Saubere Seen?

Deutschland schwimmt: Keime in Badeseen

Badeseen bieten eine willkommene Abkühlung bei tropischen Temperaturen, bergen aber auch Gesundheitsrisiken. Welche Gefahren lauern im Badegewässer, wenn Deutschland schwimmt?

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Deutschland schwimmt

Badeseen sind gut getestet in Deutschland. Schwimmt man in anderen Gewässern, ist Vorsicht angesagt.

Im Badesee ist kein Mensch alleine: Wenn Deutschland schwimmt, planschen immer Viren, Bakterien, Würmer, Pilze und andere Erreger mit. Sie tummeln sich vor allem in Ufernähe und im Oberflächenwasser. Im schlimmsten Fall machen die Keime krank und trüben den Badespaß. Grundsätzlich ist die Wasserqualität in deutschen Gewässer gut. Das Umweltbundesamt überwacht hierzulande knapp 2.300 Badegewässer. Darunter ist aber bei Weitem nicht jeder kleinere Fluss oder See, in den Menschen im Urlaub bei heißen Temperaturen zur Abkühlung hüpfen. Rund 98 Prozent der überwchten Badegewässer entsprachen im Jahr 2016 den Qualitätsanforderungen der EG-Badegewässerrichtlinie. Bei den anderen Gewässern fanden die Tester eine schlechte Qualität und sie wurden ganz oder zeitweise fürs Planschen gesperrt. Wie klar das Wasser ist, sagt übrigens nichts darüber aus, wie viele Keime tatsächlich darin herumschwimmen. Auf welche Erreger treffen die Bundesbürger, wenn Deutschland schwimmt? Ein Überblick!

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Saugwürmer (Zerkarien) verursachen Hautausschlag

Zerkarien gehören zu den Begegnungen der unangenehmen Art, wenn Deutschland schwimmt. Die Larven von Saugwürmern durchbohren die menschliche Haut und sterben dann innerhalb kurzer Zeit ab. Normalerweise sind Zerkarien auf Wasservögel wie Enten und Gänse spezialisiert. Dass sie Menschen befallen, ist eigentlich ein Irrtum der Larven. Wer auf Zerkarien im Badesee trifft, entwickelt anschließend einen roten, heftig juckenden Hautausschlag mit Schwellungen (Quaddeln), die sogenannte Badedermatitis (Dermatitis = Hautentzündung). Wenn Sie die juckende Hautstelle aufkratzen, riskieren Sie Entzündungen, weil Bakterien über die verletzte Haut eindringen. Es gibt keine besondere Zerkarien-Behandlung. Juckreiz, Hautrötungen, Schwellungen und Entzündungen lassen sich mit Salben und Lotionen lindern. Das Hautjucken lässt nach etwa fünf Tagen nach, spätestens nach 20 Tagen ist die Hautentzündung wieder abgeheilt.

Deutschland schwimmt oft mit Blaualgen (Cyanobakterien)

Blaualgen vermehren sich im Sommer bei heißen Temperaturen rasant. Immer wieder kommt es zu regelrechten Algenblüten. Vor allem im Oberflächenwasser sind die Cyanobakterien zu finden. Es gibt unterschiedliche Arten von Blaualgen, die verschiedene Giftstoffe produzieren. Sie verursachen Haut- und Schleimhautreizungen, Bindehautentzündung, Ohrenschmerzen, Durchfall, Fieber, Atemwegserkrankungen und allergische Reaktionen. Manche Substanzen greifen auch die Leber an. Eine ernsthafte Gesundheitsgefahr besteht, wenn Sie größere Mengen verunreinigten Wassers schlucken. Das gilt vor allem für kleine Kinder.

Amöben befallen die Augen

Amöben sind einzellige Organismen, welche den Augen zusetzen. Wenn ganz Deutschland schwimmt, sind vor allem Kontaktlinsenträger in Gefahr. Sogenannte Akanthamöben setzen sich hinter den Kontaktlinsen fest und greifen die Hornhaut an: Eine langwierige und schwer behandelbar Amöbenkeratitis entsteht. Dann ist Ihr Augenlicht in Gefahr. Einer Amöbeninfektion beugen Sie vor, indem Sie auf die Linsen beim Schwimmen verzichten oder die transparenten Schalen nach dem Bad gut reinigen.

Kryptosporidien sorgen für Durchfall

Kryptosporidien sind kleine Sporentierchen, die äußerst widerstandsfähig sind und lange im See oder Uferschlamm überdauern. Sie verursachen Fieber, Schwindel, Bauchkrämpfe und Durchfall. Der medizinische Fachbegriff heißt Kryptosporidiose.

Bakterien und Hefepilze attackieren den Intimbereich

Viele Frauen kennen das unangenehme Jucken und Brennen im Intimbereich sowie verstärkten Ausfluss nach dem vergnüglichen Bad im See. Die bakterielle Vaginose und Scheidenpilzinfektionen sind keine Seltenheit. Die Verursacher sind Bakterien oder der Hefepilz Candida albicans. Solche Infektionen lassen Frauen besser behandeln, denn manchmal lösen sie Harnwegs- oder Eileiterentzündungen aus, wenn die Erreger aufsteigen.

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Durchfall durch Darmbakterien

Auch einige Darmbakterien trüben manchmal den Badespaß. Ein Beispiel ist Escherichia coli, der ein normaler Mitbewohner des Darmtraktes von Mensch und Tier ist. E. coli ist ein häufiger Verursacher von Darminfektionen mit oft heftigen Durchfällen. Die Darmbakterien gelangen in den See, wenn der Regen Gülle und Dreck von nahegelegenen Feldern in Seen und Flüsse spült. Meist ist die Keimbelastung der überwachten Badeseen gering. Sie liegt aber höher als in Schwimmbädern, bei denen Reinigungspersonal regelmäßig putzt.
Deutschland schwimmt! Eine Übersicht über die Wasserqualität der Badeseen in Ihrer Region bietet die Webseite des Umweltbundesamtes.

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Ingrid Müller

von

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