicht manchmal die düsteren Ecken wären.

Sie heißt Safe Shorts, stammt aus Deutschland und ist schon international gefragt. eVivam hat bei der Entwicklerin Sandra Seilz nachgefragt, warum sie die Hose entwickelt und auf den Markt gebracht hat und welche Sicherheitsfunktion die Hose für dich haben kann.
Diskussionen um sexuelle Gewalt und um Sicherheit sind allgegenwärtig. Sie sind Politikum und längst mitten in der Gesellschaft angekommen. Die Silvesternacht in Köln hat auch damit zu tun. Denn sie führt zu einer sensiblen Frage: Was bedeutet Sicherheit eigentlich? Und sie führt zu Sandra Seilz.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Die 41-jährige Oberhausenerin joggte im Dezember 2015 wie so oft. Doch dieses Mal standen irgendwo an der Laufstrecke drei alkoholisierte Männer und pöbelten sie an. Es passierte ihr nichts. Aber eine Idee entstand oder ein Neujahrsvorsatz für 2016: „Ich will ein Kleidungsstück entwickeln, mit dem sich Frauen sicherer fühlen sollen", sagt Seilz rückblickend, und zwar sicherer und selbstbewusster beim Joggen auf dunklen Straßen und Wegen, bei der Autosuche im Parkhaus oder beim Warten an der Bushaltestelle.
Unternehmerin Sandra Seilz

Sandra Seilz ist Geschäftsführerin der Firma Tecos. Ziel der Firma ist es, neue Produkte zu vermarkten; eine davon ist ihre Erfindung namens Safe Shorts.

Und es ist eben auch die Silvesternacht in Köln, die ihr gezeigt hat, dass Sicherheit auch Glückssache ist: Das Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein; oder eben nicht.

Jede dritte Frau!

Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass eine von drei Frauen weltweit schon Erfahrungen mit körperlicher oder Gewalt generell und/oder sexuelle Gewalt erfahren. Das sind 35 Prozent der Frauen weltweit; Sexuelle Gewalt von ihrem aktuellen Partner oder von einer fremden Person.

Holzweg 3D-Druck

Seilz begann, nach sicherer Kleidung zu recherchieren und fand: nichts. Unter anderem habe sie im Fablab – ein Fabrikationslabor – einer Hochschule im Ruhrgebiet gefragt, ob man dort eine 3D-Hose drucken könnte; eine, dich sich genau an ihren Körper anschmiegt; so, dass nur sie und niemand anderes die Hose von ihrem Körper herunterbekommen könnte. Das ging nicht, zumindest nicht so wie sich die Unternehmerin das vorstellte.

Aus Vision wird Wirklichkeit

Es dauerte eine Weile bis die Unternehmerin einen Designer überzeugen konnte, ihre Vorstellung eines solchen Kleidungsstücks zu kreieren. Der Designer, so sagt Seilz, habe Erfahrung mit der Beratung von Frauen, die sexuelle Gewalt erfahren haben. Als er zusagte, nahm die Safe Shorts ihren Lauf: Sie trafen sich an einem Tag pro Woche, schafften eine Schaufensterpuppe an, arbeiteten drei Monate lang einen Tag pro Woche zwischen acht und zehn Stunden.

Live-Test mit Prototyp

Im April 2016 entstand der erste Prototyp, im Juni der zweite und im August ging Seilz das erste Mal mit Prototyp Nummer 3 laufen. Und der überzeugte. Die Hose, die jetzt auch in Serie geht, ließe sich weder mit den Fingern noch mit einem Messer aufschneiden noch mit einer Schere aufreißen. Der Bund lässt sich nicht herunterziehen, die Beine nicht bis in den Schritt hochziehen. (Anmerkung der Redaktion: Davon, dass sich der Bund nicht herunter ziehen lässt und dass der Stoff angenehm weich ist, konnte sich die Autorin an einer Schaufensterpuppe überzeugen.)

Galerie: Safe Shorts soll Frauen Sicherheit bringen

Was steckt in der Hose?

Die 80 Prozent Polyamid und 20 Prozent Elasthan sind es nicht, die Widerstand gegen Werkzeuge leisten. Sie sorgen für Tragekomfort, Passgenauig- und Waschbarkeit (30 Grad Celcius).

Welche Sicherheit bietet die Hose?

  1. „Im Prinzip befindet sich die Sicherheit in dem Tunnelsystem, das in die Hose eingenäht und von flexiblen und reißfesten Schnüren durchzogen ist – vom rechten Beckenknochen kreuzen die Schnüre am Schritt und gehen ihren Weg zum linken Beckenknochen," erläutert Seilz. Sie ergänzt, dass die Schnüre aus dem Material bestünden, aus dem auch kugelsichere Westen gemacht seien. Mehr verrät sie nicht.
  2. Zudem ist ein flexibler, weicher Protektor entlang des gesamten Schritts eingearbeitet.
  3. Die Schnüre, die sich mit einem einfachen Sicherheits-Zahlen-Schloss abschließen lassen, enden auch in einer Sirene: wird an der Schnur gezogen, löst sich ein Pin, und 130 Dezibel lauter Sirenenlärm ertönt. Zum Vergleich: Kettensägen, Presslufthammer oder China-Böller erzeugen 120 Dezibel.

Wer produziert wo und wo wird verkauft?

Seilz: „Die Produktion erfolgt über Tecos in Europa." Sie habe mit einer Auflage von 150 Hosen gestartet. Mittlerweile seien 5.000 Hosen in Mache; wer im Webshop bestelle, müsse mit einer sechswöchigen Lieferzeit rechnen. Der Verkauf läuft zurzeit über den Safe-Shorts-Webshop. Erster Händler deutschlandweit ist Adis Sportstube in Gladbeck. Seilz hat vor, in Zukunft mit einer Kette zu kooperieren.

Wer fragt nach?

Die meisten Bestellungen kämen aus Deutschland. Doch es gebe mittlerweile auch Anfragen aus Neuseeland, den Vereinigten Emiraten, Finnland, Schweden, Israel und Italien. Es habe auch schon Anfragen für Hosen gegeben, die speziell für Männer und für Kinder gemacht sind. Die Anfrage für Männer sei aus Schweden gekommen, die für Kinder aus Deutschland.

Was sagt die Polizei zu der Hose?

Die Polizei NRW will zu dieser Hose keine Stellung geben.

Was kostet die Hose?

Modell 1 - die Unterhose kostet im Webshop 99,99 Euro.
Modell 2 - die Runningtight kostet im Webshop 149,94 Euro.

„Die Safe-Short ist nicht die Allerweltslösung gegen sexuelle Gewalt"

Seilz betont, dass die Safe-Shorts nicht das Problem an sich lösen könne: „Die Safe-Short ist nicht die Allerweltslösung gegen sexuelle Gewalt", konstatiert Seilz. Dazu sollten Frauen Achtsamkeit üben und Selbstverteidigungstraining absolvieren.

Patent: Weitere Ideen im Kopf

Die Oberhausenerin habe sich das Patent der Safe-Shorts weltweit sichern lassen. Nun plant sie schon ein Safe-System für Strumpfhosen und Badeanzüge.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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