Futuristische Therapie

ColdPlasmatech: Wundheilung mit Plasma-Pflaster

Ein neues Plasma-Pflaster heilt chronische Wunden à la Star Trek. Die Wundbehandlung durch kaltes Plasma sei schmerzfrei und zeige schnelle Erfolge, sagt der Hersteller ColdPlasmatech.

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Kaltes Plasma zur Wundheilung

Ein blau leuchtendes Plasma-Pflaster tötet Bakterien und fördert die Wundheilung.

Chronische Wunden heilen mit kaltem Plasma – so lautet das futuristische Versprechen des Unternehmens ColdPlasmatech. Chronische Wunden, die nur schwer oder gar nicht heilen, sind ein großes Problem für Ärzte. Denn sie sind eine willkommene Eintrittspforte für Bakterien, Viren und andere Keime aller Art. Eine gestörte Wundheilung ist vor allem bei Diabetikern oder älteren Menschen zu finden, bei denen die Durchblutung gestört ist. Auch bei offenen Beinen oder Druckgeschwüren, die durch Wundliegen entstanden sind, ist die Wundbehandlung oft schwierig. Das Greifswalder Unternehmen ColdPlasmatech, eine Ausgründung der Greifswald-Uni, entwickelte nun ein Hightech-Pflaster aus Silikon, das die Wunde durch kaltes Plasma schneller schließt. Angst vor Verbrennungen brauchen Patienten mit schlecht heilenden Wunden laut Hersteller nicht zu haben.

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So funktioniert die Wundheilung mit Plasma

Plasma ist ein vierter Aggregatzustand – neben fest, flüssig und gasförmig. Vereinfacht gesagt, entspricht Plasma einem Gas, dem man sehr viel Energie zugeführt hat. In der Natur kommt Plasma in Gewitterblitzen oder Polarlichtern vor. Auch die Sonne und viele Sterne bestehen aus glühend heißem Plasma.
Die Wirkkomponenten des Energie-Cocktails sind reaktionsfreudige Sauerstoff- und Stickstoffverbindungen, UV-Strahlung und elektrische Felder. Die Bestandteile des kalten Plasmas wirken direkt auf die Wunde ein. Sie
  • verbessern die Durchblutung im Wundgebiet
  • lassen neue Blutgefäße sprießen
  • stabilisieren die Körperzellen
  • kurbeln die Regeneration geschädigten Gewebes an
  • töten Bakterien und Pilze ab
Kaltes Plasma kann also die Wundheilung beschleunigen und verbessern. Im Gegensatz zu Antibiotika, gegen die einige Bakterien Resistenzen entwickeln und diese Medikamente damit wirkungslos machen, wurden bei der Wundbehandlung mit Plasma noch keine Resistenzen beobachtet. Das Plasma zerstört selbst Bakterien, gegen die Antibiotika machtlos sind, zum Beispiel den gefürchteten MRSA-Keim.

ColdPlasmatech erzeugt Plasma direkt am Silikon-Pflaster

Carsten Mahrenholz mit Plasma-Pflaster

Dr. Carsten Mahrenholz mit dem Hightech-Plasma-Pflaster (c) ColdPlasmatech

Das Plasma-Pflaster (Plasma-Patch) besteht aus mehreren Silikonschichten. Mithilfe eines speziell entwickelten Geräts, dem Plasma-Cube, erzeugen Ärzte das Plasma direkt vor Ort an der Unterseite der Wundauflage. Auf dem Silikonpflaster ist das Plasma dann als bläuliches Schimmern sichtbar. Auf diese Weise gelangt das Plasma sicher und unkompliziert an die Wunde und setzt dort die Heilungsprozesse in Gang. Das Silikon-Pflaster passt sich der Körperoberfläche an und entfaltet so über ein größeres Hautareal eine heilungsfördernde Wirkung. Die Wundbehandlung sei schmerzfrei und gut verträglich für Patienten, so ColdPlasmatech. Das hätten zahlreiche klinische Tests gezeigt. Erste Therapieerfolge seien oft schon nach wenigen Tagen erkennbar.
Das Plasma-Pflaster ist derzeit nur für die Anwendung durch Ärzte und Kliniken, aber auch Seniorenheime, Pflegestationen oder medizinische Fußpfleger gedacht. Alle Fachleute haben mit Patienten zu tun, die unter chronischen Wunden leiden. Eine Selbstbehandlung durch Patienten ist – auch wenn das Prinzip sehr einfach ist – schwierig. Denn ein übergewichtiger Diabetiker kommt zum Beispiel nur schwer an seinen Fuß heran, um das Plasma auf die Wunde aufzubringen.

Millionen Menschen haben chronische Wunden

Allein in Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an chronischen Wunden. Die Tendenz ist steigend, weil die Menschen immer älter werden. Die herkömmliche Wundbehandlung mit Antiseptika, Salben und Verbänden sind teuer, langwierig und bringen oft keinen durchschlagenden Erfolg. Am häufigsten treten das „offene Bein“ (Ulcus cruris), Wunden nach Verletzungen, Druckgeschwüre (Dekubitus) und der diabetische Fuß auf. Die Behandlung offener Wunden kann mehrere Monate und sogar Jahre dauern. Patienten suchen häufig einen Arzt auf oder lassen eine Pflegekraft kommen, um die offene Wunde zu versorgen. Oft leiden sie unter starken Schmerzen, allen voran beim Verbandwechsel. Außerdem schmerzt oft jede Bewegung, und offene Wunden verströmen einen unangenehmen Geruch. Der Alltag und die Lebensqualität leiden darunter oft massiv.

Mittel zur Wundheilung

Ingrid Müller

von

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