Schamlippenverkleinerung

Intimchirurgie – ein Trend mit hohen Risiken

Immer mehr Frauen lassen sich die Schamlippen verkleinern oder die Scheide verengen. Eine Entwicklung, die nicht ohne Risiken ist. Wir haben die wichtigsten Informationen und Gefahren der Intimchirurgie für Sie zusammengefasst.

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Intimchirurgie

Intimchirurgie – ein neuer Trend vor allem bei jungen Frauen. Doch er ist nicht ohne Risiken.

Die Sucht nach Schönheit hat eine neue Ebene erreicht: den Intimbereich. Mehr als 95.000 Frauen legten sich 2015 weltweit unters Messer, für schönere Schamlippen oder eine engere Vagina. In Österreich stieg die Zahl in zehn Jahren sogar um das Fünffache. Auch in Deutschland nimmt die Zahl der Eingriffe zu. Die Intimchirurgie verzeichnet die drittstärkste Wachstumsrate bei den plastischen Operationen. Ein Trend, der sogar plastische Chirurgen überrascht. Viele Mediziner warnen jetzt vor den Risiken, da Patientinnen oft falsche Erwartungen an die OP haben, sich kaum über die möglichen Folgen informieren oder an schlecht ausgebildete Ärzte geraten.

Schamlippenverkleinerung – der Topseller in der Intimchirurgie

In den meisten Fällen verkleinern die Operateure die inneren Schamlippen chirurgisch. Laut der Gesellschaft für ästhetisch-plastische Chirurgie in Deutschland steht die Schamlippenverkleinerung an siebter Stelle bei den kosmetischen Operationen, Tendenz steigend. Die meisten Eingriffe in der Intimchirurgie erfolgen aus ästhetischen Gründen. Bereits 30-jährige Frauen legen sich unters Messer, damit ihre Schamlippen wieder aussehen wie die eines jungen Mädchens. Der Trend verstärkt sich durch die in Mode gekommene Schamrasur, bei der der Schambereich ganz oder teilweise von Haaren befreit ist.

Labioplastik – Schamlippenkorrektur medizinisch indiziert?

Die häufigste Ursache für eine Labioplastik ist das Herausragen der inneren Schamlippen über die äußeren. Viele Frauen können sich mit diesem ‚Makel’ schlecht abfinden. Die Verkleinerung der inneren Schamlippen (Labia Minora) aus ästhetischen Gründen gehört deshalb zu den am meisten durchgeführten Operationen im Intimbereich.
Echte, medizinisch indizierte Fälle sind dagegen eher selten. Dazu zählen Beschwerden und störendes Reiben beim Sitzen oder beim Sport, wie etwa beim Reiten oder Fahrradfahren, was zum Aufscheuern der Schamlippen und möglicherweise zu schmerzhaften Schwellungen und Entzündungen führt. Bei der Operation reduziert der Arzt den überschüssigen Hautanteil chirurgisch oder entfernt die inneren Schamlippen. Ein Eingriff, der etwa 60 bis 90 Minuten dauert und unter örtlicher Betäubung stattfindet.

Intimchirurgie – wer übernimmt die Kosten?

Die Intimverschönerung kostet bis zu 3.000 Euro. Bei medizinisch notwendigen Eingriffen übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Diese sind allerdings eher die Ausnahme. Der Plastische Chirurg Nicolas Berreni schätzt, dass etwa 40 Prozent der Frauen medizinisch-funktionelle Beschwerden vortäuschen. Damit der Eingriff ohne größere medizinische Folgen bleibt, empfiehlt es sich, einen erfahrenen Chirurgen zu wählen, der den Eingriff sicher und routiniert durchführt.

Scheidenverengung – die vaginale „Verjüngung“

Bei Frauen, die Kinder gebären, verändert sich naturgemäß oft der Durchmesser der Vagina. Hormonelle Veränderungen sowie der natürliche Alterungsprozess nehmen dem Gewebe der Vagina seine ursprüngliche Elastizität. Dies führt mitunter zu einer starken Weitung der Vagina. Beckenbodentraining wäre die natürliche Therapie, schnelle Ergebnisse verspricht die Scheidenverengung, auch Vaginalverjüngung oder Scheidenstraffung genannt. Es gibt verschiedene Methoden: die Behandlung mit Eigenfett, Überschuss-Reduzierung durch Wegschneiden, Unterspritzung mit Hyaluronsäure oder die Laser-Vaginal-Behandlung. Die Kosten einer Scheidenverengung liegen je nach Methode zwischen 1.000 Euro (Lasern) und 7.000 Euro (operativer Eingriff). In manchen Fällen, wenn Frauen zum Beispiel gleichzeitig an einer Gebärmutter- oder Scheidensenkung leiden, übernimmt die Krankenkasse die Kosten.

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Imtimchirurgie: Das sind die Risiken

Wie alle operativen Eingriffe birgt auch die Intimchirurgie einige Risiken: Entfernt der Chirurg ein Stück Gewebe, besteht die Gefahr einer Blutung, Infektion und späterer Narbenbildung. Sind Nervenenden betroffen, kommt es möglicherweise zu chronischen Vulvaschmerzen. Wundheilungsstörungen oder Asymmetrien – linke und rechte Schamlippen sind unterschiedlich groß – gehören ebenfalls zu den Nebenwirkungen der Intimchirurgie. Auch die Lust leidet manchmal unter dem intimen Schnitt: Schamlippen sind für den Erregungsaufbau wichtig, jede Schamlippenverkleinerung stellt deshalb auch eine Gefahr dar, diese sensiblen Bereiche zu verletzen.

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Da auf dem Markt viele Operateure tätig sind, die keine Ausbildung in Sexualmedizin haben, befürchtet die Sexualmedizinerin Elia Bragagna: „Sie zerstören Gefäße und durchschneiden Nervenbahnen, von deren Existenz sie gar nichts wissen, die aber für das Lustempfinden der Frau wichtig sind." Solchen Operateuren fehlt vermutlich auch das Wissen über die „Body Dismorphic Disorder“ (BDD), eine psychische Erkrankung, bei der Frauen unter einer Körperwahrnehmungsstörung leiden und oft sogar Selbstmordgedanken hegen. Eine Operation verbessert diese Störung nicht auf Dauer.

Beckenbodentraining