Leben mit den Ohrgeräuschen

Tinnitus: Ursachen, Vorbeugung, Behandlung

Mehr als 25 Prozent der Weltbevölkerung leidet an störenden Ohrgeräuschen, einem sogeannnten Tinnitus. Was sind die Ursachen und welche Behandlungsmethoden gibt es?

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Tinnitus

Bei einem Tinnitus werden die Patienten permanent von einem bestimmten Geräusch geplagt.

Der Begriff „Tinnitus“, auch unter dem Namen „Phantomgeräusch“ bekannt kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Klingeln im Ohr“. Doch die störenden Ohrgeräusche treten in vielerlei Variationen auf und werden von den Patienten unterschiedlich aufgenommen. Die von innen kommenden Höreindrücke können sich in einem Rauschen, Piepen, Zischen oder Brummen äußern. Gemein ist ihnen allerdings, dass sie nicht auf eine akute Geräuschquelle zurückzuführen sind. Bei etwa jedem hundertsten Patienten entwickelt sich ein akutes Hörgeräusch zu einer chronischen Krankheit, deren Symptome zwar behandelt, aber nicht dauerhaft behoben werden können. Hier erfährst du, was zu einem Tinnitus führen kann, welche Arten es gibt und wie sich ein chronisches Störgeräusch behandeln lässt.
Innenohr

Ein Blick ins Ohr: Die von außen kommenden Schallwellen passieren den Gehörgang und gelangen über ihn ins Mittel- und Innenohr. Der dort liegende Hörnerv gibt die Signale an die Hörbahnen weiter, die im Gehirn liegen.

Die unterschiedlichen Arten eines Tinnitus

Tinnitus ist nicht gleich Tinnitus. Und nicht jedes Störgeräusch im Ohr bleibt automatisch für immer. Stattdessen unterscheidet der Mediziner folgende Krankheitsbilder:
  • Akuter Tinnitus: Akute Störgeräusche im Ohr lassen sich zumeist auf ein bestimmtes Ereignis zurückführen, das nicht länger als drei Monate zurück liegt. Dazu zählen Krankheiten wie ein Hörsturz, Unfälle oder das Ausgesetztsein einer übermäßig lauten Geräuschquelle. Je schneller ein Patient sein Leiden einem Ohrenarzt schildert, umso größer ist die Chance auf eine schnelle Heilung. Halten Ohrgeräusche länger als drei Tage an, solltest du einen Arzt aufsuchen.
  • Chronischer Tinnitus: Lassen die Ohrgeräusche auch nach drei Monaten nicht nach, spricht man bereits von einem chronischen Tinnitus. Noch ist die Behandlung möglich – oftmals dauert ein Tinnitus als Symptom einer Erkrankung oder eines Unfalls bis zu einem Jahr an und lässt sich bis zuletzt von den Patienten kompensieren. Empfindliche Erkrankte können allerdings stark darunter leiden. Oftmals geht ein Tinnitus auch mit anderen körperlichen und psychischen Beschwerden wie Schlaflosigkeit oder Depressionen einher.
  • Kompensierter Tinnitus (Grad eins und zwei): Unter einem kompensierten Tinnitus versteht man Ohrgeräusche, die den Erkrankten nur gelegentlich oder wenig stören. Häufig entwickeln die Patienten gute Möglichkeiten, um das Störgeräusch zu kompensieren.
  • Dekompensierter Tinnitus (Grad drei und vier): Ist Letzteres nicht mehr möglich, spricht man von einem dekompensierten Tinnitus, der den Betroffenen sehr stark einschränkt.
Lärm

Wichtig: Wenn du dich lautstarken Lärmquellen aussetzt, ist die Verwendung eines Gehörschutzes unumgänglich.

Auch wenn viele mit einem Tinnitus einen dauerhaften Schaden in Verbindung bringen, klingen viele Symptome dieser Art noch Jahre nach ihrem Auftreten wieder ab. Rund zwanzig bis dreißig Prozent der Betroffenen berichten jährlich über eine solch späte Genesung.

