Süße Bilder

MRT-Kontrastmittel: Zucker als Alternative!

Funktioniert ein MRT auch ohne normales Kontrastmittel? Ja, sagen Krebsforscher. Einfacher Traubenzucker sei eine gute Alternative als MRT-Kontrastmittel bei der Kernspintomographie.

Datum:
MRT Kontrastmittel

Zucker als MRT-Kontrastmittel? Forscher erproben diese neue schonende Methode.

Die Magnetresonanztomographie ist heute aus der Medizin nicht mehr wegzudenken. Radiologen machen mit der MRT (auch Kernspintomographie) Gewebe und Organstrukturen sichtbar und bringen so vielerlei Veränderungen ans Licht, zum Beispiel Tumoren. Die MRT arbeitet mit starken Magnetfeldern, zerlegt den Körper in „Scheibchen“ und liefert Schnittbilder des Gewebes. Doch ohne MRT-Kontrastmittel, das die Blutgefäße gut sichtbar macht, liefert die MRT-Untersuchung keine qualitativ hochwertigen Aufnahmen. Manche Patienten vertragen aber die MRT-Kontrastmittel nicht. Sie belasten den Körper und führen manchmal zu Kopfschmerzen, Unwohlsein oder Hautreizungen. Einige gängige Kontrastmittel enthalten das magnetische Element Gadolinium. Studien ergaben jetzt, dass sich das Metall offenbar schon nach wenigen Anwendungen im Gehirn ablagert. Die Europäische Arzneimittelagentur EMA schränkt jetzt deshalb die Anwendung von gadoliniumhaltigen MRT-Kontrastmitteln ein und verbietet sie teilweise. Eine Alternative entwickelten nun Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg: eine einfache Zuckerlösung! Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachblatt Radiology.

Galerie: Die zehn wichtigsten Heilmethoden gegen Krebs

MRT-Kontrastmittel: Tumoren verstoffwechseln den Zucker

MRT-Kontrastmittel verbessern die Bildqualität aus dem Körperinneren, indem sie die Signale in den Blutgefäßen und den Zwischenräumen der Zellen verstärken. Ins Innere der Zellen gelangen Kontrastmittel aber nicht. Traubenzucker (Glukose) nehmen die Körperzellen dagegen schnell auf und bauen ihn ab. Vor allem schnell wachsende Krebszellen brauchen große Mengen an Zucker, um ihren enormen Energiebedarf zu decken. Und diese Tatsache wollen sich die Forscher zunutze machen. Die Beobachtung der Zuckerstoffwechselaktivität biete die Möglichkeit, Krebsherde und besonders aggressiv wachsende Tumoren zu identifizieren, so ihre Überlegung.
Bei der klassischen MRT-Untersuchung messen Radiologen die Signale von positiv geladenen Teilchen (Protonen) im Wasser. Weil der menschliche Körper zu rund 60 Prozent aus Wasser besteht, erhalten Radiologen ein sehr deutliches Bild aus dem Körperinneren. Traubenzucker ist aber viel geringer konzentriert. Um diesen sichtbar zu machen, setzen die DKFZ-Forscher einen Hochfeld-Tomographen mit einer Magnetfeldstärke von sieben Tesla und eine spezielle Methode ein, um das Glukose-Signal zu verstärken.

Fünf Stück Würfelzucker als MRT-Kontrastmittel

Die Forscher entwickelten die neue Art der Bildgebung auf der Basis eines physikalischen Prinzips, das schon Jahrzehnte lang bekannt ist: dem sogenannten Magnetisierungstransfer-Effekt. Dabei überträgt sich das Signal der Glukose-Teilchen auf das im MRT gemessene körpereigene Wasser. Der Effekt zeigt, wie sich die Zuckerkonzentration regional verändert. Etwa fünf Stück Würfelzucker benötigt man den Radiologen und Physikern zufolge, um eine ausreichende Signalstärke zu erzielen.

Galerie: Wo Strahlung unseren Alltag kreuzt

Ihre Zucker-Methode testeten die Forscher in einem Kopf-MRT an gesundem und krankem Gehirngewebe. Nach der Injektion einer Traubenzuckerlösung beobachteten sie, wie sich die Zuckerkonzentration im Gehirn veränderte. Sie erkannten sowohl die Änderung des Glukosesignals von gesunden Hirnbereichen als auch die krankhafte Veränderung in menschlichen Gehirntumoren. Mit der Positronenemissionstomographie (PET) gibt es bereits eine weitere Methode, die auf dem erhöhten Zuckerverbrauch von bösartigen Tumoren basiert. Nuklearmediziner setzen sie seit Jahren in der Krebsdiagnostik ein. Allerdings funktioniert die PET nur mit radioaktiv markierten Zuckermolekülen, die wiederum die Patienten belasten. Die Glukose-MRT kommt dagegen ohne jegliche Radioaktivität und Strahlenbelastung für den Patienten aus.

Krebsratgeber

Ingrid Müller

von

Journalismus, Medizin und Gesundheit sind echte Faibles. Es geht immer darum, medizinisches Kauderwelsch für Patienten und medizinische Laien verständlich, aber auch spannend zu machen.