Stumme Gefahr im Bauch

Bauchaortenaneurysma: Männer ab zum Ultraschall

Das Bauchaortenaneurysma ist eine stumme Gefahr, die vor allem in Männerbäuchen lauert. Reißt das Aneurysma, wird es lebensgefährlich. Ein Ultraschall-Screening für Männer ab 65 Jahren soll das jetzt ändern.

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Bauchaortenaneurysma

Ab 65 Jahren ist das Risiko eines Bauchaortenaneurysmas erhöht.

Manche Männer tragen eine tickende Zeitbombe im Bauch: ein Bauchaortenaneurysma, das im schlimmsten Fall schon beim Husten oder Niesen platzt. Reißt das Gefäß, entstehen lebensgefährliche innere Blutungen, die immer ein Fall für den Notarzt sind! Der Riss der Bauchaorta zählt zu den zehn häufigsten Todesursachen. Das Tückische ist, dass das Bauchaorten-aneurysma meist keine Symptome verursacht und oft lange unbemerkt bleibt. Vor allem bei älteren Männern ist die Bauchaorta manchmal erweitert. Um ein Bauchaortenaneurysma rechtzeitig aufzudecken, bieten die gesetzlichen Krankenkassen jetzt Männern ab 65 Jahren ein Ultraschall-Screening der Bauchschlagader an. Einmal im Jahr hat das starke Geschlecht, das ja eher als eine Ansammlung von Gesundheitsmuffeln gilt, Anspruch auf die Ultraschalluntersuchung. Der Ratschlag der Ärzte: Hingehen!

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Bauchaortenaneurysma: Gefäßdurchmesser per Ultraschall bestimmen

Statistiker haben folgende Zahlen ausgerechnet: Wenn 1000 Männer im Rahmen des Ultraschall-Screenings ihre Bauchschlagader untersuchen lassen, haben 980 kein Bauchaortenaneurysma, 18 eine kleinere oder mittlere Ausbuchtung der Bauchaorta und zwei Männer besitzen ein großes Aneurysma. Bei der Ultraschalluntersuchung bestimmen Ärzte den Durchmesser der Bauchschlagader. Ab drei Zentimetern liegt ein Aneurysma vor. Beträgt er mehr als 5,5 Zentimeter, ist die Gefahr sehr hoch, dass die Bauchaorta reißt. Ärzte raten in diesem Fall, das Bauchaortenaneurysma operieren zu lassen. Kleinere Gefäßaussackungen zwischen 3 und 5,4 cm beobachten und kontrollieren Mediziner regelmäßig per Ultraschall. So erkennen sie frühzeitig, wenn sich das Gefäß noch stärker erweitert – dann kommt ebenfalls eine Operation in Frage.
Eine vorbeugende Operation bei einem Aneurysma (Bauch, aber auch Brustraum oder Gehirn) will gut überlegt sein, denn sie birgt auch Risiken. So sind zum Beispiel Lungenprobleme oder Herzschäden mögliche Folgen der Aneurysma-Operation. Auch das Alter und bestehende Erkrankungen, etwa Herz-Kreislauf-Krankheiten, haben einen Einfluss darauf, wie gefährlich die Bauchaortenaneurysma-Operation ist. Zu beantworten ist immer die Frage, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Aortenrisses im Bauch ist. Nutzen und Risiken wägen Arzt und Patient immer gemeinsam gut gegeneinander ab. Im Rahmen der Aortenaneurysma-Op pflanzen Ärzte eine Kunststoffprothese an die geschwächte Gefäßstelle ein, um sie zu stabilisieren. Alternativ verhindert ein kleines Röhrchen, die Stent-Prothese, dass das Bauchaortenaneurysma platzt.

Ultraschall-Screening auf Bauchaortenaneurysma bringt Vor- und Nachteile

Das Ultraschall-Screening der Bauchaorta rettet das Leben einiger Männer. Studien haben nachgewiesen, dass das Aneurysma bei sieben von 1000 Männer ab 65 Jahren ohne Früherkennungsmaßnahmen reißt - sechs davon sterben an den Folgen. Mit dem Ultraschall der Bauchaorta zur Früherkennung reißt das Aneurysma bei vier Männern und drei überleben dies nicht. Anderes ausgedrückt bedeutet dies: Das Ultraschall-Screening bewahrt drei Männer vor einem Riss der Bauchaorta und drei Männer vor dem Tod.
Der Nachteil für die untersuchten Männer besteht darin, dass etwa die Hälfte der entdeckten Bauchaortenaneurysmen sich nicht vergrößert und harmlos bleibt. Vor allem ein kleines Bauchaortenaneurysma wäre ohne Ultraschall-Screening nie aufgefallen. Schätzungsweise 20 von 1000 Männer erfahren durch das Screening also von ihrem Aneurysma im Bauch. Etwa zehn Männern hätte das Aneurysma aber niemals Probleme bereitet. Das Wissen um die potenzielle Gefahr im Bauch tut nicht allen Männern gut. Viele haben ab dem Zeitpunkt der Diagnose das Gefühl, dass ihr Leben in Gefahr ist. Sie haben Angst und sind zutiefst verunsichert, was wiederum die Lebensqualität leiden lässt. Andere wiederum sind froh, dass Ärzte die stille Gefahr aufgespürt haben und nehmen zur Sicherheit jede Kontrolluntersuchung wahr. Männer müssen also vorher gut überlegen, was die Diagnose Bauchaortenaneurysma für sie bedeutet und wie sie im Alltag mit ihrem Wissen umgehen.

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Männer-Ultraschall bei Bauchaortenaneurysma erst in einigen Monaten

Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin fordert, auch Frauen in das Screening einzubeziehen. Das Gleiche gilt für Patienten, die ein besonderes Risiko für das Bauchaortenaneurysma haben, etwa starke Raucher oder Menschen mit Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen wie erhöhten Cholesterinwerten. Zu beachten ist, dass das Screening der Bauchaorta auf Krankenschein für Männer erst in etwa sechs Monaten möglich ist. Es gilt nämlich noch die Frage der ärztlichen Vergütung zu regeln. Dann haben Männer die Chance, die Lebensgefahr durch ein Bauchartenaneurysma zu bannen.
Tipp! Laienverständliche Informationen zum Ultraschall-Screening bei Bauchaortenaneurysma hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) als PDF zusammengestellt.

Bücher zu Männergesundheit

Ingrid Müller

von

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