Forscher im Selbstversuch

Magenulkus – die wahre Ursache eines Magengeschwürs

Das Magengeschwür - auch Magenulkus genannt – galt lange als Folge von zu viel Stress, kombiniert mit schlechter Ernährung. Alkohol und Zigaretten. Dann gelang zwei Forschern der Nachweis des wahren Verursachers.

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Magenulkus – Ursache des Magengeschwürs

Magenulkus – so der wissenschaftliche Name für Magengeschwür – entsteht meistens durch Bakterien.

Manchmal bringt auch in der Wissenschaft der Zufall den Durchbruch. Dieses Glück erlebten die australischen Forscher Barry Marshall und Robin Warren. Sie hatten das Bakterium Helicobacter pylori (HP) in Verdacht, der wahre Auslöser der Magenschleimhautentzündung und des Magengeschwürs zu sein. Bis dahin glaubten Forscher, dass Stress und ungesundes Essen für den Magenulkus verantwortlich wären. Doch konnten Marshall und Warren ihre These nicht beweisen, weil sie es nicht schafften, den Magenkeim zu züchten. Schließlich kam ihnen die Schlamperei eines Laboranten zu Hilfe: Er ließ einige Kulturen in der Ferienzeit länger liegen und der Helicobacter vermehrte sich. Marshall schluckte den Keim und erkrankte nach wenigen Tagen an einer Magenschleimhautentzündung (Gastritis). 20 Jahre nach dem Selbstversuch erhielten die Forscher im Jahr 2005 für ihre Forschung den Nobelpreis.

Magenulkus: Das Geschwür folgt der Entzündung

Das Magengeschwür oder auch der Magenulkus zählt zu den häufigsten Magen-Darm-Leiden. Es entsteht meist in Folge einer bakteriellen Magenschleimhautentzündung, in 75 Prozent der Fälle ausgelöst durch den Helicobacter pylori. Die restlichen 25 Prozent gehen auf Medikamente wie die schmerzstillenden, nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) zurück, auf Gallensäurereflux oder auf andere Erkrankungen.
Ist die Schleimhautschicht der Magenwand entzündet, liegt eine Gastritis vor. Von einem Geschwür (Ulkus) spricht man im fortgeschrittenen Stadium, wenn die Entzündung auch darunterliegende Bereiche angegriffen hat – also das Bindegewebe oder die Muskelschicht des Magens. Bei fünf Prozent der Betroffenen dringt sie so tief, dass sie ein Loch in die Magenwand frisst.

Die Symptome: Stechender bohrender Schmerz

Etwa 30 Prozent der Patienten spüren keine Beschwerden und realisieren gar nicht, dass sie ein Geschwür haben. Die meisten Betroffenen spüren jedoch einen dumpfen, bohrenden Schmerz im Oberbauch, der manchmal in den Rücken ausstrahlt.
Typische Symptome im Anfangsstadium der Erkrankung können außerdem sein:
  • Druck- und Völlegefühl
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Appetitlosigkeit und Abneigung gegen bestimmte Nahrungsmittel
  • Blähungen und Stuhlunregelmäßigkeiten
  • Saures Aufstoßen, Sodbrennen
  • Vegetative Störungen wie Kreislaufprobleme oder Herzstechen
Im Gegensatz zu Gastritis, die den ganzen Magen quält, treten die Beschwerden durch ein Geschwür punktuell auf. Der Patient kann also genau die schmerzende Stelle zeigen. Diese stimmt aber nicht zwangsläufig mit dem tatsächlichen Ort des Geschwürs überein. Die Beschwerden kommen unabhängig davon, ob die Patienten gegessen haben oder nüchtern sind. Allerdings vertragen sie stark gewürzte Speisen, Süßigkeiten, Alkohol und Kaffee schlecht. Oft verstärken sich die Probleme während der Nacht.

Diagnose: Eine Magenspiegelung schafft Klarheit

Leidet ein Patient an den genannten Symptomen, empfiehlt es sich, einen Arzt aufzusuchen, am besten einen Internisten oder Gastroenterologen. Hat der Arzt nach der Schilderung des Patienten den Verdacht, es handle sich um eine Gastritis oder ein Magengeschwür, wird er zu einer Magenspiegelung (Gastroskopie) raten. Damit lässt sich ein Geschwür nachweisen und dessen Ausmaß sichtbar machen. Gleichzeitig entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe (Biopsie) der Magenschleimhaut. So stellt er fest, ob das Bakterium Helicobacter pylori der Verursacher ist. Auch zeigt die Gewebeprobe, ob die Magenschleimhaut gutartig verändert ist oder Magenkrebs (Magenkarzinom) vorliegt.
Ein Magengeschwür gehört immer in ärztliche Behandlung, sonst frisst es sich tiefer in die Magenschichten – schlimmstenfalls droht ein lebensgefährlicher Magendurchbruch.

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Therapie: Mit Antibiotika den Helicobacter ausmerzen

Die Behandlung des Magengeschwürs hängt von seiner Ursache ab. Gegen den Helicobacter setzen Ärzte Antibiotika ein, mit dem Ziel, das Bakterium restlos zu beseitigen.
Zudem gibt es verschiedene Medikamente, die die Produktion der Magensäure drosseln, dazu gehören die Protonenpumpenhemmer und H2-Antihistaminika.
Von Schmerzmitteln lassen Ulcus-Patienten besser die Finger, sie verschlimmern möglicherweise ein bestehendes Geschwür. Besser sind Hausmittel wie Kamillen-, Fenchel- oder Anistee, die Schmerzen lindern.

Vorbeugung: Kleine Mahlzeiten, kein Kaffee, kein Alkohol

Eine gesunde Lebens- und Ernährungsweise hilft, einer Gastritis oder einem Magengeschwür vorzubeugen. 10 Tipps:
  1. Lieber fünf bis sechs kleine als eine große Mahlzeit.
  2. Langsam essen, ordentlich kauen und genügend trinken.
  3. Zurückhaltung mit Frittiertem, aus dem Fett gebackenen, schwer verdaulichen und blähenden Speisen.
  4. Auf frisches, schonend gegartes Gemüse setzen.
  5. Höchstens zweimal pro Woche mageres und schonend zubereitetes Fleisch essen.
  6. Zwei bis drei Portionen Seefisch pro Woche.
  7. Milchprodukte sind gut bekömmlich, sie allerdings nicht zu kalt genießen.
  8. Auf Kaffee, Alkohol und Zigaretten besser verzichten.
  9. Stress vermeiden und für genügend Ruhepausen sorgen.
  10. Regelmäßig Sport treiben. Er baut ebenfalls Stress ab und bringt die Verdauung in Schwung.

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Katrin Hoerner

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