Beängstigender Algorithmus!

Verraten deine Instagram-Bilder, ob du Depressionen hast?

Ohne es zu wissen, teilen wir auf Instagram sehr persönliche und sensible Informationen über uns. Denn: Die Bilder, die wir posten, verraten vielleicht mehr als uns lieb ist. Wollen wir so der Welt eine Depression verkünden?

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Zeigen Instagram-Bilder deine Depressionen?

Instagram-Bilder zeigen unsere Stimmungslage. Aber: Zeigen sie auch Anzeichen für Depressionen?

Kann ein Algorithmus anhand deiner Instagram-Bilder erkennen, ob du Depressionen hast? Vielleicht. Eine neue Studie amerikanischer Wissenschaftler deutet zumindest darauf hin. Die Forscher untersuchten zwar nur eine kleine Probandengruppe von 166 Instagram-Nutzern, doch die Ergebnisse waren erstaunlich. Anhand der 44.000 untersuchten Fotos konnte der Algorithmus mit einer Wahrscheinlichkeit von 77 Prozent diejenigen Nutzer identifizieren, die mit Depressionen diagnostiziert waren.

Wie genau ist solch eine Instagram-Studie?

Ganz offensichtlich ist die Studie zu klein angelegt, um wirklich verlässliche Ergebnisse zu liefern. Eine Garantie gibt es also nicht, dass gewisse Fotos auf Depressionen hinweisen. Erstaunlich ist dennoch, dass der Algorithmus anhand bestimmter Gemeinsamkeiten auf Fotos mehrheitlich depressive Stimmungslagen erkannte. Daher könnten die Ergebnisse ein „frühes Warnsignal” sein für Menschen, die erste Anzeichen einer Depression zeigen, so die Wissenschaftler. Heißt also: Allein anhand der Bilder kann man keine Aussagen darüber machen, ob ein Instagram-Nutzer Depressionen hat. ABER: Wer z.B. die Vermutung hegt, dass ein Freund Depressionen bekommen könnte oder sich sein Zustand verschlimmert, würde hier ein weiteres Indiz finden. Naheliegend wäre dann ein Gespräch mit dem entsprechenden Freund.

Welche Bilder weisen auf Depressionen hin?

Es ist ein Klischee und doch trifft es den Punkt. Menschen, die mit Depressionen diagnostiziert wurden, posteten auf Instagram insgesamt düstere Bilder als Menschen, die keine Depressionen haben. Sie nutzen zudem seltener Filter. Die Bilder haben oft einen Blau- oder Grauton, zeigen seltener Gesichter. Schwarz-Weiß-Bilder sind also in depressiven Stimmungslagen beliebter, Selfies weniger. Gesunde Probanden nutzten gerne den Filter Valencia, der Belichtung und Wärme des Fotos verstärkt.
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Die Instagram-Forschung steckt noch in den Kinderschuhen

Immer mehr Menschen nutzen Social Media und insbesondere auch Instagram. Gerade erst verkündete Instagram 15 Millionen Nutzer allein in Deutschland. 700 Millionen sind es weltweit. Und je mehr Menschen Inhalte online teilen, desto mehr lässt sich perspektivisch davon ableiten. Können wir irgendwann anhand vom Nutzerverhalten sicher Voraussagen über den Gesundheitszustand des Nutzers machen? Wahrscheinlich. Beängstigend ist der Gedanke schon, dass wir unbewusst extrem sensible und private Inhalte so für jeden öffentlich machen. Vielleicht müssen anfangen, vorauszudenken und in „Was wäre wenn”-Fällen zu denken. Denn genau daran arbeiten Wissenschaftler bereits heute, wie man sieht.

Buch: „Fotografieren für Blogger”

Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.