Greentec Awards

Preisverdächtig: Zukunftsweisende Ideen Made in Germany

Wer sich durch eine besonders clevere und nachhaltige Geschäftsidee auszeichnet, wird mit etwas Glück für die Greentec Awards nominiert. Wir zeigen fünf coole Projekte aus Deutschland, die die Jury überzeugt haben.

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10 Jahre Greentec Awards: Nachhaltigkeit ohne erhobenen Zeigefinger

Nachhaltigkeit muss ohne erhobenen Zeigefinger funktionieren. Die Macher des Greentec Awards zeichnen Projekte aus, die umweltverträgliche Lösungen entwickeln.

Die Greentec Awards ehren dieses Jahr zum zehnten Mal Initiativen, Start-Ups, Mittelständler und große Unternehmen, die zukunftsweisende Ideen für Nachhaltigkeit hervorgebracht haben, aber noch weitestgehend unbekannt sind. Nach eigenen Angaben handelt es sich um den größten unabhängigen Umwelt- und Wirtschaftspreis der Welt. Eine 60-köpfige namhaft besetzte Jury bewertet eingereichte Projekte in elf Kategorien und zwei Zusatzkategorien Innovationsgrad, ökologische Verträglichkeit oder Wirtschaftlichkeit eines Produktes oder einer Dienstleistung. Der Prozess ist TÜV-zertifiziert und wer in die aktuelle Top 3 gelangt, entschied ein Online-Voting, bei dem auch Otto-Normalverbraucher mitbestimmen konnten. Die Kandidaten 2017 sind frisch nominiert ...

Fahrradrahmen aus Bambus

Greentec Awards/My Boo/Top 3 Lifestyle/Made in Germany

In der My-Boo-Fahrradproduktion werden aus Bambus aus Ghana besondere Fahrradrahmen. Die Produktion ist unter den Top 3 der Greentec Awards. In den Händen befindet sich ein Diamantrahmen aus Bambus im Rohzustand.

Zu den fünf Produkten und Geschäftsideen, die aus Deutschland stammen, zählt My Boo. Das Social Startup aus Kiel fertigt gemeinsam mit seinem Partner, einem sozialen Projekt in Ghana, Bambusfahrräder. Einer der Mitarbeiter ist Felix Habke. Er ist quasi seit Anfang an dabei und erfreut über die gute Nachricht, in den Top 3 zu sein. Habke: „Durch den Bau und Verkauf der Fahrradrahmen ist das Projekt mittlerweile spendenunabhängig und kann so seine eigenen Aktionen sehr viel schneller realisieren." Mit dem Projekt gehe es vorrangig um die Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit speziell in der Region. Dazu würden Schulstipendien an Kinder und Mikrokredite an junge Frauen vergeben. Er ergänzt: „Im Workshop selber arbeiten mittlerweile 30 junge Menschen, die fair bezahlt werden."

Warum Bambus?

Bambus gehört zu den am schnellsten nachwachsenden Rohstoffen. Er binde, so Habke, besonders viel Kohlenstoffdioxid CO2. Bambus eignet sich für den Bau von Fahrradrahmen, weil er leicht und stabil ist und so die Vorteile eines Stahl- und eines Aluminiumrahmens in einem Gestell bietet. Habke erläutert den Produktionsprozess: „In Kiel angekommen, werden die Rahmen in unserer eigenen Manufaktur zu hochwertigen Bambusfahrrädern für den Alltagsgebrauch montiert und europaweit über den Fachhandel vertrieben."

Biokunststoff: Zahnbürste aus Holz

Greentec Awards/Biobrush/Top 3 Lifestyle/Made in Germany

Die Zahnbürsten namens Biobrush haben es unter die Top 3 der Greentec Awards geschafft.

Einfach ein herkömmliches Produkt in der Bio-Variante zu klonen, genügt heute nicht, um als Start-up ein Produkt mit Nachhaltigkeitsanspruch auf den Markt bringen. „Alle Bestandteile – Funktion, Beschaffenheit, Design und Kundenansprache des Produktes inklusive der Verpackung müssen kritisch hinterfragt werden", erläutert Bio-Brush-Geschäftsführerin Nannett Wiedemann.

Zellulose und Rizinusöl

Bevor Holzreste der Industrie verbrannt werden, macht Bio Brush Zahnbürsten daraus. Der Biokunststoff der Zahnbürste und die Verpackung sind aus Zellulose, die aus den Reststoffen nachhaltiger Forstwirtschaft stammten, die Nylonborsten aus nachhaltigem Rizinusöl. Die Vorteile ihres neuen Produkts fasst Wiedemann so zusammen: „Es kommt ohne schädliche Weichmacher aus, ist zu einem fairen Preis erhältlich und ressourcenschonend." Sogar die Verpackung sei kompostierbar.

Bionik-Fassadenfarbe vom Nebeltrinker-Käfer

Der Nebeltrinkerkäfer im Wüsteneinsatz Video abspielen

Der Nebeltrinker-Käfer ist Vorbild für die Fassadenfarbe StoColor Dryonic®. Das Produkt hält Außenfassaden trocken.