So entsteht ein Tinnitus

Wenn du etwas hörst, gelangen die Schallwellen von außen durch dein Ohr. Dabei passieren sie den Gehörgang, das Trommelfell und das Mittelohr, bis sie schließlich im Innenohr angelangt sind und dort von den Hörsinneszellen zum Hörzentrum im Gehirn weitergeleitet werden. Bei diesem Vorgang filtert das Gehirn auch wichtige von unwichtigen Informationen. Kommt es allerdings zu Störungen im Hörsystem, etwa durch eine Krankheit, einen Unfall oder eine Überreizung des Hörsystems, gerät dieser Prozess durcheinander. Es kommt dazu, dass das Gehirn Höreindrücke fehlerhaft weitergibt oder sich Prozesse sogar verselbstständigen. Das Ergebnis: Geräusche setzen sich im Gehirn fest. Gleichzeitig versucht das Gehirn selbst, diesen Missstand auszugleichen, sodass eine Überaktivität im Hörsystem entsteht, wodurch fehlerhafte Geräuschinformationen weitergegeben werden. Die Ursache des Tinnitus ist in den meisten Fällen also eine Störung des Innenohrs. In seltenen Fällen kann allerdings auch das zentrale Hörsystem selbst geschädigt sein. Das Ergebnis sind mannigfaltig auftretende Ohrgeräusche in Form von Rauschen, Pfeifen oder Zischen.

Vorbeugung eines Tinnitus und Therapie

Aufgrund der vielen verschiedenen Ursachen von Ohrgeräuschen ist es schwierig, diesen vorzubeugen. Experten empfehlen indes gerade lärmempfindlichen Menschen Folgendes:
  • Vermeide Stress: Auch Stress kann ein Auslöser für einen Tinnitus sein. Da der Körper bei Stress das Hormon Cortisol ausschüttet, kann es zu Durchblutungsstörungen kommen, die auch das Innenohr betreffen. Das begünstigt die Entstehung von Ohrgeräuschen.
  • Verzichte auf Wattestäbchen: Viele nutzen Wattestäbchen, um die Ohren zu reinigen, schieben den Ohrenschmalz dabei allerdings vorwiegend immer weiter ins Ohr hinein. Auf Dauer entsteht so ein Pfropfen, der auch zu einem Tinnitus führen kann.
  • Ärztliche Beobachtung: Bestimmte Krankheiten begünstigen die Erkrankung an einem Tinnitus. Bei Bluthochdruck oder Diabetes gehören Ohrgeräusche zu den Symptomen, sodass der betreuende Arzt bei entsprechenden Beobachtungen sofort informiert werden sollte.
App

Mittlerweile gibt es sogar von Medizinern entwickelte Apps, mit denen sich ein dauerhaftes Störgeräusch im Ohr ausgleichen und sich je nach Schweregrad des Tinnitus individuell anpassen lässt.

Auch wenn sich ein Tinnitus nicht direkt behandeln lässt, gibt es unterschiedliche Ansätze, den Stress durch die Ohrgeräusche auf ein Minimum zu reduzieren. Ärzte setzen hierbei auf die individuell auf den Patienten zugeschnittene Kombination verschiedener Behandlungsformen, um das Störgeräusch zu verdrängen. Hierzu tragen vor allem Hörgeräte oder sogar Apps bei, die in der Lage sind, die Wahrnehmung des Tinnitus umzulenken, sodass das Geräusch nur noch im Hintergrund und somit leiser wahrgenommen wird. Diese werden in der Regel von der Krankenkasse übernommen. Auch Entspannungstechniken und eine psychotherapeutische Beratung helfen, mit einem Tinnitus umzugehen. Für Patienten, die unter einer besonders schweren Form des Tinnitus zu leiden haben (Grad drei und vier) gibt es sogar Tinnitus-Kliniken, die sich umfangreich mit den psychischen und physischen Ursachen für die Ohrgeräusche auseinandersetzen. Solltest du die Befürchtung haben, unter einem Tinnitus zu leiden, setze dich mit einem Arzt in Verbindung.

Bücher zum Thema Tinnitus

Antje Wessels

von

Schreiben ist seit jeher meine große Leidenschaft. Es ermöglicht mir, mein Wissen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen mit dem Leser zu teilen und ihm so regelmäßig neue, faszinierende Erkenntnisse mit auf den Weg zu geben.