Smartes Fieberthermometer

Nokia Thermo im Praxis-Test

Wer 100 Euro für ein Fieberthermometer ausgibt, erwartet schon ein paar mehr Funktionen als nur genaues Temperaturrmessen. Was das Nokia Thermo kann – und was nicht? Wir haben es im Praxis-Test herausgefunden.

Datum:
Nokia Thermo Test

Das Nokia Thermo wirkt für ein Fieberthermometer fast schon futuristisch.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Das Nokia Thermo ist ein stylisches Schläfenthermometer, d.h. es misst die Körperthemperatur – sonst nichts. Es tut, was es soll und synchronisiert problemlos mit der dazugehörigen App. Die ist kostenlos und bietet einige Mehrwerte, die den Preis von 100 Euro ein wenig verschmerzen lassen. Umfassende Krankheitsprotokolle, gerade für Kinder, lassen sich so schnell umsetzen. Für Familien empfehlenswert. Singles und Minimalisten können auch zu einem günstigeren Infrarot-Fieberthermometer greifen.

Pro

  • Leichte und hygienische Bedienung
  • Farbcodiertes Feedback auf dem Gerät
  • Personalisiertes Feedback in der App
  • Gute Verarbeitung und schickes Design

Kontra

  • Gummiverschluss zieht Fussel
  • Thermo und Thermia ziehen nicht immer gleiche Schlüsse
  • Batteriefach lässt sich schwer öffnen
  • Keine Batterieladeanzeige
  • Schwerfälliges Wischen auf der LED-Anzeige

Nokia Thermo

Was muss ein Fieberthermometer alles können? Messen, natürlich. Doch das ist längst nicht alles, was das Thermo von Nokia kann. Das smarte Fieberthermometer synchronisiert sich automatisch mit einer Gesundheitsmanager-App und bietet damit zahlreiche Trackingfunktionen für bis zu acht Personen. Und was bringt das? Genau das haben wir getestet.

Nokia Thermo: Funktionen im Überblick

Nokia Thermo Test - Anzeige

Das Nokia Thermo zeigt das Messergebnis mit Farbindikator, das sich hinterher einer Person zuordnen lässt.

Das Thermo verfügt über 16 Infrarot-Sensoren, ermittelt mit mehr als 4.000 Messungen den heißesten Messpunkt und liefert so kontaktlos ein besonders genaues Ergebnis, verspricht Nokia. Da es nicht in Kontakt mit irgendwelchen Körperflüssigkeiten kommt, ist es besonder hygienisch. Das Messergebnis wird mit einem farbcodierten LED-Indikator angezeigt. Rot, Orange und Rot stehen hierbei für Normaltemperatur, erhöhte Temperatur und Fieber. Das Nokia Thermo synchronisiert sich dann automatisch via Bluetooth oder WLAN mit der Thermo-App, wo Nutzer ein umfassendes Gesundheitsprotokoll anlegen können. Dort fließen neben der ermittelten Temperatur auch Symptome, Notizen, Medikamente und Fotos ein. Die App für iOS und Android verfügt zudem über Informationen zu richtigen Medikamenten und Dosierungshinweise durch Thermia, einen Dienst vom Boston Children's Hospital.

Nokia Thermo: Verarbeitung und Bedienung

Nokia Thermo Test - Verarbeitung

Das Nokia Thermo ist insgesamt gut verarbeitet. Nur der Verschluss zieht Fussel und Haare an.

Nokia steht zwar drauf, das Design ist jedoch unverkennbar noch Withings. Und auch die Technologie ist nach dem Aufkauf in den Bestand von Nokia geflossen. Das Thermo ist so stylisch, dass es jedes Herz eines Apple-Fans hochhüpfen lässt. Es wirkt im Vergleich fast schon futuristisch. Das Gehäuse ist hochwertig verarbeitet und übersteht auch mal einen Sturz – auch wenn sich das Batteriefach öffnet. Zwei AAA-Batterien sorgen dafür, dass das Thermo immer läuft. Einen Indikator, wann die Batterien gewechselt werden sollten, gibt es allerdings nicht. Das Thermo lässt sich bei 116 x 33,2 mm gut fassen und aufstellen. Kleines Manko: der Gummiverschluss zieht Fussel an. Die Bedienung ist einfach: Verschluss ab, anmachen, Fieberthermometer in der Mitte der Stirn kurz über der Haut platzieren und gerade über die Stirn in Richtung Haaransatz ziehen. Eine Doppelvibration zeigt den Abschluss der Messung an. Gemessen wird hier die Temperatur der Schläfenarterie. Das soll besonders genaue Ergebnisse liefern. Zur Präzisition lässt sich im Anwendertest jedoch schwer etwas sagen. Zurück zur Bedienung. Das Messgerät wird auf dem Gehäuse mit LEDs angezeigt. Über eine Wischbewegung kann dies dann einer Person zugeordnet werden. Das Wischen ist jedoch manchmal etwas schwerfällig. Die Synchronisation klappt automatisch, dauert jedoch mitunter ein, zwei Minuten.

