Blutdruckmessung leicht gemacht?

Intelligentes Blutdruckmanagement: Nokia BPM+ im Praxis-Test

Das Nokia BPM+ verspricht intelligentes Blutdruckmanagement via Bluetooth und Health Mate App. Doch taugt das Blutdruckmessgerät auch was? Oder ist es nur fürs Designerhandtäschchen? Wir haben es getestet.

Datum:
Nokia BPM+ Blutdruckmessgerät im Praxis-Test

Das Nokia BPM+ fällt bereits optisch aus dem Rahmen.

Einschätzung
der Redaktion

Fazit: Das müssen Sie wissen

Es ist schon wirklich schick, das Nokia BPM+ Blutdruckmessgerät, das wesentlich reisetauglicher ist als sein großer Bruder BPM. Da mag man über ein paar Schwächen hinwegblicken. Die Druckmessung ist eher unangenehm bis schmerzhaft. Dafür sind Messungen am Oberarm genauer als am Handgelenk. Die Bedienung ist kinderleicht. Das Gerät startet schon mit zwei Klicks automatisch. Die dazugehörige Health Mate App überzeugt weniger. Wer sich jedoch lediglich um seinen zu hohen Blutdruck sorgt und einfach schnell mal unterwegs messen will, der bekommt mit dem Nokia BPM+ ein solides Gerät mit hochwertiger Verarbeitung und hohem Stylefaktor – aber eben ohne Extras.

Pro

  • Wirkt hochwertig
  • Schickes Design
  • Reisetauglich
  • Leichte Bedienung dank (fast) automatischer Messung
  • Zuverlässige Messergebnisse (soweit einschätzbar)

Kontra

  • Druckmessung vergleichsweise unangenehm bis schmerzhaft
  • Health Mate App zeigt niedrigen Blutdruck als „optimal” an
  • App teils nur auf Englisch
  • Gerät recht teuer für den spärlichen Funktionsumfang

Nokia BPM+

Seitdem Nokia Withings aufgekauft hat, kann Nokia auf jeden Fall im Gesundheitsbereich ganz groß im Stylesegment punkten. Auch das kabellose Blutdruckmessgerät BPM+ wurde mit bewährter Withings-Technik entwickelt und zählt optisch zu den schicksten Geräten in diesem Bereich. Perfekt für Millennials und Apple-Fans? Wahrscheinlich. Doch wer sich um seinen Blutdruck sorgt, möchte vielleicht ein bisschen mehr als ein schickes Design. Und wie steht es nun mit Bedienbarkeit, Preis und Nutzen des smarten Blutdruckmessgeräts? Wir haben es ausprobiert.
Nokia BPM+

Das BPM+ misst den Blutdruck am Oberarm – eine präzisere Methode als am Handgelenk, aber durchaus mit einigen Tücken.

Nokia BPM+: Design und Verarbeitung

Das Blutdruckmessgerät von Nokia hat auf den ersten Blick einen hohen Stylefaktor. Gehäuse und Textilmanschette sind hochwertig verarbeitet. Farblich ist das BPM+ mit seinem Grau zwar neutral, aber in mattem Silber angelehnt an Geräte von Apple, die man nicht unbedingt nur aufgrund der Funktionalität kauft, sondern eben wegen des Designs. Fast wirkt das Blutdruckmessgerät wie eine Powerbank. Es ist kompakt, kabellos und auch große Arme haben in der Manschette Platz. Das Gerät lässt sich gut zusammenrollen und transportieren. Die Maße von 15x6x5 cm sind reisetauglich.

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Nokia BPM+: Installation und Bedienung

Wer das Nokia BPM+ nutzen will, benötigt dafür nicht nur ein Smartphone (iOS/Android), sondern auch die Nokia Health Mate App, eine App zum Gesundheitsmanagement, bei der die Daten mehrerer smarter Geräte von Nokia zusammenlaufen. Gut: Eine App für alles. Skeptiker wird es ein sorgen, dass hier sämtliche Gesundheitsdaten in der Cloud liegen und man sich mit Namen und E-Mail anmelden muss. Auch Alter, Größe, Gewicht und Geschlecht verzeichnet die App. Wer sich damit anfreunden kann, verknüpft das Gerät via GPS und Bluetooth – und das funktioniert in der Tat sehr schnell und unkompliziert. Manschette anlegen, Startknopf drücken und schon ist alles bereit für die Blutdruckmessung. Die App erkennt das Gerät automatisch. Ihr müsst lediglich entscheiden, ob ihr den normalen Modus (einmalige Messung) oder den Auto-Modus wollt (drei Messungen hintereinander für einen Durchschnittswert). Das klappt schnell und unkompliziert.
Nokia BPM+ zusammengerollt

Für unterwegs ist das schicke Blutdruckmessgerät BPM+ von Nokia durchaus geeignet.

