Darmgesundheit

Probiotics: So gut, wie es die Werbung verspricht?

Probiotische Lebensmittel und Probiotics aus der Apotheke sind ein Milliardengeschäft. Doch beugen die lebenden Mikroorganismen tatsächlich Krankheiten vor oder haben eine heilende Wirkung?

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Probiotics

Probiotics im Joghurt – die lebenden Mikroorganismen unterstützen angeblich die Darmgesundheit.

In den letzten Jahren ist der Darm immer stärker ins Zentrum der medizinischen Forschung gerückt. Unser ältestes Organ ist ein Schwerstarbeiter. In einem Menschenleben verwertet der muskulöse Schlauch etwa 30 Tonnen Speisen und 50.000 Liter Flüssigkeit. Dabei gelangen mit unserer Nahrung auch Gifte und Keime in den Verdauungstrakt. Zwar tötet die Salzsäure im Magensaft die meisten Krankheitserreger ab. Die durchkommen, stoßen spätestens im Dickdarm auf 100 Billionen von Bakterien, die dort ein natürliches Ökosystem bilden, die sogenannte Darmflora. So lange hier ausreichend nützliche Mikroorganismen wachsen, verdrängen sie krankmachende Eindringlinge. Daher ist eine gesunde Darmflora entscheidend wichtig für ein starkes Immunsystem. Ist dieses Ökosystem allerdings geschwächt, vermehren sich möglicherweise auch Schädlinge.

Probiotics aus der Apotheke

Probiotics oder Probiotika sind lebende Mikroorganismen, die sich angeblich positiv auf die Darmgesundheit auswirken. Es gibt beispielsweise die Stämme Lactobacillus bulgaricus oder Lactobacillus casei. Sie kommen ganz natürlich in milchsauren Produkten vor, beispielsweise in Joghurt, Kefir oder Buttermilch. Auch in Lebensmitteln, die durch Fermentierung hergestellt werden, wie Sauerkraut, eingelegtem Gemüse wie Kimchi, Brottrunk oder Miso stecken sie. Außerdem gibt es Probiotika in Kapsel- und Tropfenform aus der Apotheke, in denen sich diese freundlichen Bakterien befinden. Sie enthalten mehrere Millionen bis Milliarden lebensfähige Bakterien in Pulverform, meistens Bifidobakterien und Laktobakterien, und erzielen Milliardenumsätze.

Stärkung der Darmflora

Allerdings ist die Voraussetzung für eine gesundheitsfördernde Wirkung der Probiotics, dass die verwendeten Bakterien überhaupt an ihrem Bestimmungsort ankommen. Das heißt, sie müssen die Passage durch Magen und Dünndarm überstehen und sich gegen die im Dickdarm dominierenden Bakterien durchsetzen. Mittlerweile herrscht unter Darmexperten die Meinung vor, dass Probiotics einen positiven gesundheitlichen Effekt haben und möglicherweise die Darmflora unterstützen, aber keine Allheilmittel sind, wie das die Werbung zeitweise propagierte. So ist Herstellern probiotischer Lebensmittel und Kapseln mittlerweile untersagt worden zu behaupten, dass ihre Produkte das Immunsystem stärken, da es dafür keinen wissenschaftlichen Beweis gibt.

Darmaufbau nach Gabe von Antibiotika

Gewisse positive Effekte auf die Darmflora sind aber belegt. Dazu gehören:
  • Nach einer Antibiotika-Therapie unterstützen bestimmte probiotische Stämme den Organismus dabei, die Darmflora wiederaufzubauen.
  • Menschen, die an chronischer Verstopfung oder der chronischen Darmentzündung Colitis ulcerosa leiden, profitieren unter Umständen von einer Probiotika-Therapie.
  • Die Gabe bestimmter probiotischer Bakterienstämme hilft manchmal, die Dauer infektiöser Durchfallerkrankungen zu verkürzen.
  • Einige Experten empfehlen Patienten mit Reizdarmsyndrom Probiotics einzunehmen. Ein spezieller Bakterienstamm wirkt möglicherweise, wenn Schmerzen das Hauptsymptom darstellen, ein anderer, wenn jemand zu Blähungen oder zu Verstopfung neigt.
Grundsätzlich gilt, dass Probiotika in Nahrungsmitteln oder Pillen keine Allheilmittel sind, die gleichermaßen der Verdauung und dem Immunsystem helfen. Wichtig ist, für jedes Symptom oder jede Krankheit den richtigen Bakterienstamm zu ermitteln und einzusetzen.

Probiotika

Katrin Hoerner

von

Wissen hilft, gesund zu bleiben.