WTF?

Männer, die Sex mit Männern haben, dürfen jetzt Blut spenden – wenn sie keinen Sex mit Männern haben

Eine neue Richtlinie der Bundesärztekammer zum Blutspenden sorgt für Irritation. Schwule Männer dürfen nun Blut spenden. Aber nur, wenn sie keinen Sex mit Männern haben. Irrsinn? Ja!

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Schwulen dürfen wieder Blut spenden – wirklich?

Blutspender werden dringend benötigt. Dennoch ist die neue Regelung kein Fortschritt – nicht für die Gleichstellung von Homosexuellen.

Schwule Männer dürfen künftig Blut spenden. Das ist neu, denn bislang gehörten sie automatisch zur Risiko-Zielgruppe, die grundsätzlich vom Blut spenden ausgeschlossen ist. Warum? Weil hier das Risiko einer HIV- oder Hepatitis-C-Infektion besonders hoch ist. Nun hat die Bundesärztekammer eine neue Richtlinie zur Blutgewinnung und Verwendung von Blutprodukten auf den Weg gebracht. Künftig sollen demnach auch homosexuelle Männer Blut spenden können – vorausgesetzt, sie verhalten sich nicht wie homosexuelle Männer. Der pure Irrsinn. Dennoch wird die Neuregelung als großer Fortschritt gefeiert.

Schwule Männer und die Blutspende

Bislang durften Männer, die Sex mit Männern haben, grundsätzlich kein Blut spenden. Sie galten ebenso wie Prostituierte – männlich und weiblich – als Hochrisikogruppe in puncto AIDS und Hepatitis C. Auch Transsexuelle mit „sexuellem Risikoverhalten” und Heteros mit häufig wechselnden Sexualpartnern waren ein Leben lang für die Blutspende gesperrt. Lesbisiche Frauen dagegen zählten nie per se als Risikogruppe. Die neue Richtlinie der Bundesärztekammer sieht nun für Risikospender „nur noch” eine Sperre von einem Jahr vor. Wer sein Risikoverhalten beendet, darf also wieder Blut spenden.

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Fortschritt kein Fortschritt

Wer als homosexueller Mann Blut spenden will, muss nun mindestens ein Jahr enthaltsam leben. Nur dann, gilt sein „Risikoverhalten” als beendet. Allein das ist schwer nachzuvollziehen für diejenigen, die z.B. jahrelang in einer festen Partnerschaft leben. Zölibat zur Bedingung für eine Blutspende zu machen, ist komplett absurd – zumal sich eine HIV-Infektion bereits nach sechs Wochen ausschließen lässt. Fakt ist: Mit dieser Regelung bleiben schwule Männer von der Blutspende auch künftig ausgeschlossen.

Wer Blut spenden will, macht es sowieso

Besonders fragwürdig wird diese neue Richtlinie der Bundesärztekammer jedoch, weil das Sexualverhalten vor der Blutspende mit Fragebögen abgefragt wird. Wer also unbedingt Blut spenden will – sei es aus Überzeugung oder weil er dafür ein paar Kröten bekommt – wird hier ohnehin nicht wahrheitsgemäß antworten. Denn: Wer will kontrollieren, ob jemand sexuell risikoreich unterwegs war oder nicht? Abgeschreckt von dem Verbot werden vor allem diejenigen, die es ernst nehmen mit dem Blutspenden. Und genau das sind die Menschen, die unserem System fehlen. Schade. Chance verpasst. Das ist ganz sicherlich kein Zeichen gegen Diskriminierung – und auch keins für ein modernes Blutspendesystem.
Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.