Nokia BPM+: Blutdruckmessung

Eingelullt in den Glauben an ein entspanntes Blutdruckmessen, war ich doch ziemlich überrascht, als sich das BPM+ bei der Messung immer fester, fester, fester ... und noch viel fester um meinen Oberarm schloss. Schnell kontrollierte ich den Sitz. Genau nach Anleitung. Fester. Hatte ich etwas falsch gemacht? Fester. Der Arm wurde taub, aus dem Zwacken wurde ein Schmerz. Fester. Ein Bild kam mir in den Sinn: Das Gerät wäre sicherlich ganz praktisch, wenn man eine Fleischwunde abbinden müsste ... fester. Inzwischen liebäugelte ich bereits mit einem Abbruch der Messung. Man kennt ja das Drücken beim Blutdruckmessen beim Arzt. Aber diese Messung war außerordentlich schmerzhaft. War mein Arm vielleicht zu dick für den Druck? Nun mussten die Kollegen für weitere Messungen herhalten. Doch auch Ihnen fiel das unangenehme Zwacken bis zum schmerzhaften Druck unangenehm auf. Das kannte bislang noch keiner in der Intensität – weder von einem Arzt, noch von einem anderen Blutdruckmessgerät. Nun ist Schmerzempfinden individuell, doch ich empfand die Messungen jedesmal als extrem unangenehm. Zitat der Kollegin: „Kein Wunder, wenn mein Herz allein dadurch anfängt zu rasen. Wie soll ich da entspannen?” Mir ging es ebenso.

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Nokia BPM+: Auswertung des Messergebnisses

Praktisch, einfach, aber recht unkomfortabel. War denn das Messergebnis zufriedenstellend? Im Vergleich mit einem herkömmlichen Blutdruckmessgerät waren die Werte des BPM+ ähnlich. Und soweit man sich selbst einschätzen kann, passten die Ergebnissen auch zu früheren Messungen beim Arzt. Irritierend war jedoch der Umgang mit niedrigem Blutdruck. Der findet nämlich gar nicht erst statt. Das Gerät konzentriert sich auf die Ermittlung von hohem Blutdruck. Niedriger Blutdruck wird nicht als Problem angesehen, daher werden entsprechende Messergebniss auch als „optimal” eingestuft. Wer jedoch genau darunter leidet, erhält trotzdem immer ein grünes Häkchen. Wünscht man mehr Details, liefert die Health Mate App lediglich oberflächliche Allgemeinheiten auf Englisch. Schade. Auch nicht schön: Auf meinem Android-Smartphone war das App-Layout teilweise verzogen. Insgesamt waren weder App-Design noch Funktionalität auch nur annähernd beeindruckend. Zwar lassen sich Messwerte und auch eine Mess-Erinnerung manuell nachtragen, doch wer mit einem solchen Gerät visuell klotzt und dann in der App kleckert, wird zwangsweise enttäuschte Gesichter ernten.
Das Nokia BPM+ funktioniert nur mit Health Mate App

Das Nokia BPM+ funktioniert nur in Kombination mit der Health Mate App. Die zeigt die Blutdruckmessung in Echtzeit – ansonsten ist die App wenig beeindruckend.

Nokia BPM+: Preis und Verfügbarkeit

Das Nokia BPM+ Blutdruckmessgerät ist mit einer UVP von 129,95 Euro nicht gerade günstig. Hier bezahlt ihr den Namen und das schicke Design. Ein bisschen mehr Funktionalität (Sprachsteuerung, Sprachausgabe ...) hätte ich mir für das Geld schon gewünscht. Auch stellt sich mir die Frage nach der Zielgruppe. Meist brauchen ältere Menschen Blutdruckmessgeräte. Wenn diese ein Smartphone nutzen, dann wäre doch zumindest eine Großansicht der Messwerte auf dem Smartphone-Bildschirm eine gute Sache – schließlich hat Nokia ja auch die mögliche Weiterleitung des Messergebnisses via Mail an den Arzt gedacht. Das ist zwar nur eine Textdatei mit den Messergebnissen – keine komplette Statistik – aber immerhin. Schade. Schick, aber nur solide in der Ausführung. Das BPM+ ist bereits im Fachhandel, sowie bei Amazon erhältich.

Nokia BPM+

Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.