Diese Farbe hat es in sich: Die Flügel des Käfers sind übersät mit unzähligen mikroskopischen Noppen. Diese Oberflächenstruktur lässt den Nebel schnell verflüssigen. Ein Prinzip, das der Nebeltrinker-Käfer in der Wüste überlebensfähig macht. Für die Farbe sind die wasserfreundlichen (hydrophilen) Noppen interessant: Denn während die das Wasser kondensieren lassen, wirken die Täler dazwischen wasserabführend. Diese Drainagetechnik hat Sto in eine neue Fassadenfarbe übersetzt: Sie heißt StoColor Dryonic®.

Verpackung ohne Kunststoff

Greentec Awards/Papacks/Top 3/Recycling&Ressourcen/Made in Germany

Dieses 3-D-Packaging-Modell von Papacks ist ökologisch, nachhaltig, bietet Stabilität und Passgenauigkeit sowie einen sicheren Transport. Sie kann wasser- und fettabweisend und stapelbar konstruriert werden. Sie ist unter den Top 3 der Greentec Awards.

Papacks konzipiert nachhaltige Verpackungslösungen ohne Kunststoff, und zwar von der Entwicklung bis zur Produktion. Die Firma stellt neuartige Produkt- und Versand-Verpackungen sowie Transporttrays für die Industrie her. Verpackungen werden hier sowohl in neuen Kreisläufen als auch in der grundsätzlichen Vermeidung gedacht. Zu ihren grünen Lösungen zählt beispielsweise das 3D-Packaging aus nachhaltigem Faserguss; im Prinzip Zellulose, die aus geschreddertem Altpapier und Wasser in einem spzeziellen Verfahren zu diesen Kartonagen wird. Nachhaltig ist vor allem der Recycling-Gedanke für sogenannte Transporttrays, spezielle Kisten, die ebenso in diesem Faserguss hergestellt werden.
„Nach über sechs Jahren harter Arbeit, Entwicklung und Forschung in der Verpackungsindustrie überschlagen sich die Ereignisse. Rückmeldungen aus der gesamten Industrie für nachhaltige Verpackungen und Kreisläufe, an denen wir seit Jahren arbeiten, erreichen uns in den vergangenen Monaten. Wir sind glücklich, dass das Umdenken begonnen hat und freuen uns auf die Zukunft!", sagt Manuel Leibrock, Marketingleiter bei Papacks.

Sportswear aus Bio-Baumwolle und Recycling-Material

Greentec Awards/Instinct/Top 3 Lifestyle/Made in Germany

100 Prozent Organic Sportswear Made in Germany: Das verspricht das Label namens Instinct. Für ihre gleichnamige Kollektion ist die Jung-Unternehmerin Nina Arndt (Foto) jetzt unter den Top 3 der Greentec Awards.

Sport erzeugt Hitze. Aber wenn du schwitzt, sollte die Feuchtigkeit bestenfalls keine Chemikalien aus der Kleidung lösen. „Deshalb verwenden wir in unserer ersten Basis-Kollektion nur Bio-Baumwolle, von denen 90 Prozent nach GOTS-Standard zertifiziert sind." Dieser Global Organic Textile Standard garantiert nicht nur, dass die Instinct-Sportswear aus biologisch erzeugter Baumwolle besteht. Damit ist zum Beispiel zudem der Einsatz von Pestiziden oder chemischen Entlaubungsmitteln untersagt.

Leggins aus Müll

Arndt: „Wir produzieren in einer ostdeutschen Manufaktur, die sich auf Trikotagen – also dehnbare Sportstoffe – spezialisiert hat." Zurzeit sucht sie einen Kooperationspartner für eine Leggings, die aus einer Kunststofffaser hergestellt werden soll: das soll eine Faser aus recyceltem Plastik sein, das im Meer schwimmt und die Ozeane vermüllt.

Greentec Awards: Wer steckt dahinter?

Die Macher Marco Voigt und Sven Krüger haben 2008 mit dem Nachhaltigkeitspreis gestartet. „Wir haben Elon Musk von Tesla ausgezeichnet, als die meisten Tesla noch für eine Formel gehalten haben," heißt es auf der Webseite.
2016 ging ein Greentec Award an Thomas D.

2016 ging ein Greentec Award an Thomas D.

Vergangenes Jahr wurde unter anderem Thomas D für sein musikalisches Umwelt-Engagement ausgezeichnet. Am 22. Februar 2017 wird es noch einmal spannend für die Teilnehmer: Dann bestimmt die Jury in einer letzten geheimen Wahl die Sieger aller Kategorien. Die Greentec-Gala findet am 12. Mai in Berlin statt.
Alle Produkte, die es in die Top 3 geschafft haben und Sieger ihrer Kategorie werden können, sind auf der Greentec-Award-Webseite gelistet.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

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