Nokia Thermo: App im Praxis-Test

Nokia Thermo Test - App

Die Thermo-App bietet einen chronologischen Krankheitsverlauf mit Temperatur, Symptomen, Medikamenten, Notizen, Fotos und Empfehlungen z.B. zu Medikamentendosierung.

Die Thermo-App ist ingesamt recht übersichtlich und sauber gestaltet. Bei der Android-App gibt es wie bei Nokias Health-Mate-App kleinere Darstellungsprobleme. Leider lassen sich die beiden Apps nicht koppeln, sodass ein ganzheitliches Gesundheitsmanagement möglich wäre. Wer das smarte Fieberthermometer von Nokia nutzen will, muss auch die Thermo-App nutzen. Hier fließen automatisch alle Messergebnisse ein. Wer nicht schnell genug die Ergebnisse auf dem Gerät selbst einem Profil zugeordnet hat, kann dies hier nachträglich tun. Bis zu acht Nutzer können angelegt werden. Symptome werden über Checkboxen hinzufügt. Über die bereits verfügbaren Symptome hinaus, wie z.B. starke Kopfschmerzen oder Übelkeit, gibt es nur die Möglichkeit, Weiteres in Notizen zu tracken. Dafür könnt ihr Fotos z.B. zu Hautausschlägen hinzufügen. Auf Basis der Stammdaten (z.B. Alter, Gewicht, Geschlecht) gibt die App aber auch Empfehlungen zu Medikamenten und Dosierungen. Dazu nutzt das Fieberthermometer den Thermia-Dienst des Boston Children's Hospital. Der gibt auch z.B. Tipps, wie ihr Kopfschmerzen bei Kindern erkennen könnt. Erkennt die App eine bedenkliche Entwicklung, so warnt sie. Ein wenig verwirrend ist jedoch die unterschiedliche Einschätzung von Nokia und Thermia. So schlug das Thermo bei 39,9 Grad Alarm: hohes Fieber, suchen Sie sofort einen Arzt auf. Thermia zeigte leichtes bis mäßiges Fieber und empfahl Ibuprofen und Paracetamol. Auch nicht optimal: Thermia empfahl neben Wirkstoffen auch Produkte – die jedoch nicht auf dem deutschen Markt erhältlich sind (Tylenol, Advil, Aleve). Eigene Medikamente können allerdings manuell vermerkt werden. Auch Messungen unabhängig vom Thermo können nachgetragen werden. Regelmäßiges Messen wird durch die Erinnerungsfunktion, z.B. jede Stunde, möglich.

Nokia Thermo: Preis und Preis-Leistung

Nokia Thermo Test - Fiebermessung

Die Fiebermessung erfolgt beim Nokia Thermo über Infrarot.

Der UVP für das Nokia Thermo beträgt 99,95 Euro. Bei Amazon gibt es das smarte Fieberthermometer meist jedoch etwas günstiger. Für Familien ist das Thermo mit seiner App wirklich gut geeignet. Hier können die Fieberdaten der Kinder problemlos hinterlegt werden und Elternteile können sich so auch gut abstimmen, wenn sie nicht gemeinsam zuhause sind. Die App und die Kooperation mit dem Boston Children's Hospital lässt auch bereits erkennen, dass die Zielgruppe weniger Singles sind, sondern Familien mit Kindern. Schläft das Kind – oder ein pflegebürftiger Angehöriger – lässt sich auch „heimlich” Fieber messen, ohne den Kranken aufzuwecken. Wer richtiges Gesundheitsmanagement betreiben möchte, der ist dagegen beim Nokia Thermo genau richtig. Bei den 100 Euro bezahlt ihr natürlich auch immer Verarbeitung und Design. Wer keinen „App-Schickschnack” benötigt, sollte dagegen lieber zu einem anderen Infrarot-Fieberthermometer greifen. Das ist dann auch kontaktlos, aber schon ab 20 Euro zu haben. Und: Es misst dann vielleicht nicht nur die Körperthemperatur, sondern auch z.B. Gegenstände, Wasser oder die Temperatur des Haustieres.

Nokia Thermo

Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.