So funktioniert der Online-Arztbesuch

Digitaler Arztbesuch: Jetzt kommt die Videosprechstunde!

Medizinische Fernbehandlung war in Deutschland bislang ein Tabu. Nun gibt es einen Modellversuch mit Videosprechstunde. Ist der digitale Arztbesuch bald Normalität?

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Digitaler Arztbesuch

Die Zukunft des Arztbesuchs ist digital.

Sparen wir uns künftig den Weg zum Arzt und bekommen via Skype ein Rezept? Das klingt nach Zukunftsmusik. Doch in Baden-Württemberg ist man bereits ein Schritt in diese Richtung gegangen. Ende Oktober startete ein Projekt, das digitale Fernbehandlungen möglich macht. Dort erhielt die TeleClinic von der zuständigen Landesärztekammer die Genehmigung. Wie funktioniert das und wie könnt ihr das Angebot nutzen?

Digitaler Arztbesuch über Anbieter in Baden-Württemberg

In einem Modellprojekt bieten Ärzte nun vorläufig zwei Jahre lang ihre Beratungsgespräche auch digital an. Gerade in ländlichen Gebieten, wo akuter Ärztemangel herrscht, trägt dies langfristig nicht nur zur Entlastung der Haus- und Fachärzte bei, sondern auch der Patienten. Denn wer wirklich ärztliche Hilfe benötigt, wird sich nicht unbedingt in ein Auto oder gar einen Bus setzen, um die medizinische Versorgung zu erhalten, die man in einem Industrieland wie Deutschland erwartet. In der Schweiz, in England und Skandinavien ist das orts- und zeitunabhängige Behandeln von Patienten über digitale Wege bereits seit Jahren möglich.

TeleClinic: Wie funktioniert der digitale Arztbesuch?

Täglich und rund um die Uhr sind die Ärzte der TeleClinic verfügbar. Wer sich einmal angemeldet hat, kann sich danach jederzeit einloggen und via App, Webseite oder Telefon den Dienst für die Fernsprechstunde nutzen. Die TeleClinic kooperiert derzeit erst mit sechs Versicherungen: Arag, Barmenia, Concordia, BKK Werra-Meissner, BKK-VBU und Brandenburgische BKK. Wer bei einer anderen Krankenversicherung ist, kann sich zwar anmelden, das kostenlose TeleClinic-Konto wird jedoch nach einer 30-tägigen Testphase automatisch deaktiviert – wenn es bis dahin keine Kooperation mit der jeweiligen Krankenkasse gibt. Eine regionale oder nationale Beschränkung gibt es nicht. Wer möchte, nutzt den Dienst sogar aus dem Ausland. Bei Bedarf lädt man medizinische Dokumente oder Fotos für den Arzt hoch. Nicht immer werdet ihr mit einem passenden Arzt sofort verbunden, sondern später zurückgerufen. Aber eine anvisierte Rückmeldung von maximal 24 Stunden ist immerhin kürzer als ihr sonst auf einen Termin bei einem Facharzt wartet. Es gibt unterschiedliche Beratungsgebiete, z.B. Schwangerschaft, Depression, Erkältung, Rückenschmerzen oder Sportverletzungen. Allerdings – und das ist der Haken – erhaltet ihr lediglich eine „allgemeine krankheitsbezogene Beratung”. Diese ist zwar zeitlich unbegrenzt, aber einen Arztbesuch ersetzt die TeleClinic in vielen Fällen nicht. Trotzdem: Ein Schritt in eine spannende Richtung.
Anja Schmidt

von

Redakteurin Connected World. Die 156 Apps auf meinem Smartphone nutze ich wirklich. Meine Schwäche: Gadgets und smarte Technik.