Impfstoff-Aufkleber

Grippeschutzimpfung: Pflaster statt Nadel

Viele Deutsche sind Impfmuffel! Das gilt auch für die jährliche Grippeschutzimpfung. Ein schmerzloses Pflaster zum Selbstaufkleben statt der Spritze vertreibt vielleicht die Impfmüdigkeit.

Datum:
Grippeschutzimpfung mit Pflaster

Grippeschutzimpfung mittels Pflaster? Das hilft möglicherweise gegen die Impfmüdigkeit.

Eine echte Grippe ist keine Lappalie: Rund 112.000 Menschen erkrankten in der Grippesaison 2016/2017 an der Influenza – etwa 660 Personen kostete die Grippe ihr Leben. Dabei schützt eine Grippeschutzimpfung möglicherweise vor der Ansteckung mit den Grippeviren. Und damit auch vor Symptomen wie Husten, Schnupfen und Heiserkeit. Die Ständige Impfkommission (STIKO) der Robert Koch-Instituts empfiehlt die Influenza-Impfung für chronisch Kranke, Senioren ab 60 Jahren, Schwangere und medizinisches Personal, das viel mit Patienten in Kontakt kommt. Einige verzichten auf die Grippeschutzimpfung, weil sie den schmerzhaften Pieks mit der Nadel fürchten. Ihnen hilft in Zukunft vielleicht eine Impfung mit Pflaster, die schmerzlos ist und die sie sich selbst verabreichen. Forscher vom Georgia Institute of Technology und von der Emory University entwickelten das Impfpflaster gegen Grippe. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im renommierten Fachmagazin „The Lancet“.

Galerie: Sieben Tipps, um eine Ansteckung zu vermeiden

Grippeschutzimpfung: Pflaster mit Mikronadeln

Das Prinzip der neuen Grippeimpfung ist einfach: Das Influenza-Pflaster besteht aus 100 feinen Mikronadeln, die den Grippe-Impfstoff enthalten. Das Grippeschutzpflaster kleben Sie auf die Hand und belassen es dort für etwa 20 Minuten. Die winzigen Nadeln lösen sich in diesem Zeitraum auf und der Grippe-Impfstoff gelangt über die Haut in den Körper. An 100 Gesunden zwischen 18 und 49 Jahren testeten die US-Forscher, ob ihre geklebte Grippeschutz-Impfung funktioniert, wie sicher sie ist und wie gut sie akzeptiert wird. Die Daten verglichen sie mit einem herkömmlichen Grippeimpfstoff.
Die einen Probanden erhielten den trivalenten Grippeimpfstoff A/H1N1, A/H3N2 und B, die anderen ein Pflaster ohne Wirkstoff, also ein Placebo (in Deutschland ist auch ein tetravalenter Grippeimpfstoff zugelassen). Bei beiden Gruppen klebte eine medizinische Fachkraft das Pflaster auf. Eine dritte Teilnehmergruppe bekam eine Videoanleitung und brachte das Impfpflaster selbst auf der Haut an. Die vierte Gruppe erhielt den Grippeimpfstoff traditionell per Spritze in den Oberarm.

Pflaster so gut wie Spritze als Grippeschutzimpfung

Das Impfpflaster war den Forschern zufolge genauso wirksam wie die Grippespritze. Vier Wochen nach Grippeimpfung hatten alle Probanden, die den Wirkstoff erhalten hatten, Antikörper gebildet – unabhängig davon, ob sie ihn per Pflaster oder Spritze erhalten hatten. Auch sechs Monate nach Grippeimpfung hielten die Immunantwort und damit die Wirkung der Grippeschutzimpfung noch an. Das Pflaster verursachte nur leichte Nebenwirkungen. Der Patch löste leichte Hautreaktionen an der Klebestelle aus, die aber nach wenigen Tagen wieder abklangen. Schwere Grippeimpfung-Nebenwirkungen entdeckten die Forscher nicht. Auch waren die Probanden deutlich zufriedener mit dem Pflaster: Mehr als 70 Prozent gaben an, das Pflaster der Spritze oder dem Verabreichen des Grippeimpfstoffs über die Nase zu bevorzugen.

Nur wenige Deutsche lassen sich gegen Grippe impfen

grippeschutzimpfung.jpg

Deutsche Impfmuffel: Rückläufige Impfquoten beim Grippeschutz

Die Grippeschutzimpfung als Pflaster ist vielleicht eine Möglichkeit, um die Impfraten in Deutschland und anderen Ländern zu verbessern. Denn viele Bundesbürger, allen voran die Senioren, sind wahre Impfmuffel. Die Europäische Union hat in einer Resolution das Ziel definiert, dass alle Mitgliedstaaten bei Senioren eine Influenza-Impfquote von mindestens 75 Prozent erreichen. Davon ist Deutschland weit entfernt: Seit der Grippesaison 2012/13 lassen sich nur noch gut ein Drittel aller Menschen über 60 Jahren gegen Grippe impfen. Große Unterschiede bei den Impfraten gibt es zwischen den einzelnen Bundesländern. So lag die Impfquote in Baden-Württemberg bei nur rund 21 Prozent, in Sachsen-Anhalt dagegen bei mehr als 56 Prozent. Kein einziges Bundesland erreichte die EU-Vorgaben. Aber die neuen Bundesländer sind bei der Grippeschutzimpfung deutlich impfwilliger als die alten Bundesländer.

Medikamenten bei Grippe

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.