Achtung Keime!

Kryptosporidien: Parasiten im Schwimmbad

Schwimmbäder und Badeseen sind oft Sammelbecken für verschiedenste Keime, zum Beispiel Kryptosporidien. Wer verseuchtes Wasser schluckt, steckt sich mit den Parasiten an.

Datum:
Kryptosporidien – Parasiten im Schwimmbad

Kryptosporidien sind krankmachende Parasiten in Seen, Flüssen und manchmal auch in Bädern.

Einen Schluck Wasser nimmt jeder einmal im Schwimmbad oder im Badesee. Das gilt vor allem für Kinder. Doch dort tummeln sich unsichtbare Keime, zum Beispiel Kryptosporidien. Die Parasiten sind äußerst widerstandsfähig gegenüber jeglicher Art von Desinfektionsmittel – auch gegenüber Chlor, das in Schwimmbädern eingesetzt wird. Sie überleben sehr lange in der Umwelt. Kryptosporidien befallen vor allem Tiere, sind aber auch für Menschen gefährlich, weil sie schweren Durchfall hervorrufen. Für die Krankheit Kryptosporidiose sind vor allem die Erreger Cryptosporidium hominis und Cryptosporidium parvum verantwortlich. Kryptosporidien bilden Sporen (Oozysten), die ein bestimmtes Entwicklungsstadium des Erregers – die Sporozoiten – beherbergen. Und mit diesen Sporen infizieren sich Menschen, zum Beispiel, wenn sie versehentlich verseuchtes Wasser im See oder Schwimmbad schlucken.

Galerie: 10 Tipps gegen Campylobacter

Kryptosporidien verursachen nicht immer Beschwerden

Kryptosporidien sind überall auf der Welt verbreitet. Bei etwa zwei bis vier Prozent aller Patienten mit Durchfall sind Kryptosporidien im Stuhl nachweisbar sind. Manche Menschen entwickeln keine Symptome und bleiben gesund, obwohl sie die Erreger in sich tragen. Die Mitbewohner in ihrem Darm spüren sie nicht. Andere entwickeln dagegen schwere wässrige Durchfälle, die einen erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust bedeuten. Dazu kommen oft Bauchschmerzen, Übelkeit, Fieber und/oder Gewichtsverlust. Eine Infektion mit Kryptosporidien ist in Deutschland seit 2001 meldepflichtig. Seit diesem Zeitpunkt haben sich bis zu 1500 Menschen bis zum Jahr 2013 mit den Parasiten infiziert. In den Monaten von Juli bis November erkranken die meisten Menschen.

Wie steckt man sich mit Kryptosporidien an?

Menschen stecken sich mit den infektiösen Sporen an, wenn sie verseuchtes Trinkwasser und Eiswürfel konsumieren oder Wasser im Schwimmbad oder Badesee schlucken. Auch wer Kontakt mit Fäkalien von infizierten Menschen und Tieren (Rinder, Pferde, Ziegen, Schafe, Hunde, Katzen, Vögel) hat und zum Beispiel anschließend die Finger in den Mund nimmt, steckt sich möglicherweise an. Ein weiterer Infektionsweg für Kryptosporidien ist der Konsum von verunreinigtem Fleisch. Schon die Aufnahme geringster Mengen dieser Sporen genügt, um sich zu infizieren. Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Kryptosporidiose (Inkubationszeit) beträgt in der Regel sieben bis zehn Tage.
Die Parasiten gelangen in den Dünndarm und setzen dort die Sporozoiten frei, die einen komplizierten Vermehrungszyklus in Gang setzen. Es bilden sich hauptsächlich dickwandige Oozysten (Sporen), aber auch solche mit dünnen Wänden. Fünf bis 21 Tage, nachdem sich ein Mensch infiziert hat, scheidet er dickwandige Sporen mit dem Stuhl aus. Dann besteht Ansteckungsgefahr für andere! Selbst Wochen, nachdem die Beschwerden abgeklungen sind, scheidet er weiter Sporen aus – und bleibt damit ein Infektionsrisiko. Oozysten mit dünnen Wänden reißen oft schon im Darm, setzen Sporozoiten frei und sind vor allem für Menschen mit geschwächtem Immunsystem eine Gefahr.
Das Problem ist, dass Chemikalien wie Desinfektionsmittel und Umwelteinflüsse den Kryptosporidien meist nichts anhaben: In feuchtem Milieu, wie es in Schwimmbädern oder Badeseen zu finden ist, bleiben die Parasiten monatelang, manchmal sogar bis zu zwei Jahre infektiös.

Für wen sind Kryptosporidien besonders gefährlich?

Besondere Gefahr durch Kryptosporidien besteht für Menschen mit geschwächten Abwehrkräften, zum Beispiel HIV-Infizierte oder nach einer Organtransplantation, wenn Ärzte das Immunsystem mit Medikamenten unterdrücken. Auch Kinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren erkranken gehäuft an Kryptosporidiose. Manchmal kommt es zu regelrechten Ausbrüchen der Infektionskrankheit, wenn sich Personen über verunreinigtes Wasser oder Lebensmittel mit Kryptosporidien anstecken. So erkrankten in Milwaukee in den USA im Jahr 1993 etwa 400.000 Menschen durch verseuchtes Trinkwasser.

Galerie: 5 beliebte Wasserfilter im Überblick

Kryptosporidien-Behandlung und Tipps zum Schutz

Es gibt bislang keine gezielte Behandlung, die den Kryptosporidien zuverlässig an den Kragen geht. Nur die Durchfall-Symptome lassen sich behandeln, indem Ärzte den Flüssigkeits- und Elektrolytverlust ausgleichen. Sie schützen sich vor einer Kryptosporidien-Infektion durch folgende Tipps:
  • Meiden Sie den Kontakt zu infizierten Tieren und Menschen.
  • Kochen Sie Trinkwasser ab, das eventuell verunreinigt ist – so töten Sie Kryptosporidien zuverlässig.
  • Schlucken Sie möglichst kein Wasser im Schwimmbad, See oder Fluss. Sonst haben Sie sich Kryptosporidien schnell eingefangen.
  • Achten Sie auf eine gute Handhygiene! Waschen Sie sich die Hände gründlich nach jedem Toilettengang, Hantieren mit Windeln oder dem Kontakt mit Abwasser, Gartenerde und Haustieren. Auch wenn Sie Kochen, und vor dem Essen gilt: Hände gut waschen!
  • Lassen Sie ein neues Haustier auf Kryptosporidien (Hund, Welpe) untersuchen, bevor Sie es bei sich zuhause aufnehmen.
  • Wer sich mit Kryptosporidien angesteckt hat und Oozysten ausscheidet, darf auf keinen Fall ins Schwimmbad! Verzichten Sie mindestens 14 Tage, nachdem der Durchfall abgeklungen ist, auf das Schwimmen in Schwimmbädern und Badegewässern. Sonst infizieren sich vielleicht andere mit Kryptosporidien.
Weitere Informationen zu Kryptosporidien bieten das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit.

Desinfektionsmittel

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.