Aids im Griff

HIV-Heimtest: Mit diesem Test testen Sie sich selbst

Der HIV-Heimtest ist in Deutschland für den Heimgebrauch nicht erlaubt. Das könnte sich bald ändern, denn es gibt neue, einfach durchzuführende und zuverlässige HIV-Schnelltests.

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HIV-Heimtest

Der HIV-Heimtest ermöglicht es, sich selbst auf eine HIV-Infektion zu testen.

HIV und Aids sind zwar heute gut mit Medikamenten behandelbar, aber immer noch sehr gefährlich. Viele wissen nichts von ihrer HIV-Infektion, weil sie aus Scham oder Angst vor Diskriminierung nicht zum Arzt gehen, um einen HIV-Test durchführen zu lassen. So stecken sie vielleicht andere ohne ihr Wissen an. Umgekehrt erhalten viele selbst die Diagnose HIV erst spät, oft wenn es ihnen gesundheitlich bereits schlecht geht und sie schon das Krankheitsbild Aids entwickelt haben. Seit einigen Jahren sind HIV-Heimtests auf dem Markt, die aber in Deutschland für den Privatgebrauch bislang nicht legal sind. In den USA, Frankreich und England sind sie schon länger rezeptfrei in Apotheken erhältlich. Hierzulande dürfen nur Ärzte, medizinische Labors oder Behörden HIV-Schnelltests kaufen und mit dem Einverständnis der Betroffenen durchführen.

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HIV-Schnelltest: Apotheken-Verkauf bald in Deutschland?

Doch jetzt prüft das deutsche Gesundheitsministerium, ob es HIV-Heimtests für Zuhause erlaubt. Dann wäre der HIV-Schnelltest (Apotheke) keine Zukunftsmusik mehr. Der Hintergrund ist, dass die Industrie neue HIV-Schnelltests mit CE-Prüfzeichen entwickelt hat, die einfacher zu handhaben sind und genauere Ergebnisse liefern als bisherige HIV-Schnelltests. Derzeit sind solche Aids-Selbsttests meist bei Händlern im Internet erhältlich, die ihren Sitz im Ausland haben. Kostenpunkt: etwa 20 bis 50 Euro plus Versand. Strafbar machen Sie sich übrigens nicht durch Ihre Bestellung. Aber der Zoll macht manchmal Stichproben.

Wie funktioniert der HIV-Heimtest?

Der neue HIV-Heimtest ist ein Bluttest, bei dem Sie einen Tropfen Blut aus der Fingerbeere entnehmen und auf einen Teststreifen aufbringen. Das Prinzip ist ähnlich wie die Blutzuckermessung bei Diabetikern. Nach etwa 15 und 30 Minuten erhalten Sie das Testergebnis, je nach Produkt. Zu beachten ist, dass sich erst etwa drei Monate nach einer potenziellen HIV-Infektion Antikörper gebildet haben, die der HIV-Heimtest nachweist.
Bislang war der HIV-Schnelltest kompliziert und nicht für den Hausgebrauch oder Laien gedacht. Selbst Profis wie medizinisches Personal müssen üben, bis der Test sicher klappt. Wer Fehler bei der Anwendung macht, bekommt vielleicht ein falsches Ergebnis: Der Test fällt negativ aus, obwohl ein Mensch HIV-positiv ist – und umgekehrt.

HIV-Heimtest – diese Kriterien muss er erfüllen

Die Deutsche AIDS-Hilfe empfiehlt ein CE-Prüfzeichen der Europäischen Union auf dem Test. Außerdem sollte er für Laien entwickelt sowie in Europa zugelassen sein. Und: Er darf auf keinen Fall eine HIV-Infektion übersehen. Die Aussage „100 Prozent Sensitivität“, die oft auf einem HIV-Heimtest aufgedruckt ist, bedeutet: ein negatives Testergebnis ist absolut sicher. Solche Kriterien erfüllt bislang nur der Autotest VIH eines französischen Herstellers, der auch eine deutsche Anleitung bietet. Ein positives Testergebnis bestätigt am besten immer ein weiterer HIV-Test im Labor. Der Arzt, das Gesundheitsamt, Labore oder die Aidshilfen sind hier die richtigen Ansprechpartner. Fällt dieser Test ebenfalls positiv aus, steht die Diagnose „HIV“.

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HIV-Schnelltest veranlasst Männer, sich häufiger zu testen

Ein freiwilliger HIV-Heimtest bringt Männer dazu, sich häufiger auf eine HIV-Infektion zu testen. Dies ergab eine aktuelle Studie australischer Wissenschaftler von der University of New South Wales in Sydney, die im renommierten Fachblatt The Lancet veröffentlicht wurde. An der Untersuchung nahmen knapp 350 homo- und bisexuelle Männer teil, die sich sexuell sehr riskant verhielten. So verzichteten sie auf öfters Kondome beim Sex und wechselten häufiger ihre Geschlechtspartner. Damit haben sie ein erhöhtes Infektionsrisiko. Die Forscher beobachteten ein Jahr lang, wie sich Tests für zuhause auf die Testhäufigkeit auswirkten.
Männer, die Heimtests erhalten hatten, überprüften sich doppelt so oft auf eine HIV-Infektion wie Probanden, die nur in Praxen und Kliniken getestet wurden. Fast viermal so hoch war die Testrate bei Männern, die sich in den letzten zwei Jahren nicht oder noch niemals im Leben auf HIV getestet hatten. Der HIV-Heimtest erreichte den Forschern zufolge also viel mehr Menschen. Damit ließen sich das Risiko, das HI-Virus an andere weiterzugeben, und die Anzahl der Neuinfektionen senken.
In Deutschland steckten sich im Jahr 2015 etwa 3.200 Menschen neu mit HIV an, rund 84.700 Menschen leben mit dem HI-Virus. Die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. und die Deutsche AIDS-Gesellschaft e.V. befürworten, dass der HIV-Heimtest auch in Deutschland legal wird. Dann könnten alle, die eine HIV-Infektion befürchten, in der Apotheke einen HIV-Schnelltest kaufen.

Kondome

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.