Kinder ohne Impfschutz

Impfgegner: Wo leben die meisten Skeptiker?

Impfen – ja oder nein? Impfbefürworter und Impfgegner führen darüber heftige Debatten, vor allem im Internet. Eine Studie fand jetzt heraus, in welchen Regionen Deutschlands die meisten Impfmuffel leben.

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Impfgegner

Impfgegner – die Regierungen versuchen, Impfungen populärer zu machen

Kaum ein Thema diskutiert das Netz so kontrovers und hitzig wie das Impfen. Die Liste von Argumenten der Impfgegner und Impfskeptiker ist lang. Sie lehnen Schutzimpfungen aufgrund der möglichen Nebenwirkungen ab, bestreiten ihren Nutzen und ihre Wirksamkeit oder behaupten, dass Krankheiten zu einer normalen Kindesentwicklung gehörten und die Abwehrkräfte stärkten. Auch sagen Impfgegner, es gebe viele Ärzte, die das Impfen ablehnten, und die Pharmaindustrie wolle mit ihren Impfstoffen nur Geld machen. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Impfgegner-Argumente entkräftet und eine Liste „Impfen: pro und contra“ im Internet veröffentlicht. Eine neue Studie untersuchte jetzt, in welchen Ecken Deutschlands die meisten Impfgegner wohnen und wo die Impfquoten am höchsten sind. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im „Versorgungsatlas 2017“.

Galerie: Diese Krankheiten sind (fast) ausgerottet

Wo die meisten Impfgegner wohnen

Die meisten Impfgegner sind in Landkreisen in Süddeutschland zu Hause. Der Süden von Bayern und Baden Württemberg ist geprägt von Impfskepsis. Die Impfquoten sind in diesen Gebieten besonders niedrig. Viele Eltern lassen ihre Kinder nicht ausreichend oder gar nicht impfen. Gegen Masern und Meningokokken, welche gefährliche Hirnhautentzündungen auslösen, sind Kinder dort viel schlechter geschützt als im Rest Deutschlands. So erhalten in den bayerischen Landkreisen Garmisch-Partenkirchen, Bad Tölz und Rosenheim nur bis zu 42 Prozent der Kinder beide notwendigen Masern-Impfungen. Der Rest hat nur eine oder überhaupt keine Masern-Impfung. Die Ausnahme ist der Großraum München. Auch in den baden-württembergischen Städten Ravensburg und Freiburg liegen die Impfquoten bei der Masern-Impfung weit unter dem Bundesdurchschnitt. Ähnlich schlecht sieht es bei der Meningokokken-Impfung aus. Die meisten Kinder sind im Norden und in der Mitte Deutschlands gegen diese Infektionskrankheiten geimpft.
Landkarte: Impfquoten in Deutschland

In wohlhabenden Süden Deutschland leben die meisten Impfgegner!

Impfgegner sind oft besonders wohlhabend

Interessant ist aus der Sicht der Forscher, dass die Impfgegner in diesen Regionen besonders wohlhabend sind. Die Impfquote liegt in Bundesgebieten mit hohem Haushaltseinkommen, geringer Arbeitslosenquote und geringer gesundheitlicher Belastung deutlich niedriger. Dies passt zu den Ergebnissen einer früheren Studie. Sie hatte aufgedeckt, dass in Südbayern Eltern, aber auch Ärzte gegenüber Impfungen besonders negativ eingestellt sind. Die Auseinandersetzung mit dem Thema Impfen habe gerade in einem Milieu mit hohem Wohlstand eine besondere Bedeutung, vermuten die Forscher. Unklar ist aber, warum die Beschäftigung mit dem Impfen viele Menschen zu einem überzeugten Impfgegner mache. Das wollen die Forscher jetzt genauer analysieren, um neue Ansatzpunkte für eine Verbesserung des Impfschutzes zu erhalten.

Gesetzgeber nehmen Impfgegner in die Zange

Gerade für Masern schlug die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kürzlich Alarm, weil die Zahl der Toten in Europa stark gestiegen ist. Schon 35 Europäer überlebten in den letzten zwölf Monaten ihre Maserninfektion nicht. Unter den Todesfällen war auch eine 37-jährige Frau aus Deutschland. Nur knapp 93 Prozent der Schulanfänger haben nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums im Jahr 2015 die zweite Masernimpfung erhalten. Tatsächlich ausrotten lassen sich die Masern erst ab einer Impfquote von 95 Prozent. Unter nicht oder nicht ausreichend geimpften Personen breitet sich das äußerst ansteckende Masernvirus schnell aus.

Galerie: Sieben Tipps, um eine Ansteckung zu vermeiden

Die Bundesregierung will jetzt mehr Druck auf die Impfgegner ausüben. Nach einer kürzlich beschlossenen gesetzlichen Regelung sind Leiter von Kitas in Zukunft verpflichtet, jene Eltern beim Gesundheitsamt zu melden, die keine Impfberatung nachweisen (seit 2015 Pflicht!). Die Behörde hat dann die Möglichkeit, die Eltern zur Beratung einzuladen. Für Impfgegner ist es deshalb in Kürze schwieriger, die Schutzimpfungen zu verweigern. Frankreich hat seine Impfpflicht ebenfalls verschärft: Ab 2018 gilt für elf Krankheiten eine Impfpflicht für Kinder. Weigern sich die Eltern, droht ein empfindliches Bußgeld von bis zu 30.000 Euro. In Italien dürfen Kinder nicht zur Kita, wenn sie nicht gegen zwölf Krankheiten geimpft sind. Impfgegner haben hier also kaum eine Chance.

Bücher über Impfen

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.