Gedankenklau im Netz

Crowdfunding: Inspiration für chinesische Raubkopierer

Crowdfunding-Plattformen machen es Chinas Plagiatoren heutzutage leicht, Ideen zu stehlen. Je einfacher potenzielle Design- oder Technikprojekte sind, desto einfacher lassen sie sich kopieren. Neues Ziel sind Start-ups.

Datum:
Ideenklau Crowdsourcing: Made in China

Ideenklau betrifft heute nicht nur Großunternehmen, sondern auch Start-ups – etwa über Crowdsourcing-Plattformen. Ein Ansatz made in China.

Produkte zu fälschen, ist heute nicht mehr allzu schwierig. Eine immer wichtigere Rolle spielen dabei Crowdfunding-Plattformen wie Indiegogo und Kickstarter. Diese Portale bieten Jungunternehmern die Möglichkeit, ihre Geschäftsideen zu präsentieren und für deren Verwirklichung Geld von privaten Investoren sowie Kaufinteressenten zu sammeln. Die offene Präsentation von Ideen auf Crowdfunding-Plattformen erfreut zunehmend auch chinesische Raubkopierer. Sie nutzen die Portale nämlich als leicht zugängliche Ideenbörse für Imitationen. (Ironisch dabei: Crowdfunding ist ausgerechnet als Reaktion auf Raubkopien in der US-Musikindustrie entstanden. Das neue Konzept sollte Musikern dennoch das Produzieren von Alben ermöglichen.)

Made in China: Ideenklau via Crowdfunding

Vibease-Webseite

„Vibease“ ist ein Sex-Toy – das Startkapitel dafür geht auf Crowdfunding zurück.

Ein aktuelles Beispiel ist der Vibrator namens „Vibease“. Den hat der Asiate Dema Tio vor ein paar Jahren auf den Markt gebracht, und zwar über eine Kampagne bei Indiegogo. Schon am Tag besagter Kampagne sollen drei chinesische Firmen versucht haben, Tios Vibease-Marke zu kapern und auf die eigene Firma registrieren zu lassen – so heißt es in einem Artikel des Wochenmagazins „Wirtschaftswoche“ (Ausgabe 1/2). Die Autorin Lea Deuber schreibt weiter, dass der gelernte Programmierer Tio zu dem Zeitpunkt noch keinen einzigen Vibrator produziert hatte.

Reaktion: Kooperation statt Konfrontation

Der heute 37-Jährige entschied sich jedoch, nicht gegen seine Feinde zu klagen, sondern mit ihnen zu kooperieren. So gebe es mittlerweile einige Fabriken in China, die das Produkt nachbauen. Wie das? Nun, Tios gestattet den Imitatoren zwar, den Vibrator zu kopieren – doch sie müssen im Gegenzug die damit verbundene App nutzen, die Paaren ermöglicht, sich gegenseitig Lust zu verschaffen. So bleibt Tio als Programmierer letzten Endes bei seinem Kerngeschäft.

Produktpiraterie mit neuem Ziel: Start-ups

Produktpiraterie ist nichts Neues. Davon betroffen waren bisher vor allem große Marken und Industrie-Unternehmen – besonders, seit China seine Wirtschaft vor mehr als 30 Jahren geöffnet hat. Neu ist nun eben, dass man Start-ups die Ideen stiehlt. Dabei lassen sich Produktideen umso leichter kopieren, desto einfacher sie gestrickt sind. Unsere Bildergalerie zeigt dazu eine Auswahl frischer Ideen auf Kickstarter und Indiegogo, von einfach bis kompliziert (die hoffentlich nicht der Produktpiraterie zum Opfer fallen).

Galerie: 4 neue Crowdfunding-Projekte – hoffentlich nicht bald kopiert

Und mit neuem Modell: Fälschungen als Service

Plagiate zu erstellen, geht besonders leicht beim additiven Druckverfahren, dem 3D-Druck – so heißt es vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Fällt den Fälschern die digitale Vorlage in die Hände, lassen sich laut VDMA ziemlich perfekt identische Teile erzeugen. Es gebe sogar bereits Berichte von „Fälschungen as a Service“, bei denen Leute 3D-Fertigungszentren gezielt mit Kopien beauftragen.

Produktpirat Nummer 1: China

Was ist das eigentlich genau, Produktpiraterie? Der VDMA zählt Produktpiraterie, ebenso wie Plagiate, zu „unzulässigen Nachbauten“ und versteht darunter:
• Nachbau unter Verletzung von Sonderschutzrechten (z. B. Marken, Patente) oder
• Nachbau ohne Verletzung von Sonderschutzrechten, aber in wettbewerbswidriger Weise.
Zweimal jährlich bringt der VDMA eine Studie heraus, die sich speziell auf unzulässige Nachbauten bezieht. Unangefochten auf Platz 1 der Produktpiraterie-Länder war 2016 die Volksrepublik China mit 83 Prozent (+ 11 Prozent). Auf dem zweiten Platz folgen Plagiate aus Deutschland mit 24 Prozent (+ 1 Prozent). Indien ist mit 19 Prozent (± 0 Prozent) nach 2012 wieder auf den dritten Platz geklettert.
Wibke Roth

von

Wenn ich Texte verfasse, erfasse ich die Welt. Wenn ich laufe, erlebe ich sie. Ich arbeite als freischaffende Journalistin und Texterin sowie Fitness-, Reha- und Yoga-Trainerin im Herzen des Ruhrgebiets, oder manchmal auch auf Mallorca.

Sonderangebote

Kommentare

Die Technik der Kommentarfunktion „DISQUS“ wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.