Besser mäusefrei

Hantavirus: Dachböden sind für Schwangere tabu

Mäuse in der Speisekammer oder auf dem Dachboden? Um diese Nagetiere machen Frauen mit Kinderwunsch oder Schwangere besser einen großen Bogen!

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Hantavirus – Gefahr für Schwangere

Das Hantavirus ist gefährlich für Schwangere. Mäuse und Ratten übertragen den Krankheitserreger.

Das Hantavirus ist in diesem Jahr äußerst aktiv und die Zahl der Hantavirus-Erkrankungen enorm hoch: Bis Juni 2017 hatten Ärzte in Deutschland zehnmal mehr Infektionen mit Hantaviren gemeldet als im gesamten vergangenen Jahr. Vor allem für Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch ist das Hantavirus gefährlich, warnt der Berufsverband der Frauenärzte jetzt. Für Ungeborene bestehen dagegen – anders als etwa beim Zika-Virus – keine Gesundheitsrisiken. Das Hantavirus befällt vor allem kleine Nagetiere wie Mäuse oder Ratten. Kommt ein Mensch mit dem Kot, Urin oder Speichel infizierter Tiere in Kontakt, infiziert er sich mit dem Hantavirus. Die virushaltigen Ausscheidungen der Nager befinden sich im aufgewirbelten Staub und Menschen atmen die Viruspartikel ein. Auch durch Bisse infizierter Tiere stecken sich Menschen mit dem Hantavirus an.

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Hantavirus-Symptome: So macht sich eine Infektion bemerkbar

Hantavirus

Hantavirus unter dem Elektronenmikroskop (c) CDC

Die Zeit zwischen der Ansteckung mit dem Hantavirus und dem Ausbruch der Krankheit (Inkubationszeit) beträgt meist zwei bis vier Wochen. Anfangs äußert sich die Hantavirus-Infektion wie eine Grippe. Betroffene entwickeln ein schweres Krankheitsgefühl und hohes Fieber („Hanta-Fieber“ über 38 Grad Celsius). Begleitende Hantavirus-Symptome sind Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Gliederschmerzen, Muskelschmerzen und Husten. Etwa drei bis vier Tage halten diese Symptome an. Dann folgt eine zweite Krankheitsphase, in der der Blutdruck deutlich abfällt und die Nierenfunktion beeinträchtigt ist – bis hin zum Nierenversagen. Erkranken Schwangere schwer, erhöht sich das Risiko für vorzeitige Wehen und eine Frühgeburt. Die Hantavirus-Infektion führt aber nicht zwangsläufig zu schweren Komplikationen, auch leichtere Verläufe sind möglich. Meist klingt die Erkrankung von selbst und ohne gesundheitliche Folgen wieder ab.

An diesen Orten besteht Infektionsgefahr mit dem Hantavirus

Gynäkologen raten Frauen mit Kinderwunsch und Schwangeren, den Kontakt mit Mäusen und deren Ausscheidungen zu meiden. Lassen Sie trockene Dachböden, Keller, Scheunen, Gartenschuppen und Ställe, in denen Mäuse leben und ihre Nester bauen, besser links liegen. Denn wer den kontaminierten Staub einatmet, infiziert sich mit dem Hantavirus. Putzen und räumen Sie solche typischen Infektionsorte, an denen sich Mäuse tummeln, vor einer geplanten Schwangerschaft auf. Ansonsten delegieren Sie diese Arbeiten an Familienmitglieder oder Freunde, die gesund und nicht schwanger sind, empfiehlt das Robert Koch-Institut, das einige Schutztipps zusammengestellt hat.
Wenn Sie trotzdem solche potenziellen Infektionsorte aufsuchen, etwa weil sich im Haus oder der Speisekammer Mäuse eingenistet haben, lüften Sie oder ein Familienmitglied mindestens 30 Minuten vorher gründlich. Tragen Sie einen gut sitzenden Atemschutz und Gummihandschuhe, wenn Sie dort arbeiten. Wischen Sie den Staub nass auf. Wirbeln Sie ihn keinesfalls auf oder entfernen ihn mit dem Staubsauger. Es besteht die Gefahr, dass das Hantavirus in Ihre Atemwege gelangt. Eine tote Maus entsorgen Sie nicht im Biomüll, sondern im normalen Hausmüll (das Tier in eine Kunststofftüte einpacken!). Mit diesen Hygiene-Tipps lässt sich die Gefahr einer Ansteckung erheblich reduzieren.

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Verdacht auf Hantavirus-Infektion? Ab zum Arzt!

Suchen Sie immer einen Arzt auf, wenn Sie vermuten, sich mit dem Hantavirus angesteckt zu haben. Medikamente, welche die Infektion ursächlich bekämpfen, gibt es nicht. Nur die Symptome lassen sich lindern. Auch eine schützende Hantavirus-Impfung ist nicht auf dem Markt. Nicht jeder Mensch in Deutschland ist an seinem Wohnort der gleichen Infektionsgefahr mit diesem Virus ausgesetzt. Vielmehr gibt es bestimmte Risikogebiete, in denen Hantavirus-Erkrankungen gehäuft vorkommen. Dazu gehören beispielsweise die Schwäbische Alb, der Raum Osnabrück, Unterfranken, der Odenwald, Oberschwaben, die Fränkische Alb, der Bayerische Wald, Osthessen und West-Thüringen.

Ratgeber zur Schwangerschaft

Ingrid Müller

von

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